Unsre roten Rosen am Stock
sind inzwischen fast alle verblüht
Nur wenige sind noch in schwacher Blüte
Es waren viele im verfrühten Sommer
so wie die gelben die immer noch blühen
Wen kann ich fragen, wenn’s mich einmal trifft?
Welchen Trost habe ich da, wenn’s einen oder mich
am Ende unsres Lebens einholt einmal irgendwann?
Denn ein Paradies oder die Hölle jucken mich nicht.
Wo soll denn das sein, wenn ich tot in meinem Grabe liege?
Wie soll mein Körper dann wiedererstehen?
Ich muss es wohl tragen, das Schicksal, das für jeden einmal eintritt am Ende?
Oder noch schlimmer: Wenn’s gar geschieht in frühen Jahren oder durch Mord oder irgendein Unglück.
Ich stehe dem machtlos zur Seite oder höre es tagtäglich
in den neusten Nachrichten. Oh weh, was dann?
Was ewig währt
und sei es auch auf lange
es ist kein Götterspiel
Wer lange lebt
und sei’s durchs Schicksal kurz
es ist des Drehbuchs wert
Wer alt wird – so wie Goethe
der überschaut vielleicht
wie alles wird und sich gestaltet
Und doch: wer lebt
der kann vielleicht nicht alles: verstehn
Er weiß noch nicht wie alles wird
Doch wirklich ist’s ein Drehbuch wert
auch wenn der Regisseur
alles dann übern Haufen schmeißt
Das Drehbuch bleibt für lange Zeit
vielleicht bestehn
S’isch halt wia’s isch:
S’kennt halt au besser sei
Ond worom isch’s soooo schlecht?
Wie unser Leben der erlernten Sittlichkeit
sich anpasst ohne ernsthaft zu erfragen,
was Sitte ist und was Verständlichkeit
die sich aus Lebensumständen ergibt
so ist es auch pervers sich jener Sitte
verpflichtet zu verhalten die durch die Umstände
des Lebens sinnlos geworden ist und störend
neue Ziele nicht erreichen lässt die doch
zum Glück und Menschsein zugehören
und so das volle Glück im Menschensein
endlich doch noch erreichen ließen
Und ist es nicht gerade der Jugend Vorteil
nicht die Sitten der Alten noch zu kennen
und nur die Lebenswirklichkeit gelten zu lassen
die sie grade erleben und womöglich gestalten lernen
die sie die rechten Wege in ihre Zukunft gehen lässt
Das heißt nicht immer nur ein Brechen aller altgewohnten
Lebensweisen die eben Alte ihnen zeigen wollen
Es kann schon sein dass da was Gutes auch entsteht
wenn Sitten und Gebräuche als wohlgemeint
und auch als wohltuend empfunden werden könnten
Deswegen muss Begleitung Jugendlicher
wohl beides lehren: Beständigkeit und Möglichkeit
auch Neues hervorzubringen und zu leben
wie es im Menschsein immer war und ist
nichts Altes nur verdammen und Neues ohne
Sinn und ohne Verstand zu wagen und auf Teufel
raus einfach zu tun ohne es (was oft uns Alten
nicht einmal gelingt) auch ordentlich nach viel
Bedenken und Durchdringen als wirklich Gutes
und Vielversprechendes ins neue Licht zu stellen.
Gestern auf dem Berg
Vorgestern am Bodensee
Pfingsten auch dieses
Sommer im Frühling
Wie das die Klimawende erlaubt
heute schon ein wenig gespürt
Die nächsten Tage wahrscheinlich
wie er sein soll
Ich freue mich dennoch unbändig
Die Sommertemperatur ist ja
noch wunderbar und zum Wohlfühlen
wie ich sie mag
So sollte es bleiben
So will ich ihn haben, den Sommer
So und nicht anders
So – ohne Wetteränderung
auch weiterhin sommerlich
Aber nur im Sommer
Die übermächtige Höhe
Die übermächtige Höhe der Büsche
heute ein wenig abgetragen
in unserem Gärtchen
Vielleicht können die Nachbarn jetzt
ein bisschen freier atmen
Das wäre ja immerhin etwas
Bereits läuft der Mai in ruhigen Bahnen
Die Apfelblüte ist auch schon vorbei
Auf den Wiesen herrscht frohes Wachstum
Und die Farbe der Bäume hat bereits sehr gedunkelt.
Die Amsel singt nicht mehr ihr Lied so fleißig
Und alles wartet auf irgendeinen Abschluss
Soll das schon das Warten auf die Ernte sein
Noch ist nicht Sommer
Noch ist nicht Pfingsten
Noch weht der Geist nicht durch die Herzen
und noch ist alles sicher und unsicher zugleich
In ruhigen Bahnen läuft der Alltag