Die Himmelsregisseurin

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — 17. Januar 2008 @ 13:11

Einen spektakulären Tusch
gibt die kaum erschienene Schöne.
Nicht zu viel verspricht sie,
nichts weniger
als den Tag der Tat.
Ergötzung als Kraftschub bietet sie
den der Nacht früh Entstiegenen.

Die Melancholie dieser Nacht
steigert sie in Melodramatik.
Sie zieht die Fäden.
Sie führt Regie.
Ist nicht dienstbar dem Mond,
noch der Sonne.

Die himmlische Schöne selber
lässt klingen den Dreiklang,
den von Rosee dominierten.
Die blauschwarzen Berge,
die glühenden Wolkenschimmer,
das platinprangende Goldrot
des Himmelsblaus:
Sie scheint diese Komposition
für Ewigkeiten zu bannen.
Und ist doch so flüchtig,
entwindet sich ungesehen
dem haschenden Zugriff.

Oh Tochter der Theia,
Du teure; für immer
bildest den Hintergrund Du
unsrer Seele.

Eos, aurora, aurore, dawn of day,
Morgenröte,
Du köstliche Perle.

14 Kommentare »

  1. m.m.:

    Lieber Helmut Maier,

    sehr schön, dass nach Tag- und Nachtgestirn nun die Morgenröte ein eigenes Lob bekommt!Bin davon auch immer wieder fasziniert.

    Möchte gern einen Gruß hierlassen, da ich schon länger gern mitlese..

    …liebe Grüße “um die Ecke”,
    aus dem Heckengäu von m.m.

  2. Helmut:

    Vielen Dank, m.m., für den offenbar wiederholten Besuch auf meinem Blog und für die Würdigung des Texts. Schön, dass hier “um die Ecke” jemand ist, der sich für die Themen auf meinem Blog mindestens teilweise interessiert. Ich habe Ihren/Deinen Austausch mit Petros auch gerne verfolgt.

    Liebe Grüße
    Helmut (Maier)

  3. m.m.:

    Lieber Helmut,

    auch ich habe euren Austausch gern verfolgt. Tja, nur virtuell bekannt und erst kurz, aber es fehlt jetzt etwas.. geht dir vielleicht auch so?

    Also nur teilweise Interesse an deinen Werken???
    *lächel.. nein, ich habe nur den Ausschluss Politik. Da kenne ich mich nicht aus und lasse es auch lieber von Menschen diskutieren, die etwas davon verstehen. Ansonsten bin ich absolut “unbeleckt” was die Lyrik angeht. Liebe einfach, wie Sprache schön angewendet werden kann, um etwas (besonders Stimmungen)auszudrücken. Weg von dem normalen Gebrauch, den ich bei der Arbeit versuche anzulernen bzw. wieder herzuholen als Sprachtherapeutin.
    Ich selbst habe zeitweise ein Bedürfnis danach, Stimmungen oder Geschehnisse niederzuschreiben. Allerdings wirklich nur laienhaft.

    Somit freue ich mich über deine Seite und hoffe auf viele weitere Texte von dir.

    ..grüßt m.m.

  4. wortmeer:

    Ich hab sie heute leider nicht gesehen, die Morgenröte, aber Du hast sie mir gezeigt :-) Danke!
    Viele Grüße vom wortmeer

  5. ladyArt:

    Lieber Helmut,
    eine kurze Anregung - die Farbe von Platin ist silberhell - oder so weiß wie Weißgold.
    Ein “platinprangendes Goldrot
    des Himmelsblaus” kann ich mir leider beim besten Willen nicht vorstellen. Aber vielleicht hast Du ein ganz besonderes Bild vor Augen, das ich nur nicht nachvollziehen kann. Deine Aphorismen, Lebensweisheiten - habe ich mit sehr großem Interesse gelesen. Danke
    LadyArt

  6. Helmut:

    Vielen Dank Euch!

    Nur kurz @LadyArt eine erste Begrüßung. Und eine Antwort auf das Platin-Bild: Du hast, was die Farbe angeht, völlig Recht. Ich habe aber nicht behauptet,(verkürzt:) Silber sei gleich Rotgold. Ich habe nur das Prangen verglichen. Und da habe ich den Eindruck, dass Platin (obwohl es n u r silberfarben ist) den größeren ‘Prangwert’ hat!

    Kurz war ich, weil ich morgen einen Vortrag halten muss und mit der Vorbereitung noch nicht ganz fertig bin. Ich melde mich wieder!

    Liebe Grüße an alle LeserInnen und Leser
    Helmut

  7. Helmut:

    @m.m.: Der Grund, warum ich gestern ein bisschen kurz war: der Vortrag (oder bescheidener: das Referat) hat sich nun gerade damit beschäftigt, was Du eher auszublenden für nötig, geboten, interessenlosigkeit-bedingt oder was immer hältst: Politik. Bei der jährlichen Klausur des Esslinger Friedensbündnisses habe ich über die denkbaren 3 Hauptoptionen des internationalen Engagements in Afghanistan und den meiner Einschätzung nach zu erwartenden Folgen gesprochen: Stärkeres militärisches ‘Engagement’ mit der Folge der Gefahr eines neuen Vietnamtraumas der USA und ihrer Verbündeten, also einer Katastrophe, in die es zu münden droht. Dann ein ‘weiter so wie bisher’, nämlich die Aufrechterhaltung der längst löchrig gewordenen Trennung von UN- mandatierter ISAF genannter militärischer Absicherung eines gewünschten, aber offenbar kaum gelingenden Wiederaufbaus des Landes nach dem (eigentlich immer noch weitergehenden) Antiterrorkrieg der USA, der denen vom Sicherheitsrat als Verteidigungskrieg zuerkannt worden ist und immer noch und sogar wieder immer mehr zivile Opfer fordert und (die Trennung von)
    eben diesem Antiterrorkrieg, in den Deutschland sich immer mehr zu verwickeln droht. Ergebnis wäre letztlich wie bei der ersten Option.
    Die von mir favorisierte Option wäre, in Verhandlungen mit allen Beteiligten das Beste für die Bevölkerung zu erreichen. Dem steht zwar ein Riesenproblem entgegen: die Verstrickung aller Gesellschaftsschichten Afghanistans in den internationalen Drogenschmuggel, der 90% der Weltproduktion aus Afghanistan herausholt. Um diesen illegalen Handel in ein allen Beteiligten gerecht werdendes Lizensierungssystem umzuwandeln und damit der großen Masse der afghanischen Bauern (90% der Bevölkerung) ein gesichertes Einkommen ohne Illegalität zu sichern, bedarf es vertraglicher Abmachungen aller Beteiligten und den Aufbau eines weltweiten gerechten Schmerzlinderungs-Programms. Bisher haben die Industrieländer (etwa 20% der Länder der Erde) 80% des zur Verfügung stehenden Opiums weltweit verbraucht.
    Für dieses Riesenprogramm könnte, sobald die vertraglichen internationalen Abmachungen greifen, das Geld eingesetzt werden, das seither für die militärischen ‘Aktivitäten’ ausgegeben wurde.

    So viel zu den Themen, die mich in den letzten Tagen besonders, aber im Prinzip immer wieder bzw. ständig neben der Lyrik beschäftigen. Zum Glück kann ich mir das leisten, da ich ja als pensionierter Lehrer Zeit dazu habe.

    Nun weißt Du also ein bisschen mehr von mir und meinen Interessen. Schön, dass wir, was die Sprache angeht, auch gemeinsame Interessen haben. Das hat mir das Vergnügen beschert, Deine Kommentare auf meinem Blog (und auch besonders bei Petros)zu lesen.

    Vorläufig mit herzlichen Grüßen
    Helmut

  8. Helmut:

    @wortmeer:

    Dass Du Dir von mir die Morgenröte hast z e i g e n lassen, finde ich sehr schön, ja, es macht mich glücklich. Wenn Lyrik es fertig bringt, etwas zu zeigen (und dazu noch so etwas Schönes und Wichtiges wie die Morgenröte), scheint sie mir gelungen.
    Ich danke Dir für dieses Erfolgserlebnis.

    Liebe Grüße
    Helmut

  9. Helmut:

    @LadyArt:

    Es war schön, Dich als neue Besucherin auf meiner Blogseite willkommen heißen zu dürfen. Wenn meine Aphorismen Dein Interesse gefunden haben, bestätigt das meine Ahnung, dass lyrische Ausdrucksweise nicht nur in traditioneller Lyrik sich zu manifestieren hat.

    Liebe Grüße
    Helmut

  10. LadyArt:

    Lieber Helmut,

    einige Tage sind vergangen. Mit großem Interesse lese ich in deiner Antwort an m.m. von deinem Engagement zu Afghanistan. Es ist ein Geflecht von Macht- und Machtausschöpfungsinteressen, das so vielschichtich ist, dass es für die Politik ein Leichtes (gewollt oder ungewollt) ist, die eigentlichen Probleme zu verschleiern und zu verharmlosen. Der Versuch, den afgh. Bauern eine alternative “Feldfrucht” schmackhaft zu machen, wird angesichts des Drucks der Abnehmer und der damit verbundenen Macht der Kartelle sicherlich schwierig sein. Ich kenne die jüngere Geschichte, die politischen Verhältnisse, die sozialen Strukturen, die Vielfalt der afghanischen Volksgruppen, Religionen und Sprachen nur aus Presse, Fernsehen und Internet. Es hat sich mir aber ein Bild geformt, das sich in einer riesigen Frage bündelt: Ist es uns Europäern mit unserer humanistischen Tradition und unserem Verständnis von Demokratie, Recht und Ordnung überhaupt möglich die so ganz unterschiedlichen Denkweisen (von den Taliban nicht zu reden) der über Afghanistan verstreuten Volksgruppen zu verstehen?
    Mit lieben Grüßen
    LadyArt

  11. Helmut:

    Hallo LadyArt,

    Danke für Deinen Kommentar. Deine Anfrage ist berechtigt. Deshalb ist es ja unter anderem so widersinnig, militärisch das Problem lösen zu wollen. Und wenn etwas erreicht werden soll, dann nur durch Verhandlungen und Anreize für alle Beteiligten sich zu einigen. Das geht ganz bestimmt nicht ohne Vermittlung von Menschen, die beide Seiten kennen.

    Liebe Grüße
    Helmut

  12. LadyArt:

    lieber Helmut,
    da fällt mir noch etwas ein. Der Braindrain, der sich seit dem Krieg mit Russland und dem Ansturm der Taliban quer durch Afgh. vollzogen hat, macht eine positive Entwicklung nicht leichter.
    Warst du schon in Afghanistan? Wie bist da dazu gekommen, dich so intensiv mit diesem Land zu beschäftigen? Danke für das Gespräch… Gabriele

  13. Helmut:

    Hallo Gabriele,

    Mit dem Brain Drain hast Du sicher Recht. Obwohl noch genügend Kapazität dazusein scheint.
    Nein, ich war noch nicht in Afghanistan. Ich habe mich damit beschäftigt, weil uns in der Friedensbewegung oft genau das vorgeworfen wird, was die Militärs selber nicht besser machen: Wir hätten zur Lösung der Probleme keine wirkliche Alternative zu bieten.
    Wenn Du mir eine Mail schickst/schicken kannst und selber eine empfangen kannst, schicke ich Dir gerne eine mit der Entwurf-Datei für mein Referat.

    Liebe Grüße
    Helmut

  14. LadyArt:

    Lieber Helmut,
    Ja, ich würde mich sehr freuen, wenn ich Deinen Aufsatz lesen dürfte. Das wenige, was ich davon schon erfahren konnte, hat mich sehr interessiert.
    Meine e-mail ist wie oben.
    Ich bin gerade dabei über meine Reise nach Marrakesch einen Blog zu machen, Bilder, Geschichten und Gedichte. Vielleicht hast du Lust auch einmal darin zu lesen und mir deine Eindrücke zu hinterlassen, falls dich etwas anspricht.
    http://ladyart.blogspot.com ist die Adresse.
    Ich freue mich darauf von Dir zu hören.
    Liebe Grüße
    Gabriele

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