(Schwacher) Trost für Unmusikalische
Ich brauche nicht mehr
zu singen
wie die alten Barden,
damit mich die Menschen hören;
und auch damals
waren es wenige nur,
die erfuhren,
was sie zu singen
hatten und zu sagen.
Höhlenritzungen
entwarfen Weltbilder,
die aufgenommen wurden
von den Meditierenden.
Bilder und Buchstaben
verbanden sich,
Schmuck und Aussage
verknüpften sich
und aus abstrakten Zeichen
wurden geboren
Verstehen und Handeln.
Ich brauche nicht mehr
zu singen
wie die alten Barden,
damit mich die Menschen hören.
Schreiben kann ich
auf Papier,
sogar vielleicht
in Bücher Gedrucktes.
Heute brauche ich
kein Papier mehr,
damit mich die Menschen hören;
Gutenberg hat seinen Dienst getan.
Mit www fing ein Neues da an:
HTTP und HTML
sind dafür
im Prinzip
seit 20 Jahren zur Stell.
Gutenberg hat seinen Dienst getan.
Mit Tim Berners-Lee
fing doch tatsächlich
was Neues an
und mit seiner Hilfe
sind so viele vernetzt
heutzutage.
Ja, ich brauche nicht mehr
zu singen
wie die alten Barden,
damit mich die Menschen hören;
mit Hilfe des www
blogge ich fröhlich
(manchmal auch traurig, gewiss).
(Eigentlich schade.)
-
Eigentlich wollte ich mit meinem Text neben der selbstironischen Komponente Tim Berners-Lee würdigen. Das hat ihm bisher (vor 16 Uhr 20) nicht die entsprechende Ehrung eingetragen. Vielleicht hilft folgender Link zu einem Interview mit ihm eher dazu (und/oder dazu, unser Tun als BloggerInnen besser einzuordnen):
http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&item=827
12 Kommentare »
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März 14th, 2009 @ 9:56
Lieber Helmut,
aber du darfst es natürlich tun!
Denke an eine Hörversion hier für deine LeserInnen!
Also, ich würde dich gern singen hören!!!
..wünscht dir Monika ein schönes Wochenende
März 14th, 2009 @ 10:32
Ach, Helmut: Weitersingen, weiterschreiben ist mein Anspruch - und daneben, warum nicht, auch ein wenig bloggen… Gutenberg hat noch lange nicht ausgedient!
Liebe Grüsse,
Brigitte
März 14th, 2009 @ 11:07
Wer weiß, vielleicht ritzen “wir” irgendwann wieder unsere Zeichen in den Fels.
Derweil versuche ich mich noch ein wenig an Gutenberg…
Gruß
Petros
März 14th, 2009 @ 13:44
Danke für den Ansporn allerseits
.
Liebe Grüße
Helmut
März 14th, 2009 @ 14:12
Lieber Helmut,
Dass du nicht mehr zu singen “brauchst”, weil es reichlich andere Möglichkeiten gibt, heißt aber nicht,
dass du nicht mehr singen “kannst”, wenn du es willst.
Ich würde dir sicherlich gern zuhören!
Lieben Gruß
ELsa
März 14th, 2009 @ 15:09
Danke auch Dir, Elsa. Warten wir’s ab.
Liebe Grüße
Helmut
März 14th, 2009 @ 18:33
lausche in den Äther… hm… noch nix… kommt da noch was?
Bea
März 14th, 2009 @ 18:45
Warum nicht, liebe Bea, irgendwann?
Göttin sei Dank hat Michael mich hier: ( http://www.versalia.de/forum/beitrag.php?board=v_forum&thread=3958 ) auch so als Barden anerkannt.
Liebe Grüße und vielen Dank
Helmut
März 15th, 2009 @ 15:45
Ich mag die neue Zeit mit all ihren Möglichkeiten, doch höre ich auch die nachdenklichen Worten von Petros.
Singe, wer kann, sprechen, wer kann. Ich höre ihm zu, wenn er meine Schwingung trifft.
Liebe Grüße
Barbara
März 16th, 2009 @ 9:51
[...] Gedanke kam mir als ich Helmuts Anmerkungen zu seinem Gedicht “(Schwacher) Trost für Unmusikalische” las. Aphoristisches…, Randnotizen Subscribe to RSS [...]
März 16th, 2009 @ 11:15
Danke für den Link, lieber Petros.
Ich habe bei Dir kommentiert.
Liebe Grüße
Helmut
März 16th, 2009 @ 11:17
Hallo Barbara,
Schön von Dir zu hören, auch wenn mir nicht gelingt jede Passage Deines Kommentars richtig zuzuordnen.
Liebe Grüße
Helmut