Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Mondschatten

Wie wenn jemand ein Stück abgebissen hätte
so sah es am Himmel aus
allerdings nur mit besonderer Brille
die nicht jedermann noch besorgen konnte:

vielleicht sah’s wie der Mond aus und er war’s wohl auch
der ein Sück von der Sonne abgebissen hätte
und der Schatten wurde immer größer
und auch die Familie
die es mit einer selbstgebauten Lochkamera
vergeblich versuchte etwas zu sehen
von dem Ereignis das es war
konnte schließlich von Hanna eine Brille bekommen
und war auch ganz erstaunt

und ich sah: die Sonne wurde immer kleiner
der Schatten immer größer
Schließlich war nur noch oben
ein goldener Rand der Sonne übrig

und kurz nach dem Zeitpunkt der uns vom Internet
angegeben war für den Höchststand
der partiellen Sonnenfinsternis
sah ich plötzlich durch die Brille nichts mehr
von der Sonne denn die begann eben unterzugehen
hinter dem Wald und blickte uns ohne Brille
nur noch zaghaft zwischen den Bäumen an
und dann war sie auch schon unten
und weg

Die Klimakatastrophe

Die Klimakatastrophe kommt auf uns zu
Sie wartet nicht darauf
dass wir uns vielleicht einmal
an sie erinnern und dann
erst etwas gegen sie unternehmen

Jetzt ist (vielleicht) noch Zeit
wenn wir jetzt etwas gegen sie tun
können wir (möglicherweise)
noch etwas erreichen Jetzt !!!

Jetzt !!!

———————————————

Dieser Text entstand nach der Lektüre von 2 Haikus von Petros (Wolfgang Schulze).

Über den Autor
  • Name: Wolfgang Schulze.
  • Herkunft/Heimat: Lebt in Norddeutschland, fühlt sich aber seiner Seelenheimat Kreta verbunden.
  • Stil: Schreibt Kurzgedichte im Stil japanischer Lyrik, Aphorismen, Wortspiele und Mundart-Poesie. [1]
Das Projekt
  • Webseite: Seine Hauptwerke und Texte sind auf blogpoesie.de zu finden.
  • Bücher: Er veröffentlichte unter anderem das Werk Blaublaue Küsse und beteiligte sich an Anthologien. [1]
Hier sind die 2 Haikus:
 
:
Unterm bunten Schirm.
Sommerregen, Pfützentanz,
Erzählt die Oma.
 
***
 
Außer Rand und Band.
Hitzewellen, Unwetter. –
Worte fehlen nicht.

Lüften

Lüften ist diese Woche in
Im Norden des Hauses ist’s kühler
Wir haben in der Nacht alles aufgemacht

Dann bläst es ordentlich durchs Haus
Und auch am Tag ist es im Schatten fein

Diesen Monat werde ich noch 85 Jahre alt

Diesen Monat werde ich noch 85 Jahre alt
Und ich bin seit letztem Monat schon 55 Jahre
verheiratet
Wie lange ich noch lebe
weiß ich nicht
Ich hoffe
noch eine Weile

Wenn nicht
dann ist es auch recht
Ich weiß nichts von einer Auferstehung
Ich glaube
es ist dann alles aus
Noch eine Weile
bleibe ich im Gedächtnis
von einer oder einem
Das war’s dann

Ich will ja nicht immer
weiter leben
Ich bin’s zufrieden
wie es kommt
Und ich weiß,
es wird gut so sein

Ich danke euch für eure Zuversicht
und ich teile sie
Diese Welt macht es ja leichter
sich von ihr zu verabschieden
Wenn da nicht unsere Enkelkinder wären
Für die wird es schwierig

Wenn

Wenn ich einmal sterbe
und nichts von mir bleibt übrig
dann habe ich vorher
nur die eine Sorge:
die Hoffnung stürbe mit mir

und das tut sie wohl
wenn nicht die eine oder der andere
von euch
vor allem von den Jüngeren
die Hoffnung bewahrte

wenigstens
für einige Zeit

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