Ach!

Gespeichert unter: Gastlyrik, Neue Maier-Lyrik — 24. Februar 2013 @ 10:15

Ach, wie verbogen bist du doch, Zeit:
ich habe dich nie recht verstanden.
Du bist nicht verrückt und du bist nicht gescheit;
du verläufst grad so zwischen den Quanten.

Ach, wie gekrümmt bist du leider, du Raum:
wie gekrümmt sind die Leiber, die Buckel.
Du nährst uns und wehrst nicht Visionen und Traum:
doch wir hängen zu sehr noch am Nuckel.

Ihr tut nichts, ihr seid nichts;
ihr seid alte Tanten.
Ach, und ihr seid nichts als rostende Wanten.

Ihr ruht nicht , ihr seid nichts;
ihr lasst uns nur suchen.
Bei euch können Sinn wir und Grund niemals buchen.

Ach, wie verbogen bist du doch, Zeit:
ich habe dich nie recht verstanden.
Du bist nicht verrückt und du bist nicht gescheit;
du verläufst grad so zwischen den Quanten.

Ach, wie gekrümmt bist du leider, du Raum:
wie gekrümmt sind die Leiber, die Buckel.
Du nährst uns und wehrst nicht Visionen und Traum:
doch wir hängen zu sehr noch am Nuckel.

Hier noch das aufschlussreiche Kommentargedicht von Curt (und hier seine bildkräftige Aussage auf seinem Blog: http://manacur.blogspot.de/2013/02/in-raum-und-zeit.html :

Raum und Zeit …

Beide getrennt betrachtet
schienen sie absolut und fest
Einstein hat sie entmachtet
‘relativ’ gab ihnen den Rest

vorher schon nicht kapiert
schließlich zu kompliziert

als Raumzeit und verbunden
als Maßstab nur das Licht
kann man sie jetzt erkunden
und wir verstehn sie nicht.

7 Kommentare »

  1. Rachel:

    Lieber Helmut,

    fast melancholisch würd ich es nennen, es lädt zum Seufzen ein.
    Raum und Zeit, sie können nicht ohne sich und wir sind dabei. Jeder versteht sie anders. Aber mit deinem Gedicht geh ich mit.

    LG, Edith

  2. Bea:

    Ein Sonett mit Wiederholung der ersten beiden Strophen?

    Raum und Zeit - gelungen eingefangen

  3. Helmut:

    @Edith: Es ist ja nicht gedacht als Erklärung von Zeit und Raum, sondern als Ausdruck der Gefühle, die sich an ihnen festmachen.

    @Bea: Ich hoffe, dass diese Art des ungewöhnlichen Gebrauchs eines Sonetts bzw. seiner Strophen zu der Verunsicherung passt, die Zeit und Raum bei mir hervorrufen.

    Ich danke Euch beiden sehr für Eure Kommentare.
    Liebe Grüße
    Helmut

  4. manacur:

    Raum und Zeit …

    Beide getrennt betrachtet
    schienen sie absolut und fest
    Einstein hat sie entmachtet
    ‘relativ’ gab ihnen den Rest

    vorher schon nicht kapiert
    schließlich zu kompliziert

    als Raumzeit und verbunden
    als Maßstab nur das Licht
    kann man sie jetzt erkunden
    und wir verstehn sie nicht.

    LG

  5. Quer:

    Ach ja, wir Kreaturen zwischen Raum und Zeit - so gescheit, so wenig gefeit…

    Liebe Grüsse zum Wochenbeginn,
    Brigitte

  6. Helmut:

    Lieber Curt,

    Danke für Dein aufschlussreiches Kommentargedicht. Ich werde es jetzt dann gleich ‘hervorheben’.

    Liebe Grüße
    Helmut

  7. Helmut:

    Liebe Brigitte,

    Wie nahe Du meinen Gefühlen kommst! Danke

    und ganz herzliche Grüße
    Helmut

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