Archiv für die Kategorie 'Theorie der Lyrik' 

Posted:Dienstag, September 12th, 2017 @ 4:52 in Allgemein, Neue Maier-Lyrik, Theorie der Lyrik
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Lyriküberlegungen beim Grasmere und Rydal Water

Fahrrad und Fels,
Glockenblumen, fest verwurzelt,
Wolken, die ziehen:
Solches ins Gedicht zu heben.
lieber Dichter,
würde gerne dir Wordsworth erlauben
(er stand ja im Austausch mit manchem).
Gut heißen würde er es,
sich freuen,
dieses Alltägliche erhaben zu sehen
(hier sage ich nicht nur „erhoben“).
Beim Auto, das die Täler
erfüllt mit Dauerlärm,
wäre das wohl etwas Andres.
Zum einfachen Leben gehörend
(plain living)
würde er es
wohl nicht gelten lassen [...]

Posted:Montag, Juni 12th, 2017 @ 3:28 in Neue Maier-Lyrik, Theorie der Lyrik
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Verständigungsmangel

Gedichte sind wie eine Geheimschrift
Nicht jeder weiß sie zu lesen.
Eingeweiht musst du sein.
Andernfalls bleibt dir verborgen
das Geheimnis der Alternativen
zur platten Realität, Die bleibt ja
ganz unwirksam für die Erneuerung.
Ihre Zellen erzeugen keinesfalls
irgendeine neue Energie.
Sie bleibt einfach ein Zombie.

Posted:Mittwoch, Juni 7th, 2017 @ 12:02 in Theorie der Lyrik
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Erklärung

„Brittas Tselan“ muss ich offenbar noch ein bisschen erklären:
Eine Frucht meiner kürzlichen Provencereise war auch, dass ich Zeit und Lust und Muße fand, ein Buch zu lesen, das ich schon sehr lange auf meinem Stapel nichtgelesener Bücher liegen gehabt hatte: Brigitta Eisenreich, Celans Kreidestern, Suhrkamp-Verlag Berlin 2010.
Brigitta Eisenreich war 10 Jahre lang in einer Verbindung [...]

Posted:Dienstag, März 15th, 2016 @ 6:18 in Neue Maier-Lyrik, Theorie der Lyrik
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Magische Wahrheit

Wahrheit:
durchschaubar nicht,
aber erkennbar;
Bedingungen klar,
aber keine Dogmen;
Verzicht auf Krieg
gibt definitiv die delikatere Sauce
als der Bombenabwurf:
Blut ist eben nicht nur süß;
bitter der tödliche Nachgeschmack.
Der Wählerwille
ist unbekannt, erst recht
nach der Stimmenauszählung.
Konfusion:
Ergebnis der Klärung
durch ein Gemisch
aus Regeln und
regelmäßigen
unvorhergesehenen
Empfindlichkeiten.
Endlos aufschieben
lassen Entscheidungen sich selten.
Aber Verstörung
lässt sich oft nicht
vermeiden.
Liebe ist nicht immer
eindeutig beweisbar.
Magie mag vieles da ändern,
beweisen lässt sich durch sie
gar nichts.
Hass: [...]

Posted:Donnerstag, März 10th, 2016 @ 6:31 in Neue Maier-Lyrik, Theorie der Lyrik
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Schriftsteller-Magie

Ich schneide mir etwas ab
vom Kuchen der Realität,
unterscheide das Brauchbare
vom Unnützen, vom Banalen.
Ich wähle aus,
ich wähle.
Was ich mit meiner Wahl treffe,
erhebt einen Anspruch
auf Geltung
über die Mehrheit hinaus.
Wahrheit ist etwas
Ausgesondertes,
etwas Gekröntes,
Auserkorenes,
ein Diamant:
schneidend den härtesten Stahl.
Freiheit,
geistiges Sich-Erheben,
nicht über andere,
nein, schwebend
und leicht:
sie fliegt als Same
am Fallschirmchen
hinaus
auf der Suche
nach fruchtbarem Land
um zu wurzeln.

Posted:Mittwoch, August 26th, 2015 @ 5:47 in Allgemein, Theorie der Lyrik
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Noch eine Unterbrechung: Kommentar zu der Flüchtlings-Situation in Europa aus der Sicht der Theorie der Lyrik

In dem taz-Kommentar mit dem Titel “Europa schottet sich ab” von Daniel Bax las ich heute (am 26.8.2015), dass der Konkurrent des französischen Präsidenten Hollande, Expräsident Nicolas Sarkozy, die Flüchtlingsströme kürzlich mit einem Rohrbruch verglichen habe. Da ginge es ja auch darum, das Wasser zu stoppen, statt es gleichmäßig in der Wohnung zu verteilen. Das [...]

Posted:Samstag, August 1st, 2015 @ 2:15 in Aphorismen, Deutsche Dreizeiler, Theorie der Lyrik
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Aphorismus 12/15

Lieber im Dreizeiler die Silben zählen als zu einsilbig sein.

Posted:Dienstag, Mai 12th, 2015 @ 12:54 in Aphorismen, Theorie der Lyrik
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Aphorismus 9/15

Eine Metapher muss nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar sein. Manchmal genügt die Nennung im Kontext eines Gedichts.

Posted:Samstag, Mai 2nd, 2015 @ 2:02 in Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik, Theorie der Lyrik
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Aphoristischer Achtundzwanziger

Man kann mit ihnen erschlagen:
mit überreichlichen Metaphern
oder zu Tode langweilen mitunter.

Posted:Dienstag, April 7th, 2015 @ 12:28 in Theorie der Lyrik
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Die Natur und die Natur des Künstler*innen-Daseins (auch dessen von Lyriker*innen)

Vielleicht spricht uns die Natur - zum Beispiel jetzt in der Osterzeit in Form der Narzissen - deshalb so stark an, weil ihre so oft in Schönheit erscheinende Selbst-Identifikation so unhinterfragt daherkommt, während unser Narzissmus sich ständig mit dem Vorwurf auseinandersetzen muss, dass er krankhaft sei oder mindestens sein könne. Aber was wäre ein [...]