Lyrisches von Helmut Maier

Der 7. Mai

V o r dem Haus vergilbt der weiße Flieder.
H i n t e r dem Haus – im Herbst gekürzt –
kommt der Flieder jetzt erst richtig in Fahrt.

Die Vergißmeinnicht hinter dem Haus,
sie blühen in unermesslicher Fülle.

V o r dem Haus – auf der anderen Straßenseite –
üben eine Sechsjährige und auch ein Fünfjähriger
unermüdlich das Radfahren – hin
und auch wieder zurück.

Der Himmel ist einfach blau,
ihn kümmert nicht der fehlende Regen.
Ihm ist er egal!
Und i c h ?
Auch ich freue mich unbändig
über das schöne Wetter dieses Frühlings.

Der violette Ahorn
treibt und treibt und bläht sich richtig auf,
kugelt sich vor allen Leuten
und lebt.

Der 8. Mai kann kommen,
der Geburtstag meiner Mutter,
die ich vor 75 Jahren im Milchhäusle
untröstlich weinen sah,
ich, als Dreijähriger,
als sie die Nachricht erhielt

und es war doch ihr Geburtstag!



10 Kommentare

  1. lintschi

    ach ist das bitterschön!
    geht mir total ins gefühl.
    und – ich habe mit deiner mutter etwas gemeinsam 😉
    ganz lieben gruß
    lintschi

    ps: ich mag dein neues layout sehr!

  2. Helmut

    Herzlichen Dank für den lieben Kommentar, liebe lintschi! Es freut mich ungemein, dass Dir das Gedicht so gefällt. Diese Zwiespältigkeit kommt natürlich nicht nur durch den Geburtstag meiner Mutter. Es ist so vieles zwiespältig in diesen Zeiten.

    Hoffentlich vergesse ich nicht, Dir morgen zu gratulieren!

    Ganz liebe Grüße
    Helmut

  3. Quer

    Sehr anrührend sind diese Zeilen. Das Leben in seiner ganzen Spanne von höchst erfreut bis zutiefst erschüttert scheint auf. Und wir bewegen uns mäandernd dazwischen, mal glücklich mal traurig.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

  4. Helmut

    Ach ja, so ist es wohl – gerade in diesen Tagen!
    Hab vielen Dank für Deinen Beitrag, liebe Brigitte!

    Liebe Grüße
    Helmut

  5. lichte Räume / bmh

    ein wunderbarer Zustandsbericht verwoben mit Erinnerungen.

  6. Helmut

    Liebe Barbara,

    Es ergab sich so irgendwie! Ich bin auch recht glücklich darüber! Vielen Dank!

    Liebe Grüße
    Helmut

  7. gabriele pflug

    dieses gedicht berührt mich auf ganz sonderbare weise mit diesem blick ins leben und zugleich die erinnerung an etwas, was bleibend ist!
    liebe grüße
    gabriele

  8. Helmut

    Liebe Gabriele,

    Vielen Dank für den Einfühlungs-Versuch in mein Gedicht. Ja, es kommt vielerlei zusammen in diesen Tagen! Aber vielleicht macht ja das den Reiz des Gedichts aus!

    Liebe Grüße
    Helmut

  9. bruni8wortbehagen

    Der Frühling ist um Dich herum, lieber Helmut, es grünt und blüht
    alles lebt in Hülle und Fülle und doch ist da die Erinnerung an den Tag
    vor 75 Jahren und Deine bitterlich weinende Mutter …
    Wie sehr muß Dich dieses Erinnerungsbild beeindruckt haben, wie tief
    hat es sich in Deine Seele gegraben…

    Lieber Gruß von Bruni

  10. Helmut

    Liebe Bruni,

    Hab herzlichen Dank für Deine Antwort! Ja, es ist schon vielerlei, das uns in diesen Corona-Tagen so durch den Kopf geht. Und die Erinnerung – als Drei- oder fast Vier-Jähriger ist mir schon noch sehr lebendig! Aber mit Corona und manchem anderen ist es sowieso sehr deutlich anders als sonst im Frühling. Halten wir das mit dem Bloggen noch etwas aufrecht!

    Liebe Grüße
    Helmut

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