Walpurgisgedanken am Harz

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — 3. Mai 2010 @ 11:08

Der Schuss der Hexe
als ein purer Hexenschuss verschrien
wäre als Warnschuss
leichter wohl verziehen.

Doch wenn wir ihn
als solchen nicht verstehen,
dann tun wir lieber so,
als wär er nicht geschehen.

Und so, ich glaube: ihr versteht,
kommt die Erlösung nicht,

nichts, was zum Bessern uns geleitet.
So kommt die Dummheit nicht ans Licht,
nichts, was zur Wahrheit uns bereitet.

Wir machen Hexen lieber zur Folklore.
Anstatt die alten Weisen
uns weisen gar zu lassen,
singen wir im Spötterchore.

13 Kommentare »

  1. Moni:

    Ja, Helmut, wir verstehen heute so manchen Warnschuss nicht - es ist so selbstverständlich, dass “alles perfekt funktioniert” …
    In diesem Sinne nicht spöttische Grüße
    Moni

  2. Helmut:

    Danke, liebe Moni. Obwohl Hexenschüsse jeglicher Art recht schmerzhaft sein können …

    Liebe Grüße zurück
    Helmut

  3. Rachel:

    Hexenschüsse, ohje, mein Mann hatte mal einen, wie er dann gelaufen ist, und ich musste sooooo lachen, aufweija…grins…

    Lieber Helmut, ein sehr gutes Gedicht wieder, ich mag dieses Einspielen von Gedanken, die zum Nachdenken anregen, so wie du es so perfekt beherrscht

    herzlich, Rachel

  4. Helmut:

    Danke für die Blumen, liebe Rachel. Manchmal tauchen solche Schmerzen ganz unvermittelt auf - und in immer neuen Formen. Dann mach mal das Richtige draus …

    Liebe Grüße
    Helmut

  5. Anna-Lena:

    Ein wunderbares Gedicht, lieber Helmut.
    Leider bin ich einigen Hexenschüssen nicht rechtzeitig ausgewichen.

    Liebe Grüße und eine gute Woche,
    Anna-Lena :-)

  6. Anonym:

    J e d e m soll man auch gar nicht ausweichen, liebe Anna-Lena. ;-) Aber Du hast das sicherlich richtig gemacht, wenn Du versucht hast sie zu vermeiden.

    Danke für das Lob und liebe Grüße
    Helmut

  7. Petros:

    Hier Hexenschuss,
    Wie’n Pferdeguss.

    Dort Amors Pfeil,
    Einfach nur gut.

    ;-) Gruß
    Petros

    PS: Gute Besserung

  8. Helmut:

    Danke, lieber Petros.
    Für den Rat und den Wunsch.

    Liebe Grüße
    Helmut

  9. traveller:

    die alten Weisen - das ist so schön doppeldeutig

    ich denke an die weisen Frauen, ein uraltes Wissen, das wir in unserer modernen und ach so aufgeklärten Zeit gerne belächeln

    und die alten Melodien, die Lieder, die Traditionen weitergeben

    lieben Gruß
    Uta

  10. Helmut:

    Das freut mich aber, dass Du das entdeckt hast, liebe Uta. Die einen sind ja vorbereitet durch die Hexen, die Interpretation der anderen ist nachträglich durch die Spottlieder ins Recht gesetzt.

    Ganz liebe Grüße
    Helmut

  11. bruni kantz:

    Mit den Hexen habe ich mich immer mal wieder beschäftigt und meine Hexe Grünspan möchte ich Dir jetzt gerne schicken.

    Hexe Grünspan

    Kennt Ihr die Hexe Grünspan,
    auch Frau des Grünwalds genannt?

    Sie lebt nun schon SEHR lange!
    Mindestens einhundertfünfundsiebzig Jahre
    und ein halbes, plus einen Tag, zwölf Stunden,
    vierundfünfzig Minuten und etliche Sekunden.

    Ihr Haar ist durchwirkt von silbernen Fäden,
    die Kleider, grünlich, moosig und verblichen,
    sind von dezenter Eleganz, doch brüchig
    und an vielen wichtigen Stellen
    im Laufe der Zeit doch sehr zerschlissen.

    Im Alter gebeugt und trotzdem gerade,
    gestützt mitunter auf ihren Stock,
    begegnet sie uns im Collagenwald,
    in dem sie entstand und den sie nun hütet
    mit all ihrer Kraft und vor allem mit Geist.

    Sie ist sehr bescheiden
    und zeigt sich nicht gerne.
    Man braucht gute Sicht
    und Schärfe der Augen,
    damit man erkennt, wer hier unterwegs
    im dämmrigen Abend und Gegenlicht.

    Ein Silbersalamander an ihrem Gewand,
    Schatz und Schutz zu gleichen Teilen.
    Es werden sich Himmel und Erde verweilen.

    Heilkräfte, Heilsames, Bewahrendes und
    Kraft der Erde bündeln sich im Collagenwald,
    der in meinen nächtlichen und täglichen Träumen
    und selbstverständlich
    in meiner Phantasie entstand.

    Ja, Ihr habt es verstanden,
    es gibt sie nur hier
    auf meinem handgeschöpften Papier!
    Doch so lebendig wie sie
    ist oft der echte Mensch nicht – gleich neben dir.

    08. August 2006

    Es ist eigentlich die Bildbeschreibung zu der Collage, die ich von ihr gemacht habe.

    Für alles mußten sie herhalten, die “Hexen”. Tat der Rücken weh und man konnte sich nicht mehr gerade halten, dann konnte ja nur eine “Hexe” schuld sein …, also hatte man einen Hexenschuß!

  12. Helmut:

    Oh, vielen Dank, liebe Bruni, für Deine ‘zauberhafte’ Hexe.
    Darf ich die - Schatz und Schutz - in meiner “Gastlyrik” extra präsentieren?

    Liebe Grüße
    Helmut

  13. bruni kantz:

    Klar darfst Du das … ☺

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