Austritt

Gespeichert unter: Bekenntnisse, Neue Maier-Lyrik — 17. Oktober 2019 @ 14:59

Die großen und die kleinen Kirchen,
die hier im Lande stehen,
die nicht mehr meine Heimat waren
seit vielen Jahren,
oft von historischem Wert,
mit wunderbaren Werken
von großen Künstlern
und von kleinen,
sie sind es jetzt
und schon seit vorgestern
endgültig nicht mehr.

Nun bin ich endgültig
aus meiner Kirche ausgetreten.
Den Schritt, den ich gemacht
habe, ich bin so dankbar für ihn.
Befreit von vielem Merkwürdigen,
von Dogmen, Regeln,
die ich nicht mehr nun
mitschleppe,
von Regelungen,
was ich zu glauben hätte,
von Gängelungen,
die ich doch mitzutragen hätte,
von all dem Schutt,
der über Jahre nicht wirklich
weniger geworden,
dass eben doch
ein Gott und keine Göttin gälte
mit allem, was sich draus ergibt:
ich bin es los!

Die großen und die kleinen Kirchen,
die hier und sonst im Land
noch stehen,
sie kann ich nun
als Historiker
noch sehen und
ihren Sinn begreifen,
den sie bestimmt noch haben,
aber mich ganz mit ihnen
verbunden fühlen zu müssen,
das ist zu Ende.

Jedenfalls bin ich
nicht mehr bereit,
im Falle meines Todes -
auch wenn der nicht unmittelbar
bevorstünde -
mich einer kirchlichen Beerdigung
noch auszusetzen
oder auch nur
einem Besuch
zu rundem Geburtstag
mich ausgesetzt zu wissen
durch einen Pfarrer -
obwohl ich gar nicht weiß,
ob ich ihn noch erlebe -
davon bin ich nun frei.

10 Kommentare »

  1. Gudrun:

    Lieber Helmut, ich habe nie einer Kirche angehört. Seit Generationen ist das in meiner Familie kein Thema. Wann und ob es mal eines war, ist nicht mehr nach zu vollziehen. Und doch haben mich deine Worte jetzt sehr berührt.
    Ich lass mal einen Gruß da, die Gudrun.

  2. Helmut:

    Danke, liebe Gudrun! Was ich da angerichtet habe, weiß ich nicht. Jedenfalls ist es bei mir so, obwohl ich von Kindheit an Mitglied der evangelischen Landeskirche Württemberg w a r .

    Liebe Grüße
    Helmut

  3. lintschi:

    ach, da gibts so viele aspekte dazu.
    kirchen sind etwas wunderschönes - nicht nur wenn man sie als historiker anschaut. sie sind auch spürorte …
    amtskirche wiederum ist etwas, das sich mit gott überhaupt nicht verträgt, finde ich.
    ich selber bin eine jesusjüngerin. im zuge der beschäftigung mit ihm bin ich aber ebenfalls aus der kirche ausgetreten. einfach weil ich ihn in der herkömmlichen christlichen lehre absolut nicht vertreten fand.
    und doch treffe ich ihn immer wieder auch in einer kirche …
    ich wünsche dir einen freien zugang zur kirche, ohne dich dem diktat der öffentlichen meinung zu beugen. dann ist es gut!
    lieben gruß
    lintschi

  4. Anna-Lena:

    Diesen Schritt habe ich auch mal vollzogen und bin aus der katholischen Kirche ausgetreten und vor drei Jahren wieder eingetreten. Nachdem ich mich von Rom und Dingen ‘von oben’ befreit habe und mich mehr der Basis als meiner Kirche zugehörig und verpflichtet fühle (und da habe ich mit meiner Pfarrei mehr als großes Glück), kann ich wieder gut damit leben.

    Herzliche Grüße
    Anna-Lena

  5. Syntaxia:

    Wenn es dir nun wohler ist, wie deine Zeilen aussagen, war es die richtige Entscheidung. Ich habe es bereits vor 30 Jahren getan. Es ist doch schön, dass wir die Möglichkeit haben, uns vorab schon Gedanken zu machen, wie und wo wir ruhen wollen (oder das, was von uns bleibt…).

    Anvisieren kannst du deinen nächsten “Runden” in jedem Fall und wenn du es nun ruhiger tust, um so besser!! :-)

    Liebe Grüße,
    Syntaxia

  6. Helmut:

    Liebe lintschi!

    Jesus ist eigentlich der Garant für den Abschied von der Kirche - n i c h t von seiner Lehre (soweit wir sie kennen)! So wenig er mit dem Alten Testament zu tun hatte, so wenig hat er eine Kirche gegründet, wie wir sie kennen. Die Liebe zu den Menschen ganz allgemein passt besser zu ihm als alle Dogmen, die man mit ihm verbunden hat.

    Vielen Dank für Deine Zeilen
    und herzliche Grüße
    Helmut

  7. Helmut:

    Liebe Anna-Lena,

    Ich wünsche Dir weiterhin so viel Glück mit Deiner Pfarrei! Ich glaube nicht, dass sich so etwas allgemein in der Kirche findet. Aber wer weiß?

    Jedenfalls danke ich Dir sehr für Deine Meinung
    und grüße Dich herzlich
    Helmut

  8. Helmut:

    Liebe Syntaxia,

    Ja, es ist mir sehr wohl beim Austritt aus der Kirche. Ich habe inzwischen auch Post vom Pfarrer bekommen. Aber das gehört wohl zu seinem Job!

    Ich danke Dir sehr und warte noch eineinhalb Jahre auf meinen “Runden” - ohne Pfarrbesuch! (Damals habe ich ihm auch schon erklärt, warum ich mich der Kirche entfremdet habe - er weiß also eigentlich, was los ist).

    Herzlichen Gruß
    Helmut

  9. bruni8wortbehagen:

    Du bist Deiner Überzeugung gefolgt und das ist i.O.
    Ich bin vor langer Zrit ausgetreten und nach einigen Jahren in einem evgl. Bibelkreis ganz bewußt wieder eingetreten und doch ist es nun schon lange so, daß ich mich nicht mehr als dazugehörig empfinde. Zu vieles gefällt mir nicht, finde ich falsch und glaube sehr anders.

    Liebe Grüße von Bruni

  10. Helmut:

    Liebe Bruni,

    Diese Erfahrung habe ich ähnlich durchgestanden. Nur hatte ich nicht diesen festen Beschluss. Nun ja aber doch - und ich fühle mich sooooooo frei!

    Ganz herzliche Grüße
    Helmut

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