Lyrisches von Helmut Maier

Monat: Februar 2010 (Seite 1 von 3)

Vorfreude

Ich freue mich schon
Auf die Nachkriegszeit.
Ich hör jeden Ton
Zu klingen bereit
Wie die Musik
In den zwanziger Jahren;
Ich träum mich zurück.
Es gilt zu bewahren
Den Willen zum Aufbruch
Und hin zum Gelingen,
Was das Geschichtsbuch
Nicht konnte bringen
In den dreißiger Jahren.
Ach könnt man die Unschuld
Doch endlich bewahren.
Endlich mal Unschuld!

Und dann nach dem Weltkrieg,
Dem zweiten, dem schlimmen,
Wollt statt dem Sieg
Man endlich bestimmen,
Nicht mehr zu marschieren,
So Vorbild zu sein.
Nicht lange genieren
Wollt man sich. Wirklich zum Schrein:
Fürs eigene Rechthaben
So sich zu ducken,
Gemeinsam am Graben
Zu bosseln, zu mucken
Gegen die Bösen,
Die man so benannte
Und abzulehnen
Alles Unbekannte,
Das bleibt heut‘ noch denen,
Die sich wirklich nicht schämen.

Und trotzdem freue
Ich wirklich mich schon
Auf eine Nachkriegszeit
Ganz ohne Reue
Mit ganz neuem Ton.
Ich wäre bereit.

Tradition

Wenn mei Großvadder
a Dichder gwea wär,
hedd’r vomma blaua Blaffoo
schdatt vom Hemmel gschrieba
ond dass do wia am Blaffoo
von seiner Wohnschduub
dia schenschde Lamba
ronderhengat am Daag
ond en d’r Nacht
wia’s en d’r Bibel schdoht.

Ond dui Ehrfurcht,
wo er gschbiart hot,
hot sich bei mir
au eigschdellt,
wo i mei elegdrische
Eisabah‘ griagt han:
dui isch a‘drieba worda
durch an Draffoo…

Mats Bähr

Mats Bähr ( https://matsbaehr.de/index.html ) macht mir die Freude, in meiner Rubrik Gastlyrik zwei Gedichte vorzustellen. Lasst mich gleich vorneweg sagen, dass sie sich mir am besten erschlossen haben, nachdem ich von seinem geplanten Auftritt beim Kieler Poetry Slam am 11. März in der Pumpe ( https://diepumpe.de/?main=calendar&d=11&m=3&y=2010&w=4#4882 ) erfahren habe und mir die Texte laut vorlas.

Hier nun seine zwei Gedichte:

Stern

so böse guckst du, wie die faust dem morgen zugestreckt
liegst geborgen, gut versteckt
in deiner kalten, schwarzen höhle
stern
ein wort
was weißt du schon, was ich dich heiße
still verstrickt in zagen liebesträumen
wenn das weiße
tuch des friedens meine lippen schließt
und mein herz so haltlos öffnet
stern
ein punkt
doch auch die quelle großer werke
bloßer stärke
scheinst du selten angetan
nur manchmal merke
ich mir deine heimat, denn
wer wege weist, der ist ein licht
am pfad durch finsternis und furcht
und bleibt er nicht
an seinem plan
ist dieses werk nicht gut getan
das auf uns lastet und uns bindet
und wie ein stern am firmament verschwindet
wenn die schatten schmelzen
schwarze vögel
sich im kalten schlamm der städte wälzen
stern
du machst uns alles klar mit weißem licht
ob wir es sehen wollen
oder
nicht

—–

Neonteile

neonschicht im neonlicht
schadet neonteilen nicht
weißt die scharfen sensorleisten
reißt den strom aus datenkreisen
nacht zur nullten nanostunde
weicht der neonlichtsekunde
#amen

« Ältere Beiträge

© 2020 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑