Lyrisches von Helmut Maier

Monat: Oktober 2021

Heute*

Heute fühle ich mich wärmer.
Am etwas – kaum – bewölkten Himmel
kurze, weiße Streifen hinter den Fliegern.

Obwohl die Blätter schon fallen,
heute fühle ich mich wärmer.

*ein Janka

Zerrissen

Krähen krächzen heiser.
Am Himmel schwimmt eine Wolke.
Sonst ist er fast ganz blau.

Herbstlich kalt ist mir.
Es ist die Zeit des zergehenden Jahres.
Mit schönem Wetter gerade.
Aber kalt.

Doch herbstlich bunt sind die Bäume – noch.
Eigentlich schöne Bilder ergibt er, der Herbst –
noch vor dem Ende.

Lasst euch nicht beirren durch eine kleine Unterbrechung im vorderen Bereich des Klavierspiels – die sich von selbst wieder auflöst und weiterläuft. Die ist eine kleine technische Unterbrechung, die dem Klavierspiel (meine ich) n i c h t s wirklich nimmt!

Das Schöne lieben

Sollten wir nicht im Schönen ertrinken,
denn wenn ich‘s höre, dass es dieses
vollkommen geben könnte,
wird mir so schwer ums Herz.
Dies Los, es wäre ja nicht meins,
wenn ich im Schönen
ertrinken könnte,
ach, ich weiß es ja,
es ist unmöglich,
und ich muss dieses Los wohl tragen.
Denn dass das Schöne besser wäre,
ich weiß es sicher. Es
ist so klar, dass eine bessre Welt
gewisslich möglich ist,
doch eine gute?

Nein, nein!
Ich will es glauben,
dass wir in bessren Zeiten
leben könnten
und es schon tun,
wenn ich Vergangenheit,
Geschichte recht verstehe:

Sie lehrt uns doch,
dass wir es besser haben heute,
doch wohl nicht gut genug.

So muss ich leider
um das Bessre kämpfen,
mit feingeschliffnen Waffen wohl,
die niemanden verletzen
und erst recht die Frauen nicht.
Sie mussten ja jahrhundert-
tausend-lang noch mehr erdulden
als wir Männer.

Uns sei das sogenannte Gute
noch lange
nicht gut genug.
Darum vernehme
ich gerne dieses Weh,
das sich mir einschleicht,
wenn ich merke:

Das wirklich Gute
können wir nicht wirken,
das Bessere jedoch
das lass uns fördern!

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