Lyrisches von Helmut Maier

Das Schöne lieben

Sollten wir nicht im Schönen ertrinken,
denn wenn ich‘s höre, dass es dieses
vollkommen geben könnte,
wird mir so schwer ums Herz.
Dies Los, es wäre ja nicht meins,
wenn ich im Schönen
ertrinken könnte,
ach, ich weiß es ja,
es ist unmöglich,
und ich muss dieses Los wohl tragen.
Denn dass das Schöne besser wäre,
ich weiß es sicher. Es
ist so klar, dass eine bessre Welt
gewisslich möglich ist,
doch eine gute?

Nein, nein!
Ich will es glauben,
dass wir in bessren Zeiten
leben könnten
und es schon tun,
wenn ich Vergangenheit,
Geschichte recht verstehe:

Sie lehrt uns doch,
dass wir es besser haben heute,
doch wohl nicht gut genug.

So muss ich leider
um das Bessre kämpfen,
mit feingeschliffnen Waffen wohl,
die niemanden verletzen
und erst recht die Frauen nicht.
Sie mussten ja jahrhundert-
tausend-lang noch mehr erdulden
als wir Männer.

Uns sei das sogenannte Gute
noch lange
nicht gut genug.
Darum vernehme
ich gerne dieses Weh,
das sich mir einschleicht,
wenn ich merke:

Das wirklich Gute
können wir nicht wirken,
das Bessere jedoch
das lass uns fördern!

10 Kommentare

  1. Quer

    Oh ja, Helmut, besser ist mehr als gut und muss immer unser Bestreben sein.
    Also hoffen wir, also tun wir unser Bestes dafür!
    Lieben, sonntäglichen Gruss,
    Brigitte

  2. Helmut

    Ja, „besser ist mehr als gut“ – und besser nicht immer ganz gut! Das ist wohl die Paradoxie, mit der wir leben müssen. Aber ich danke dir recht herzlich für deinen Beitrag hier, liebe Brigitte.

    Ganz herzliche Grüße
    Helmut

  3. Edith

    Die Wahrheit
    Vergangenes – vergangen.
    Zukünftiges – noch unvorhersehbar.
    Gegenwärtiges – alleinige Zeit,
    die in allem veränderbar ist.
    Uns bleibt nur in ihr, sie sofort zu nutzen.
    Gegenwart – gut, schön, bedauerlich,
    genug und nicht genug …

    Lieber Helmut, ja, jede Zeit steuert auf Besseres zu, jede und jeder, der es so sieht, wird dabei helfen, um Gutes daraus werden zu lassen.
    Ich danke dir für deine Gedanken dazu, deine Tiefgründigkeit im Schreiben lässt viel Nachdenken zu..
    Herzlichst, Edith

  4. Helmut

    Liebe Edith,

    Schön, dich wieder hier zu lesen!
    „Zukünftiges – noch unvorhersehbar.“ Damit hast du schon Recht! Allerdings stimme ich mehr dem zu: „jede Zeit steuert auf Besseres zu, jede und jeder, der es so sieht, wird dabei helfen, um Gutes daraus werden zu lassen.“ Denn ein bisschen Einfluß auf die Zukunft haben wir ja durchaus!

    Liebe Grüße
    Helmut

  5. Edith

    Einfluss üben wir ja schon, wenn wir unsere Kinder und Enkel so erziehen, dass sie unser Verständnis oder auch Unverständnis begreifen und vielleicht, nein, bestimmt sogar, in unsere Fußstapfen treten und getreten sind.
    Ja, bin wieder da. Ich hatte große Sorgen um meine Jüngste, sie war schwer krank, ist sie noch, aber es geht hoffentlich nun aufwärts….
    Liebe Grüße von mir zu dir.

  6. Helmut

    Liebe Edith,

    Du hast wohl wirklich Recht mit deiner Einschätzung unseres Einflusses auf die Nachkommenschaft. Manchmal geht aber auch manches nicht so recht vorwärts.

    Dass du da um deine Jüngste große Sorgen hattest, tut mir sehr leid. Dein Wunsch ist wichtig, dass es wieder aufwärts geht.

    Ganz liebe Grüße
    Helmut

  7. bruni8wortbehagen

    *Uns sei das sogenannte Gute
    noch lange
    nicht gut genug. *

    Wie Recht Du doch hast, lieber Helmut, aber wie sollen die *Kämpfe* fürs Gute und Bessere denn aussehen? Reichen Worte denn überhaupt?
    Und alles andere wäre ja auf jeden Fall falsch…
    Ich fühle mich, wenn ich darüber nachdenke, s ehr hilflos.

    Liebe Grüße von Bruni

  8. Helmut

    Liebe Bruni,

    lass es uns immer neu durchdenken, wie die „Kämpfe“ im einzelnen aussehen. Ergeben sich Demonstrationen vor unserer Haustüre? Können wir mit Leserbriefen unserem Ärger Luft machen – und Worte: sind sie nicht immer wieder wichtig?

    Ich danke dir sehr für deinen Beitrag
    und geben wir nicht auf!
    Helmut

  9. bruni8wortbehagen

    Für mich sind Worte das, was ich eigentlich am besten verstehe, lieber Helmut,
    während sich mir der Sinn für Waffen jeglicher Art vollkommen verschließt.

  10. Helmut

    „mit feingeschliffnen Waffen wohl,
    die niemanden verletzen“ – können das Waffen sein, die du verabscheust? Ist das nicht
    e i n d e u t i g eine Metapher?

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