Lyrisches von Helmut Maier

Tag: 9. November 2018

Unsere Rechte

Ein jedes darf auf seine Rechte pochen.
Wir sind ja schließlich ein Rechtsstaat.
Und Richter sprechen ja Recht.
Deswegen heißen sie so.
Wir wollen uns darauf verlassen,
alle, die wir das Recht haben zu wählen
in demokratischen Wahlen
(auch wenn wir wissen,
dass wir da kleine Rädchen nur sind).

Auf unsere Rechte wollen wir nicht verzichten.
Sie sind uns heilig, so wahr wir gute Staatsbürger sind.
Wir haben das Recht auf eine gute Infrastruktur,
ein Recht auf Gesundheitsfürsorge,
ein Recht auf Grundsicherung
und so weiter.

Wir haben doch auch das Recht
auf ein gutes Leben, auf gute Versorgung,
auf allgemeines Wohlergehen,
auf Teilhabe am Reichtum des Landes,
in dem wir leben,
dass es uns gut geht.

Nicht jeder Mensch auf der Erde
genießt solche Rechte wie wir.
Wir haben ein Vorrecht, ein Privileg,
oder nicht?

Wir haben ein Recht
auf unsere Privilegien,
wir haben das Recht
auf unser Vorrecht,
glauben wir.

Heißt aber Glauben
Nichtwissen
oder gar
Nichtwissenwollen?

Der Adel zur Zeit des Bauernkrieges
verteidigte seine Rechte,
seine Privilegien
gegen die aufrührerischen Bauern,
gegen ihre Gewalt mit Gegengewalt.
Was aber, wenn die Bauern sich im Recht fühlten,
dass i h r e Gewalt Gegengewalt war?

Welche Rechte haben wir ganz zurecht
und welche sind Vorrechte,
die uns eigentlich
gar nicht zustehen,
die wir zu unrecht genießen?

Rechthaberei trennt uns jedenfalls
von der Gerechtigkeit.
Solidarität darf keine Sache sein
von gemeinsamer Abgrenzung
von anderen, die unsere Vorrechte
nicht gelten lassen können.

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