Bauhausgedanken

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — 19. März 2008 @ 9:30

Wüssten wir, was wahr ist,
wir wüssten zu leben,
betteten uns in
Wohnzimmer der Erinnerungen,
versteckten das Runde
unserer Träume
in Quader von
fensterflächenverhangenen
Meisterhäusern.

Aber Ornamente,
mit denen wir das
unerlebte Leben genießen
könnten,
würden uns fehlen.

Und Wahrheiten,
denen wir trauten,
so einfach wie Quader
sind sie ja doch nicht.

Und Organisches
wächst aus den Funktionen,
wie der Zweck die Form
wohl gebiert,
wenn sie nicht selber
sich dennoch entwickelt
aus ihrem sinnvollen Samen,
ganz zweckfrei.

Und wir träumen und sind.

8 Kommentare »

  1. petros:

    Eine Architektur des Lebens im Bilde gesammelter Eindrücke gezeichnet, und allem berechtigten Anschein nach statisch geprüft.
    Glückwunsch.

    LG
    Petros

  2. Helmut:

    Danke, Petros. Hoffentlich stürzt nichts ein! (Aber da bin ich ja schon wieder bei der Angst …)

    Liebe Grüße
    Helmut

  3. quersatzein:

    “Und wir träumen und sind.” Das ist doch schon etwas, - und beim Träumen vergessen wir die Angst vor dem Einsturz unserer Bauhäuser, die manchmal auch Kartenhäuser sind…

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

  4. Helmut:

    Danke, Brigitte, und Walter Gropius, der Gründer des Dessauer Bauhauses, träumte ja sicher auch - und einen sehr wirkungsreichen Traum (wenn auch zeitweise sehr im Gegenwind).

    Liebe Grüße
    Helmut

  5. Elke:

    Bauhaus- Gedanken ist ein inhaltlich anspruchsvolles Gedicht, über das die Augen nicht nur hinüberhuschen. Nachdenken ist angesagt. Und Überprüfen mit der eigenen Lebensphilosophie + Bauhauswissen. Eine spannende Kombination.
    Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau… (Gropius)
    Das Endziel aller lyrischen Tätigkeit- Das Leben im Wort. (Elke) Bei diesem Text wurde uns ein Stück Leben “gebaut”. “Und wir träumen und sind”! Elke

  6. Helmut:

    Hallo, liebe Elke,

    Schön, Dich einmal auf meinem Blog begrüßen zu dürfen. Und dann noch mit solch einer Hymne und einem so wichtigen Originalspruch: “Das Endziel aller lyrischen Tätigkeit- Das Leben im Wort.”

    Liebe Grüße
    Helmut

  7. giocanda:

    Ich schließe mich Elkes Worten an.

    “Das Endziel aller lyrischen Tätigkeit- Das Leben im Wort.”

    Dein Gedicht ist gut gebaut. Das Leben war hier wohl der Baumeister. Anspruchsvoll

    Reich ist die Ernte
    Worte gepflückt wie Trauben
    sorgsam gekeltert

    Liebe Grüße
    Barbara

  8. Helmut:

    Hallo, liebe Barbara,

    Danke für Deine kommentierenden Besuche. Beide Kommentare sind ungemein poetisch, selber wert als Werke gepostet zu werden.

    Viele liebe Grüße
    Helmut

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