Lyrisches von Helmut Maier

Monat: April 2008 (Seite 2 von 3)

Ausweg

Angstvolle Schritte ins Abseits
führen zurück auf
ausgetretene Pfade
und
nicht in Neuland.

Auf kühnes Marschieren
in Neuland
lauert das
Moor.

Lernen wir nicht
zu fliegen,
Wunder werden
dann nimmer.

1913 noch 2008

Sind deutsche Frauen,
wenn sie Mutter wurden
vor 1975,
als Personen ohne eigene
Rechtsmacht zu sehen?

Ihre Töchter und Söhne
von damals,
die nicht rechtzeitig
etwas taten,
was Kinder von
deutschen Männern
nie tun mussten,
um Deutsche zu sein:

eine förmliche Erklärung abgeben,
dass sie wie andere Kinder
eines deutschen Elternteils
Deutsche sein wollten,

sind Ausländer heute
selbstverständlich
und stellen vielleicht
einen abzulehnenden
Asylantrag.

Wer das nicht für möglich hält, lese das hier (anklicken!)

La vie en rose

Aktion

An diesem Kreativtag möchte ich auch teilnehmen und poste hier meine Übersetzung von „The rose“. Der Song wurde von Amanda McBroom für den Film The Rose geschrieben und von Bette Midler interpretiert.

Am 15. April 2008 kann die Aktion hier bei Ellens „seelenruhig“ mitverfolgt werden.

Und hier nun „The rose“:

The rose

Liebe, heißt’s oft, sei ein Fluss, der
zartes Schilf ganz überschwemmt.
Liebe, heißt’s dann, schneide tief dir
in die Seele ungehemmt.
Liebe, heißt es, sei ein Hunger,
sei ein Schmerz, nie fortgeschwemmt.
Doch ich sag, sie ist die Blume,
deren Saat ins Herz ihr nehmt.

Wie ist doch ein Herz in Sorge,
dass es nie mehr tanzt, ja bricht,
wie der Traum, der vom Erwachen
keine Chance sich verspricht.
Dass die Möglichkeit zu leben,
sich zu schenken chancenlos,
dass die Seele in Gefahr ist,
voller Furcht zu sterben bloß.

War die Nacht mal wieder einsam,
wo der Weg sich endlos dehnt,
und du denkst, dass nur wer stark ist
und wer Glück hat, Liebe kennt.
Oh ich weiß, die Saat im Winter
deckt noch schneidend kalter Schnee,
doch dass in der Frühlingssonne
ich die Rose sprießen seh‘.

Hier kann frau/man Bette Midler hören.

Hier kann frau/man den englischen Text lesen

Wörterwelten – ein Gedicht aus dem Archiv (zum Thema ‚Worte‘) herausgekramt

Aus Kehlen schlüpfen Wörter und
aus Wörtern werden Welten.
So haucht uns Ewigkeit
ein neues Leben jedes Mal
wie Duft der Blumen
in die Nase.
So schaffen wir
aus uns
vereinigt mit der Ewigkeit
uns neue Welten
mit Wörtern, die geboren
aus diesem Einssein
in uns wachsen.

Wie aber kränken Wörter auch,
gezeugt von Mordgedanken,
und zeugen noch
von andern Wörterwelten,
als wir sie wünschen.

Und doch eröffnet Einssein
mit der ungeteilten Ewigkeit
uns Einssein in den Wörtern,
die Vielfalt aller Wörter aber
den Reichtum
einer vielgestalten Welt.

Worte

Tanzende Worte,
wirbelnde Schneeflocken
vergangener Winter,
Zeugen des jungen Frühlings,
Zeugen des vergehenden Winters,
Zeugen der taumelnden Freude.

Aufgewirbelte Worte,
aufgewühlt
durch die Nachricht des Todes,
aufwühlend
Schmerzen, sich ihm,
dem verschlingenden
auszuliefern, weil der Tod
sprachlos macht letztlich,
Druckerschwärze nur schwärzt.

Worte können zeugen
und töten.

angeregt durch Petros

Spiegel (u.ä.)-Ecke: weitere Folge

Der Spiegel-Slang im Spiegel Nr. 15/7.4.08 erinnert mich an den geschickt-ungeschickten Pfleger in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“, wenn der Sprichwörter oder Redensarten zerlegt und auf merkwürdige Art neu zusammensetzt.

Dort im Spiegel wird auf S. 176 etwas über Scarlett Johansson gesagt, die im Tom-Waits-Klassiker „I Wish I Was In New Orleans“ von 1976 „mit ihrer vorsichtig intonierten Stimme, die kaum fünf Töne umfasst, die Tom-Waits-Zeile ‚I’ll drink you under the table‘ singt“. Es heißt da: „Das soll die blonde Süße sein, die dem jungen Tennislehrer in ‚Match Point‘ beim Pingpong-Spielen

die Augen verdreht?“

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