Lyrisches von Helmut Maier

Monat: November 2019

Unterwegs

Der Blick gebannt auf die Wälder und Auen gerichtet.
Ein Lichtpunkt nach dem andern!
Immer wieder neu!
Immer wieder bestätigend:
Stetig immer und immer wieder:
Die Goldbäume und -bäumchen und -sträucher!

Ich kann es kaum fassen:
Es ist Ende November, nicht Anfang des Herbstes.
Goldbäume allüberall!
Lichtpunkte! Helle Punkte der Erkenntnis:
Bald kommt der neue Schnee auch ins Flachland!
Aber noch stehen sie da,
stehen so zahleich, dass es nicht zu fassen ist:
Ist das schon Klimawandel?
Die Meisen wissen es schon lange:
Gehen oder bleiben,
die alte Frage!

Ziehen wir rechtzeitig
Konsequenzen?
Wir!

Plitvice-Zauber

Einfach nur Wegwartenzeit war’s.
Den blauen Strahlenstern trug das Kind
munter und leicht durch den heiteren Tag..

Noch ahnte ich nichts
vom Plitvice-Zauber.
Alpenveilchen – nicht die im Topf –
begleiteten ihn.

Eins waren Ruhe und eilendes Stürzen;
Stille ja – und dann brausendes Getöse,
Höhe und Tiefe, das Oben und Unten.
Was kommt woher und
ach, wohin fließt es weiter?
Spiegelndes Himmelblau
und Wolkenbilder
und unverkennbar
ein Mörikesches Blaugrün.

Wirklich: Wegwartenzeit
im Durcheinander
von Fließen und Stürzen
und wieder zur Ruhe kommen,
in Plitvice.

Stiller Herbst

Gehn wir hinein,
in den stillen Herbst.
Lasst uns ihn gern genießen!

Er weist schon Richtung Winter,
November heißt sein Namen;
er will mit Regen und mit Dunkelheit
uns Ruhe geben. Amen.

Er will uns Kraft und Muße schenken,
an nichts mehr als an Frieden denken
uns lassen, der die Seele füllt
und ganz erholt die Winterstürme dulden
uns lässt, die uns
aufs Frühjahr wieder zugehn machen.
Ach, dafür danken wir und können lachen!

Herbstabend im November

Hier und da noch Sonnenschein
auf den Dächern des Dorfes.
Auch der Giebel des Pfarrhauses
ist noch von Sonnenschein bedacht.

Der Goldbaum in der Mitte von Aichelberg,
sonnenbestrahlt wirkt er noch goldener.
Blau ist der Himmel noch;
bald ist schon Nacht!

Der Großvater mit seinem Enkel
am Griff des Regenschirms,
noch hat er ihn in der Hand;
als er ihm entschwindet,
hat ihn die Oma geschnappt.
Kurz entschlossen
hält er sich aber an der Jacke der Oma fest.
Nun ziehen sie weiter im Zügle!

Mehrmals wird das Tor zum Kinderspielplatz
geöffnet und Eltern oder Großeltern der Kinder
verlassen den Ort.
Jedesmal wird das Tor geöffnet
und wieder geschlossen.

Da kommt auch schon mein Bus.

© 2020 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑