Lyrisches von Helmut Maier

Monat: September 2009 (Seite 1 von 2)

Signum*

Den Purpur des Birnenblattes
zum Zeichen erhoben:
Wer hat das segnende Sagen?
Oder besser: Wer nicht?

Vor dem Vergessen Triumph.
Unauslöschlich bleibt er
in unserm Erinnern.

*… aus der gleichen Quelle wie „Wurzeln“

Wurzeln

Wurzeln suchen
im Kompost der Vergangenheit.
Wurzeln reißen
aus tradiertem
Unrecht.
Wurzeln treiben
im versendeten Blumentopf.

Wurzellos
Herrschaftsrechte über das
Mutterland
der Menschen
aufrechterhalten.

In Wurzeln verkrochen
keine Triebe
mehr entfalten.

Sterben
und sterben lassen
und sein gutes altes Recht
verteidigen
im zukunftslosen Acker.

Oder Wurzelgeflechte
nicht mehr entwirren
und Halt geben dem Lebenden.

zu finden schon 2004 bei https://www.lyrik.at/php/werk.php?task=werk&werknummer=30975&email=helmutmaier@culturebase.org#werk , wobei die Adresse helmutmaier@culturebase.org nicht mehr besteht.

Poem Symphony

Hinweis: H i e r gibt es einen Bericht über das Werk und seinen Schöpfer.

Deutsche Welle präsentiert:
Campus-Konzert
So 27.9.
20 Uhr
Beethovenhalle
Bùi Công Duy Violine
Orchester der Vietnam National
Academy of Music Hanoi
Claire Levacher Dirigentin
Ludwig van Beethoven: Ouvertüre zu
Heinrich Joseph von Collins Trauerspiel
„Coriolan“ c-Moll op. 62
Do Hong Quan: “Viet Nam”. Rhapsodie für
großes Orchester
Trân M_nh Hùng: »Le Chi Viên« für Violine
und Orchester. Poem Symphony
(Uraufführung, Auftragswerk der Deutschen
Welle)

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 7 ADur
op. 92

Abrutschbereit?

Abrutschzeit ist,
Ausrutschzeit,
Reinfallzeit,
Einfaltzeit
– nicht die Einfältigkeit,
die uns mangelt
weit und breit*,
die sich an etwas
festhält, was menschlich ist,
nicht allzumenschlich
wie das Gieren und Geifern,
das Umsichschlagen und Wetteifern:
Agressiver Liberalismus
verspricht, was niemand
kann halten, außer der Kälte
gegenüber Kranken und Alten,
außer dass alles noch schneller hingleitet
ins Irrenhaus unsrer Zeit, zu dem er geleitet,
geleitet schon hat und auch weiter begleitet.
Drum bloß nicht schwarz-gelb,
das gilt’s zu verhindern
zum Guten für alle,
den künftigen Kindern.

*Matthäus 6, 22-23

Angeregt zu diesen Zeilen hat mich ein Artikel in der taz (tazzwei) vom 22.9.2009: „In diesem System hat jeder Angst, dass er abrutscht“, ein Interview mit Hartmut Rosa zur Be- bzw. Entschleunigung. Er spricht sich übrigens für ein solidarisches Bürgergeld aus.

Die Konsequenz für die anstehende Bundestagswahl scheint mir klar zu sein: Bloß nicht schwarz-gelb.
Um das möglich zu machen, gibt es vielleicht eine letzte Chance:
Um die CDU nicht in den Genuss von (eigentlich ungerechtfertigten) Überhangmandaten zu bringen, muss jede Wählerin und jeder Wähler im jeweiligen Wahlkreis bei der Erststimme die Kandidatin oder den Kandidaten wählen, der am ehesten die Chance hat, das Direktmandat der CDU zu verhindern, auch wenn das heißt, dass man die eine oder andere Kröte schlucken muss: In meinem Wahlkreis würde ich gerne den Kandidaten der Linkspartei wählen. Das ist sicherlich ein ordentlicher Kerl. Die Linken haben fürs Ergebnis der Bundestagswahl aber gar nichts von einer Stimme für ihn (außer einem möglichen netten, rein formalen Achtungserfolg). Die Zweitstimme dagegen hilft ihnen ganz bestimmt und auch der Verhinderung von schwarz-gelb.

In der selben taz von oben gibt es auch einen Artikel, in dem gesagt wird, dass aus ähnlichem Grund manche Grüne für die SPD-KandidatInnen werben.

Vor dem Ende der Bundestagswahl werde ich mich wahrscheinlich nicht mehr mit einem eigenen Beitrag melden.

So nett – zum Herbstanfang

Netze haben sie ausgeworfen, die Nornen,
zwischen Lavendel und Rosendornen,
zwischen Nachtkerzen und kleinblüt’ge Astern,
wollen die Zeitwende geflissentlich rastern,

wollen es fangen, was hängengeblieben
aus allen Zeiten, zerstoßen, zerrieben,
tragen es neu hinein in das Leben,
das nun so tot scheint; sie wollen es geben,

wenn seine Zeit ist, wenn alles gelingt,
wenn jeder Vogel, so schrullig er sei,
das ihm eigene Liedchen dann singt,

wenn es dann kommt, das Signal, des wir warten,
wenn Spinnen einfach nur spinnen im Garten,
weil’s so schön aussieht. Ich wär gern dabei.

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