Archiv für die Kategorie 'Neue Maier-Lyrik' 

Posted:Sonntag, August 31st, 2014 @ 3:14 in Neue Maier-Lyrik
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Donauzivilisation

Im klaren Wasser des Goldbachs:
Neu erscheint „le temps de cerises“.
Uralten Ursprung erahne ich heute.
Nah ist hier Turda und nicht weit die Donau.
Hier war bereits gut Kirschen essen
vor über sechstausend Jahren.
Zauberhand führt mich hinüber
in die Zeit, als das Kupfer glänzte
erstmals in der Hochkultur Alteuropas.
Salvati Rosia Montana.
Hindert Europa nicht endlich doch
Sprengungen wie auch Zyanidvergiftung?

Posted:Samstag, August 30th, 2014 @ 4:14 in Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik
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Stimmig*

Von unten her efeuumrankt
die Wegwartenkerze solitär.
Zwischen den Fingern gerochen: Fenchelduft.
*ein Achtundzwanziger

Posted:Sonntag, August 3rd, 2014 @ 3:14 in Neue Maier-Lyrik
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Freie Presse

Es gäbe keine Mamageis.
Es gäb’ nur die Papa-Variante.
Das ist genau das, was ich weiß.
Ob das der Pressezar auch kannte?
Ach, jedenfalls lässt er gern plappern.
Das ist durch Pressefreiheit ja gedeckt:
Er hält so manche Redaktion zum Affen.
Wer da nicht spurt, gilt ihm als Laffen.
Und so wem wird dann zugesteckt,
was nötig ist, um Menschen-Meinung frech zu kapern.
Und ihr, [...]

Posted:Donnerstag, Juli 31st, 2014 @ 10:37 in Neue Maier-Lyrik
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Meine Utopie-Erklärung*

Sagst du: „Das ist nur Utopie“,
sagst du damit noch nicht:
„Das gibt es nie.“
Der Satz gewinnt ein anderes Gewicht,
wenn du dir klar machst,
“Ach, das gibt’s n o c h nicht“.
Vielleicht entdeckst du dann bei jenem „nur“:
Es gibt tatsächlich schon ‘ne Spur!

(*Übrigens: „Erklärung“ kann im Englischen „explanation“ und „declaration“ bedeuten.)

Posted:Dienstag, Juli 29th, 2014 @ 11:22 in Neue Maier-Lyrik
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Utopie

Eigentlich fürchtete ich nicht,
dass ich morgen schon sterben müsste.
Doch hätte ich so gerne noch miterlebt,
dass es im Vatikan doch noch
‘nen verheirateten Papst gibt.
Viel lieber allerdings wäre mir zuvor,
wenn Juden und Palästinenser
in Frieden zusammenlebten.

Posted:Sonntag, Juli 27th, 2014 @ 1:21 in Neue Maier-Lyrik
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Still-Leben

Still-Leben. Haha!
Propagandaworte
verstopfen die poetischen Poren.
Stillstand der Gedanken
und der Gefühle.
Bis der Kessel platzt
eines Tages.
Westbank und Gaza
sind auch Metaphern
für Unglaubliches,
menschenunwürdiges Verharren
im Zustopfen
des Notwendigen,
Not Wendenden
für weiteres Leben.
Was ist menschlich?
Was allzumenschlich
Egozentrisches,
nur aufs Überleben gerichtet
der nächsten 12 Stunden,
egal, wie es dann
weitergeht,
in welchem Desaster
für wen?

Posted:Freitag, Juli 11th, 2014 @ 1:14 in Neue Maier-Lyrik
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Irrwege

Wir verbergen das gebärende Dunkel.
Wir verbergen’s im gleißenden Licht.
Dieses Licht wird unheimlich stumpf.
Stumpfer und stumpfer unsere Gefühle.
Abgestumpft für das quirlige Sein.
Aufgeklärt wird da weniges.
Wir ersticken das Leben doch
in der Überfülle von Füllseln,
billig ja zu haben auf der Markthalde.
Diese Markthalde erstickt uns,
so dass wir luftschnappend abheben,
den Boden unter den Füßen verlieren.
Und gerade die, welche technisch erobern
die [...]

Posted:Donnerstag, Juli 10th, 2014 @ 8:48 in Neue Maier-Lyrik
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Unumkehrbare Bosheit

Unumkehrbar zu machen
versuchen sie
den Unfug der Tunnelausfahrt
aus dem künftigen Kellerbahnhof
in Stuttgart
hinauf auf die Fildern.
Dazu ist ihnen gerade gut genug
der Vize-Ministerpräsident
von der SP21
und seine Frau,
die da waltet
als Tunnelpatin
bei dem Tunnel-tam-tam
„Tunneltaufe“
beim Fasanenhof Stuttgarts.
Gerade gut genug
sind ihnen auch alle die andern
Fasanen.
Im Namen des Herren
und seiner Knechte
sind sie versammelt
und auch geschützt
durch viele, viele Polizisten
gegen die wildwütenden
Demonstrantinnen und Demonstranten,
die böse [...]

Posted:Montag, Juli 7th, 2014 @ 12:01 in Allgemein, Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik
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Schwäbisches Haiku

Isch’s Wädder so schee,
wia’s geschdern gwea isch, noh hoißt’s:
Ha, jetzt nix wia naus!
Das schöne Wetter haben wir uns bewahrt, indem wir nach Oberfranken gefahren sind, wo wir auf der Klosterwiese vor Kloster Banz „Songs an einem Sommer(nachmittag bzw.)abend unter vielen anderen mit Bodo Wartke, Reinhard Mey, Hannes Wader und Konstantin Wecker angehört haben – ein [...]

Posted:Samstag, Juni 28th, 2014 @ 4:34 in Neue Maier-Lyrik
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Einhundert Jahre seit 1914

Drüber gewachsen?
Das Gras und die Blumen.
Wo sind sie geblieben
nach einhundert Jahren?
Der Brautstrauß,
nichts zeigt er mehr davon,
wenn des Urgroßvaters
nicht mehr gedacht wird,
des Kriegszitterers.
Posttraumatisch ist nur
das kollektive Gedächtnis
und es schreit nach Gewalt,
ach ja:
nur um einzudämmen Gewalt
mit neuem Krieg.