Archiv für die Kategorie 'Neue Maier-Lyrik' 

Posted:Sonntag, Juni 25th, 2017 @ 10:14 in Neue Maier-Lyrik
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Wahlempfehlung

Was uns geschieht,
ist es ein offenkundiges Zeichen
für weiteres Schicksal?
Oder ist es eine versiegelte
Botschaft, die wir nicht zu öffnen
haben oder vermögen?
Oder sind wir gezeichnet
durch Segen oder durch Fluch?
Erkennbar für ein jedes?
Signum oder Signal?
Wo hinein gekerbt
sind die Zeichen?
Wo sind die Stäbe
der Erkenntnis?
Stehen Worte,
steht Schrift
für Verkündbares,
für Prophetie?
Wo bleibt dabei der Wille,
zu Nutz und Frommen
den Nächsten zu leben?
Entscheidet daran
sich [...]

Posted:Samstag, Juni 24th, 2017 @ 10:34 in Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik
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Vom Ende der Ruhe*

Ein Schweigen dauert nicht ewig.
Oft bricht ein Vulkan ganz jählings aus.
Trotzdem sollten zu lange wir nicht zögern.
*ein Achtundzwanziger

Posted:Donnerstag, Juni 22nd, 2017 @ 3:17 in Deutsche Dreizeiler, Gastlyrik, Neue Maier-Lyrik
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Auch*

Zur Schönheit der Welt gehört auch,
dass es den Menschen gegeben ist,
gegen das hässliche Unrecht aufzustehn.
*ein Achtundzwanziger
Edith Hornauer hat dazu ein wirklich passendes Gedicht geschrieben:
Warum nur warten wir immer,
dass die Leute, die uns beherrschen,
endlich weniger werden auf Erden?
Warum lügen wir uns die Zukunft
rosig, rund, kunterbunt?
Warum lassen wir zu, dass wir uns
selbst zerfleischen mit Dingen,
die uns so [...]

Posted:Mittwoch, Juni 21st, 2017 @ 1:32 in Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik
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Ahnungslos*

Wie weit denn nach Osten gehen
müssen schließlich wir Ahnungslosen,
um endlich Orientierung zu finden?
*ein Achtundzwanziger

Posted:Samstag, Juni 17th, 2017 @ 2:11 in Janka-Sammlung, Neue Maier-Lyrik
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Rosenphilosophie*

Manche Rosenblütenblätter
wechseln ihre duftigen Farben
etwa von gelb über violett nach weiß.
Jedes Alter hat offenbar
seinen unverwechselbaren Charme.
*ein Janka

Posted:Montag, Juni 12th, 2017 @ 3:28 in Neue Maier-Lyrik, Theorie der Lyrik
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Verständigungsmangel

Gedichte sind wie eine Geheimschrift
Nicht jeder weiß sie zu lesen.
Eingeweiht musst du sein.
Andernfalls bleibt dir verborgen
das Geheimnis der Alternativen
zur platten Realität, Die bleibt ja
ganz unwirksam für die Erneuerung.
Ihre Zellen erzeugen keinesfalls
irgendeine neue Energie.
Sie bleibt einfach ein Zombie.

Posted:Freitag, Juni 9th, 2017 @ 6:17 in Neue Maier-Lyrik
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Cucuron

Euern Schatten, den ihr spendet
rings um den Löschteich,
an dem zu sitzen die Zeit stehen lässt,
ihr ehrwürdigen Platanen
mit Eurem Laubdach - ich
genieße ihn gerne, bin
ihm so dankbar, wenn das Land
stöhnt unter der Hitze.
Was aber mich rührt zu Tränen,
ist etwas anderes, das
die blättervollen Zweige
nicht zu verhindern imstand sind
und ihre Spiegelung und die der Stämme
auf der [...]

Posted:Montag, Juni 5th, 2017 @ 9:02 in Neue Maier-Lyrik
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Frühsommer in der Provence

Noch bevor es richtig Sommer wird
(gewiss ist es sommerlich hier,
dieses Himmelfahrtsfest in der Provence),
lösen sich hier und da
gelbe Blättchen aus dem grünen Gezweig
der luftigen Akazien heraus
und segeln herab zur Erde.
Ganze Schwärme werden’s mitunter,
jagt durch die Luft sie
eine stärkere Brise.
Der Schmetterling darin
fällt fast nicht auf …

Posted:Freitag, Juni 2nd, 2017 @ 10:44 in Neue Maier-Lyrik
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Brittas Tselan

Was verlangt Paul Celan uns ab?
Uns zu verjuden?
Mit ähnlichem Recht müsste es heißen:
Werdet Syrer!
Werdet Somalis!
Werdet Eritreer!
Werdet Afghanen!
Werdet Nafris!
Werdet Schwarzafrikaner!
Werdet Palästinenser!
Werdet Asylanten!
Werdet Demokraten,
Freunde der Republik!
Bleibet nicht deutsch
nur!
Auf keinen Fall: nur!
Auf keinen Fall Juden
nur! Aber:
Freunde der Juden,
niemals ihre Feinde.
Werdet Mensch!
Wie Celan Verjudung
verstand -
ohne Judentum,
nein:
human und
im Leben
mit Gedichten.
Sollte es heute
mehr humane Gedichte
geben
als zu Celans Zeit,
wie glücklich wären wir [...]

Posted:Donnerstag, Juni 1st, 2017 @ 10:25 in Neue Maier-Lyrik
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Wasserwege

Erlenbestanden hier und dort
die Ufer derWasserwege,
die hineilen zu den Meeren
aus den Alpen heraus
gleitend und rauschend,
gemächlich fließend
oder heftig tosend,
ihre Fracht verteilend
in alle Himmelsrichtungen.
Vielen Völkern begegnen
die Flüsse und Ströme,
doch jene, sind sie bewusst sich,
dass sie alle eingebunden sind
in das gleiche Muster
gemeinsamer Herkunft
und dem Auftrag gemeinsam
Empfangenes weiterzugeben
und den ewigen Kreislauf
mitzutragen, solange es ihn
in Stetigkeit gibt.