… und dann darf und kann
ich nichts von alledem vergessen:
Wie wir einmal – ein einziges Mal
in Palästina und Israel waren
(auf einer Reise von Alsharq
durch Palästina und Israel)
und die grässlichste Erfahrung machten
in der heiligen Stadt Hebron
Da mussten wir durch einen dunklen Gang
mit Drehkreuz gesichert und mit persönlicher Kontrolle
wie bei einem Abflug mit dem Flugzeug
dorthin zum Grab der drei Erzväter Israels bzw.auch der Muslime
Abraham/Ibrahim (und für die Juden: Isaak und Jakob
und ihre Frauen Sara Rebekka und Lea) in der Mitte des Gebäudes
und Ismael wird auch mit dieser Stelle verbunden
die sich jeweils an der „Grenze“ zwischen einer israelischen
und einer Moschee-Seite befanden.
Und auf der Straße zu dieser war
kein Zugang für Palästinenser*innen.
Nur durch das Drehkreuz!
Und in der verbotenen Straße
mussten die (noch) palästinensischen Bewohner*innen
ihre Haustüre offen lassen,
damit jederzeit Soldaten das Haus stürmen konnten
Und vor dem Eingang in die Synagoge
war (für Deutsche – und Juden? – noch eine Kontrolle
und auf der anderen Seite des riesigen Gebäudes
war die muslimische Moschee mit einem extra Eingang
Und heute ist wahrscheinlich alles
noch viel, viel schlimmer!
Wenn ich so denke
kommt mir manches in den Sinn:
ganz Absonderliches
längst Vergessenes
noch nie Reflektiertes
und ganz Normales
(was mich besonders erstaunt)
*
Da ist zum Beispiel
die Tatsache dass ich einmal in Norwegen
einen Fluss aufwärts fließen sah
(wegen der Flut im Meer)
dass ich einmal meinem englischen Freund
ein schwäbisches Lied vorsang
(was ihm sehr gefiel)
dass ich in einer irischen Kneipe
einmal bei einem Vorsingen
„Uff am Wasa graset d’Hasa“ vortrug
(und beim Urinieren nachher ein Zuhörer meinte
„I liked your song“)
*
Da war auch ein altes bretonisches Ferienhaus
ganz nahe am Meer
da war auch eine kymrische Bergkuppe
auf deren Grat ich zum Gipfel emporstieg
da war auch eine maltesische Tempelanlage
viertausend Jahre alt
da war in Kreta auf einer Kuppe
eine mindestens vierhundert Jahre alte
Windanlage als Besonderheit oder ganz normal
Während unsere Windanlagen als zu modern gelten
*
Tja
was einem so alles einfällt …
Schon seit einigen Tagen ist
da vorzeitige Wegwartenzeit
an der Autoeinfahrt vorne am Gehsteig
Doch gegen Abend sieht es grässlich aus
Jedes Mal wie fast verwelkte Blüten
Sehr viele Wildbienen sah ich
auf uns’rem schön blühenden Oregano
in unserem so wunderbaren Gärtchen
Wie weit entfernt sind
alle die Wünsche, die das
Leben bestimmen?
Solange Trump und Merz
Netanjahu immer noch unterstützen,
so lange wird das Riesen-Unrecht
und das kaum verschleierte Unrecht
im Westjordanland, dem Land der Palästinenser*innen,
an Schärfe eher noch zunehmen
und keinesfalls aufhören
und der Frieden in Nahost eher brüchig bleiben.
Warum versteht Merz das nicht?
Von Trump will ich völlig schweigen.
Mitten im grünen Fliederstrauch
blinkt eben etwas Rotes hindurch
Etwa eine Rose – dort im Fliederstrauch?
Das wäre wirklich ein Wunder
Oh nein – ein rotes Auto parkt dahinter
„Was“ is fast nur ein Rentnerwort
Man will mitkriegen um „was“ es geht
Aber geht es nur so oder auch anders
Blaues Band der Schwäbischen Alb
Dann drei voll verschleierte Frauen
Ist es nicht deren Problem und nicht meines
Ach, könnte ich doch
mich in mich verkriechen
Ich glaube, da wäre ich geborgen
Was treibt mich immer wieder hinaus
in die feindliche Umwelt
in all das Durcheinander
in dem ich mich verliere
Es ist wohl der Wunsch
alles besser zu machen
auch das was ich nicht ändern kann
was ich aber ändern müsste
meine ich
Die Welt ist doch fast
aus den Fugen
oder ist sie es schon wirklich
Ich kann leider nur noch leben
in der Hoffnung
dass alles besser wird
eines von mir noch
erlebbaren Tages