Einhundert Jahre seit 1914

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — 28. Juni 2014 @ 16:34


Drüber gewachsen?
Das Gras und die Blumen.
Wo sind sie geblieben
nach einhundert Jahren?
Der Brautstrauß,
nichts zeigt er mehr davon,
wenn des Urgroßvaters
nicht mehr gedacht wird,
des Kriegszitterers.

Posttraumatisch ist nur
das kollektive Gedächtnis
und es schreit nach Gewalt,
ach ja:
nur um einzudämmen Gewalt
mit neuem Krieg.

10 Kommentare »

  1. Michael Gertges:

    Ob 100 Jahre oder 800 oder gar 1200, was sagt das alles schon, denn
    “alles Fleisch ist wie Grad und die Blume des Feldes”.
    Gedenken, erinnern, vergegenwärtigen; kann man das einfordern oder auch nur darum bitten, in einem Jahrhundert, in dem es so viel zu beklagen gibt, so viele Tote, so viel Lüge und Verrat, Täuschung und Rnttäuschung, so unendlich viele Versprechen, die nie gehalten werden sollten. Urgroßvaters Brautstrauß, wo ist er geblieben. Im Giftgas verdorrt, im Bombentrichter verschüttet, einfach auf dem Weg zu Friedhof vergessen und vertrocknet, gerade so, wie es Millionen von Menschen ging.Was das posttraumatische Bwreifft, da klaffen noch die Wunden in mir.

  2. Anonym:

    Ich danke Dir für Deine Antwort, lieber Michael. Ich wünsche einem jeden, dass die Wunden eines Traumas irgendwann (möglichst bald!) so vernarben, dass sie nicht mehr schmerzen. Dass posttraumatische Belastungsstörungen selber oft wieder zu traumatischen Erlebnissen anderer Menschen führen, scheint mir wenig bekannt zu sein. Besonders dass ein kollektives Gedächtnis Traumata nicht vergessen kann und dass das neue Gewalt produzieren kann, scheint mir ein zu wenig beachtetes Phänomen zu sein.

    Dir alles Gute wünschend grüße ich Dich.
    Helmut

  3. bruni8wortbehagen:

    Den Ruf nach Gewalt, um Gewalt zu vergelten, verstehe ich nie…
    In diesem schrecklichen 1. Weltkrieg starben so viele junge Männer, die nicht alle freiwillig nach Waffen griffen u. wieviele Dichter sind da gestorben in der Blüte ihrer Jahre u. wie fürchterlich ist es doch, Leben zu vergeuden und es lapidar als Kanonenfutter zu betrachten - egal, welcher Nationalität einer angehört!

    …über Gräbern pfeift der Wind…

    Vermutlich lacht er dabei über die Dummheit der Menschen.

    LG von Bruni

  4. Anna-Lena:

    Diese Schrecken der Vergangenheit werden hoffentlich noch viele Generationen nach uns verfolgen. Gewalt und Krieg sind keine Lösung, diese Botschaft muss präsent bleiben um künftig so etwas zu verhindern, zumindest bei uns. Andere Länder machen es seit Jahrzehnten immer wieder vor, jeden Tag aufs Neue.
    Können oder wollen sie nicht lernen?

  5. Helmut:

    Liebe Bruni,

    Danke für Deinen engagierten Kommentar. Du bist einer Meinung mit sehr vielen, dass nicht zu verstehen ist der”Ruf nach Gewalt, um Gewalt zu vergelten”. Sehr aktuell ist das gerade in Israel und Palästina.

    Fast noch schlimmer aber scheint mir, dass ebenso viele Menschen (und besonders Politiker_innen) der Meinung sind, man könne Gewalt durch Gewalt v e r h i n d e r n !!

    Übrigens: Georg Kreisler sang mal in einem seiner Lieder, dass es besser für uns wäre, wenn die Götter nichts mehr zu lachen hätten (oder so ähnlich - ich kann den genauen Text nicht mehr finden).

    Danke noch einmal und liebe Grüße
    Helmut

  6. Helmut:

    Danke vielmals für Deinen ebenfalls engagierten Kommentar, liebe Anna-Lena.

    “Gewalt und Krieg sind keine Lösung” - da sind wir erfreulicherweise völlig einer Meinung. Ich freue mich darüber.

    Vielen Dank nochmals
    und liebe Grüße
    Helmut

  7. Moni:

    Dazu fällt mir einfach nur der Text, das Lied ein: “Sag mir, wo die Blumen sind…”
    http://www.youtube.com/watch?v=HRhHpTRuBrk.
    Das ist immer wieder neu eindrücklich, finde ich.

    Grüße in die Runde
    Moni

  8. Helmut:

    Liebe Moni,

    d a r a n hatte ich (natürlich ;-) ) angeknüpft!

    Danke fürs Erkennen
    und herzliche Grüße
    Helmut

  9. Elsa Rieger:

    Die Evolution hat die Menschheit irgendwie ausgelassen, lieber Helmut, sie lernt es einfach nicht …

    Liebe Grüße,
    ELsa

  10. Helmut:

    Die Stimmung bei den “Songs an einem Sommerabend” gestern in Banz sagte Göttin sei Dank doch etwas anderes, liebe ELsa.

    Danke aber sehr für Deinen Kommentar
    und liebe Grüße
    Helmut

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