Schluss mit Gedichten im Unterricht?

Gespeichert unter: Allgemein, Theorie der Lyrik — 19. Januar 2015 @ 11:07

In Spiegel ONLINE vom Sonntag, 18.01.2015 – 12:55 Uhr (http://www.spiegel.de/schulspiegel/pressekompass-zu-schulkritik-via-twitter-von-naina-a-1013571.html) wird auf die Frage eingegangen, ob es nicht besser sei, in der Schule Mietrecht und Versicherungskunde zu lernen - statt Geschichte und Lyrik. Die Schülerin Naina hatte via Twitter eine entsprechende Debatte losgetreten.

Ich fürchte, dass bei mehr Gewicht auf Steuer-, Miet- oder Versicherungsrecht im Unterricht genauso nur Faktenwissen eine Rolle spielen könnte wie bei dem jetzigen Schwerpunkt auf Geschichte und Literatur. Wirklich wichtig ist doch, dass Schülerinnen und Schüler lernen , dass Mieten, Steuern und Versicherungen keine ewig gültigen Regelungen darstellen, warum es sie so und nicht vielleicht besser anders gibt. Diese Fähigkeiten etwas zu beurteilen lassen sich vielleicht genauso gut mit Hilfe von Gedichten oder durch Beurteilung von geschichtlichen Situationen lernen. Die lassen das womöglich eher zu als “reale” Gegenwartsgegebenheiten, welche eine normative Kraft des Faktischen entwickeln und sich als ewig gültig in die Gehirne einbrennen, obwohl sie vielleicht völlig ungerecht sein können.

7 Kommentare »

  1. Rachel:

    Lieber Helmut,
    du weißt, ich war Bibliothekar .Ich war sehr viel in Kindereinrichtungen auch mit Gedichten unterwegs. Vorschüler lieben diese Art und Weise der Literatur - und die Kinder und Jugendlichen in den Schulen auch. Wie schnell lernt ein Kind ein Gedicht!
    Wenn Lyrik generell aus dem Plan rausgenommen werden soll - ach, dann geht so viel verloren…

    LG; Edith

  2. Helmut:

    Ich sehe das genauso wie Du, liebe Edith! Vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht.

    Ganz herzliche Grüße
    Helmut

  3. Petros:

    Für mich ist die “Unbildung” in Deutschland keine Frage des Lehrplanes. Die Vermittlung von Basiswissen ist m.E. grundlegend und erforderlich.

    Hätte Bildung heutzutage einen angemessenen Stellenwert in der Gesellschaft, könnten wir hoch qualifizierte Lehrer haben, kleinere Klassen und auch das Vermitteln von “Lebens-Qualifikationen” verstärken. Worum es dabei nicht um die Frage geht, wie mache ich das, sondern viel mehr um die Frage, wie kann ich mir selber helfen.

    Gruß
    Petros

  4. Anna-Lena:

    Für uns gibt es ab 2017 (was mich nicht mehr betrifft ;-) ) neue Rahmenlehrpläne für Gesellschaftswissenschaften. Die Grundlagen für Erdkunde und Geschichte werden so weit weggekürzt, dass ich mich frage, ob wir künftig Generationen von Dummköpfen ausbilden. Und da denke ich gleich: Was Hänschen nicht lernt…

    Es ist ein Trauerspiel.
    Liebe Grüße
    Anna-Lena

  5. Quer:

    Danke für diesen engagierten Eintrag, Helmut.
    Ich stimme dir voll zu. Ausserdem habe ich nicht das Gefühl, die Schüler der oberen Klasen würden generell mit Gedichten “überfüttert” - ganz im Gegenteil!
    Mit lieben Grüssen,
    Brigitte

  6. Helmut:

    Petros, Anna-Lena und Brigitte,

    ich danke Euch herzlich für Eure Kommentare, die sich alle für mehr echte Bildung aussprechen.

    Ganz herzlich
    Helmut

  7. Helmut:

    Margit S. hat mir das folgende Jandl-Gedicht zukommen lassen, das - so meine ich - sehr gut zu diesem Thema hier passt:

    zu nutz und frommen

    jo brauch ma dn de germanistn?
    jo de brauch ma, du suamm.
    waun de ned umgromm und umgromm und umgromm duan
    daun is füü, wos ma gschriamm hom, fiar olle zeit
    gschduamm

    Danke, liebe Margit!

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