Jesus

Gespeichert unter: Bekenntnisse, Neue Maier-Lyrik — 20. Dezember 2018 @ 16:47

König mag ich dich gar nicht nennen,
oh Jesus,
auch wenn dich Bach so
so wunderbar preist,
dass ich zerschmelze.

Aber ich preise dich damit,
dass ich dich niemals
zum Establishment
irgend einer Zeit rechne,
zu denen da oben
(ich meine nicht: im Himmel,
nicht einmal metaphorisch;
dafür ist er mir oft zu blau
oder ersehnt als Wasserspender
genauso wie der Platz
für wundervollen Sonnenschein,
für trauliche Sterne).

Ich bin ja kein Monarchist,
bin Republikaner
der besseren Sorte,
bin Demokrat,
Freund der Freiheitskämpfer
mit deinen Waffen:
Gewaltfreiheit und Liebe:
leidend tausendmal eher
als daherkommend im Pomp
und in Rechthaberei.

Die Kirchen,
die sie dir bauten,
sie sind mir zu herrschaftlich
meistens
in althergebrachter
Tradition,
so wie die Gebete dort,
die dich preisen als Herr,
weit mehr als als Freund.

Und doch schmelze ich dahin,
wenn Bach dich preist,
wenn Kinderaugen glänzen,
wenn sie im Christbaumglanz
gedenken deiner Geburt.
Und wahrlich, dass du geboren wurdest,
nicht für Machterhalt steht das,
nicht für sich von allem andern
abgrenzende Identität,
nicht für Recht, das Privilegium heißt;
wenn sie das lernen, die Kinder,
von deiner Lehre,
und nicht sie alleine,
dann liebe ich dich
gerne mit ihnen.
Selig sind sie dann,
sie und deine Jüngerinnen
und Jünger.

12 Kommentare »

  1. Quer:

    Eine schöne Liebeserklärung an Jesus - und an Bach.
    Kindliche Freude schwingt mit.
    Lieben Abendgruss,
    Brigitte

  2. Rachel:

    Lieber Helmut,
    DAS hast du sooooo gut durchdacht, du weißt, ich bin Christin, und ich gehe mit jedem Wort mit. Du schreibst um SEINE Waffen und du bringst Institution Kirche auf den Punkt.
    Vom Lob Bach’s will ich gar nicht schreiben, du weißt, er ist bei mir schon immer Daheim.
    Ich werde dein Gedicht am Heilig Abend der Familie und Freundinnen und Freunden vorlesen (unser Pfarrer gehört in diesen Kreis), du hast sicher nichts dagegen. Es ist mir ein Gebet, kein nur frommer Wunsch, sondern ein ehrlicher, es ist ein Gedicht, was man weiter geben muss.
    Danke!!!!

    Herzlichst mit lieben Grüßen
    Edith

  3. Helmut:

    Liebe Brigitte,

    es drängte mich, Bach und das Christentum, das uns ja die Bergpredigt überliefert hat, trotz meinem Ärger über das scheinheilige christliche Abendland ein klein wenig zu rehabilitieren. Heute müsste die christliche Welt es ja eigentlich besser wissen, was für eine Überheblichkeit in unserer Lebensart steckt. Diesen Ärger bei mir aufzuwiegen kann fast nur Bach mit seiner wunderbaren Musik gelingen.

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben friedensorientierte schöne Feiertage
    Helmut

  4. Helmut:

    Liebe Edith,

    Deine Reaktion ist sooooo umwerfend. Ich hätte mir keine schönere wünschen können. Wenn Dir gelingt, was Du vorhast, bin ich Dir (wenn es nicht zu viel Mühe macht) für eine Nachricht - vielleicht nur über E-mail (es muss ja nicht öffentlich sein) - über die Reaktionen der Zuhörer*innen sehr dankbar - egal, ob es ein so schönes Lob wie Deines hier ist oder ob mich das wieder auf den Boden der Tatsachen bringt.

    Vielen, vielen Dank für die wunderbare Aufnahme meiner Zeilen durch Dich
    und ganz liebe Grüße, verbunden mit dem Wunsch, dass Ihr sehr schöne Feiertage haben werdet
    Helmut

  5. Rachel:

    Lieber Helmut,
    aber ja, du bekommst unbedingt die Reaktionen, und glaub mir, da werden welche kommen.
    Auch beim heutigen Durchlesen und Verinnerlichen weiß ich, es ist ein Gedicht, das die Öffentlichkeit braucht. Danke, dass ich es benutzen darf, du bist ein wahrer Freund.

    Beste Weihnachtsgrüße zu dir und den Deinen,
    nimm ihn auf, den Weihnachtszauber, genau wie ich,
    Edith

  6. gabriele pflug:

    Lieber Helmut,
    das ist so wunderbar geschrieben.
    Es ist ein Gedicht, das sofort das Herz öffnet und durch deine Worte kann ich Bach durch den noch stillen Morgen hören!
    Danke dafür!
    Ich wünsche dir ganz besondere Weihnachten!
    Herzlichst
    Gabriele

  7. Helmut:

    Liebe Edith,

    vielen, vielen Dank für Deine Zusage.
    Ich bin sehr gespannt.

    Ein bisschen Bach gibt es ab heute auf meinem Blog.
    Ganz wunderbare Festtage bis ins Neue Jahr hinein Dir und Deinen Lieben.
    Damit grüße ich Dich
    Helmut

  8. Helmut:

    Liebe Gabriele,

    hab herzlichen Dank für Deine Anerkennung. Deine Freude freut mich. Und ab heute ist ein Stück Bach auf meinem Blog zu hören.

    Ganz liebe Grüße
    Helmut

  9. Anna-Lena:

    Ich möchte mich in die Schar der Bewunderer einreihen, lieber Helmut. Ganz sicher wird dir das Kind in der Krippe besonders zärtlich zulächeln und die himmlischen Chöre jubilieren.

    Danke für diese schönen Zeilen. Dir uns deinen Lieben ein gesegnetes Weihnachtsfest und die Liebe des Mensch gewordenen Gottes möge für dich immer wieder erfahrbar werden.

    Herzlich
    Anna-Lena

  10. Helmut:

    Liebe Anna-Lena,

    Vielen herzlichen Dank für die Einreihung in die liebe Schar von denen, denen mein Gedicht etwas sagt. Ganz lieben Dank für die guten Wünsche, die Kinder und Enkelkinder helfen werden zu erfüllen.

    Ich grüße Dich und alle, die Dich mögen.
    Helmut

  11. bruni kantz:

    mir geht es ähnlich wie Dir, lieber Helmut,
    und doch schmelze ich, wenn Bach ihm seine Choräle widmet und ihn lobpreist

    Frohe Weihnachten Dir und all Deinen Lieben
    wünscht Dir Bruni, und natürlich ein einigermaßen gutes Neues Jahr
    http://wortbehagen.de/index.php/gedichte/2018/dezember/weihnachten

  12. Helmut:

    Herzlichen Dank für Deine Antwort, liebe Bruni. Auch Dir wünsche ich sehr schöne restliche Festtage bzw. eine angenehme Festzeit, in der auch die Stille zu seinem Recht kommt.

    Liebe Grüße
    Helmut

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