Archiv für die Kategorie 'Neue Maier-Lyrik' 

Posted:Freitag, November 21st, 2014 @ 12:29 in Neue Maier-Lyrik
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Warum?

Warum kommen so viele Menschen
gerne zu uns in die Mitte
Europas?
Warum wären manche
ganz gerne
genauso wie wir?
Weil wir so gut sind?
Weil wir vorbildlich sind?
Weil wir etwa
solidarisch sind mit ihnen?
Oder weil
es uns gut geht,
weil wir uns durchzusetzen vermögen,
koste es Menschenleben
überall auf der Welt,
wie viele auch immer?
Wer wollte auch nicht
etwas abhaben
von der Beute,
die wir so ungeniert machen.
Ach ja,
höre ich [...]

Posted:Mittwoch, November 19th, 2014 @ 1:40 in Kunterbuntes, Neue Maier-Lyrik
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Liebeskummer eines Altertumsforschers*

Ich führte sie wie an der Leine
quer durch Hannover an der Leine.
Doch in Paris dann an der Seine
- ach, wie ich mich doch nach ihr sehne -
da nannte Paris sie die Seine.
*Limerickartig

Posted:Montag, November 17th, 2014 @ 3:21 in Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik
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Zeichen der Erderwärmung?*

Der Herbst zeigt heuer
seine gelbe Periode
spät im November.
*Haikuartig

Posted:Donnerstag, November 13th, 2014 @ 12:15 in Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik
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Herbstdekor*

Auf dem nebelnassen Asphalt
bunte Herbstblätter wie hingeklebt.
Die gelben Ginkgoblätter leuchten heraus.
*ein Achtundzwanziger

Posted:Mittwoch, November 12th, 2014 @ 1:29 in Neue Maier-Lyrik
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Von der Mär der Beendigung

Der Widerstreit bunter Blätter
und der Blütenpracht frischen Beginns,
zwischen Lebensfülle
und Erfüllungszeichen
abgeschlossenen Wachstums,
wie hadern doch Gedankensplitter
inneren Wahrnehmens miteinander
im Unentschieden der Sichtweisen.
Wie rasch sind wir geneigt
Wertungen aufzustellen,
diese irreführenden Wegweiser.
Wäre der Herbst keine Jahreszeit,
ließe er uns erzittern
im Angesicht kommenden Frosts
und verzweifeln.

Posted:Freitag, November 7th, 2014 @ 7:49 in Neue Maier-Lyrik
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Entmutigung

„Ich bin eben kein Gerechter“.
Auch hier hätte er es sagen müssen,
da er als von den Resten der Drachenbrut spricht
über die Linken
in der Bundestags-Feierstunde
zum Gedenken des Mauerfalls,
hier als reaktionär er sie beschimpft.
Aber er sagte es nicht,
Damals sagte er es, als er zugeben
meinte zu müssen, ungerecht sei es gewesen,
als er von der Jauche sprach,
in die er gekommen [...]

Posted:Montag, November 3rd, 2014 @ 4:22 in Neue Maier-Lyrik
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So ist es

Oh, wie weit entfernt bin ich doch
vom jubelnden Kyriegesang.
Ich glaube an keinen HErrn oder Herrn mehr.
Domine eleison halte ich nicht mehr
für erstrebbare Erleichterung.
Selbst urteile ich über mich.
Jubel ist wirklich angebracht,
wenn ich zufrieden bin mit mir.
Zufriedenheit mit der Gesellschaft
brächte unbeschreiblichen Jubel.

Posted:Montag, November 3rd, 2014 @ 3:58 in Janka-Sammlung, Neue Maier-Lyrik
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So isch’s heit*

S’war amol an Endagraba
vor d’r Schdadtmauer; doch jetzadle:
s’isch a Boulevard: die Entengrabenstraße.
Ond dui? Kasch’s wohl kaum glauba:
Dui isch a Autorennstrecke.
* a Janka

Posted:Dienstag, Oktober 28th, 2014 @ 2:16 in Neue Maier-Lyrik
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Einer von ihnen?

Ich war einer von ihnen.
Durch die in Plastik gehüllten Paradiesgärten
eilte ich hin und her,
ziellos in den Schwaden des Konsumrauschs verheddert.
Fisch-Nuggets.und Cola Zero
genoss ich.
Genießen?
Das war’s eigentlich nicht.
Einen Wald, in dem ich zur Ruhe hätte kommen können,
hatte ich nicht zur Hand:
Den Termin des Protests
wollte ich nicht versäumen.
Wider alle Erfahrung
glaubte ich immer noch
an die Erfüllung der Hoffnung
„Oben [...]

Posted:Montag, Oktober 27th, 2014 @ 9:30 in Neue Maier-Lyrik
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Rechtlosigkeit

Staat machen mit einem Staat,
dessen Justiz überbelastet ist
mit dem Verknacken von Aufbegehrenden?
Wenn die vorausgehenden Fehler der Polizei
„nicht relevant“ sind,
falls die Opfer ein wenig überreagiert haben.
Wenn ein Richter sich als gnädig sieht,
falls er nicht sämtliche Vorwürfe ahndet,
die im Vorgängerprozess erhoben wurden.
Wenn einer „irgendwie dabei war“,
ohne selber gegen Regeln verstoßen zu haben,
weswegen er sich wehrt gegen ungerechtfertigte [...]