Lyrisches von Helmut Maier

Kategorie: Neue Maier-Lyrik (Seite 1 von 13)

Yosemite

Der Nachthimmel, sternenbesät
über dem Yosemite-Nationalpark:
So weit weg vom heute hier,
doch das Verlangen,
es ist noch nicht verglüht.

Ich träume davon,
auch jetzt im Alter:
Wo sonst sind die Sterne so klar
am Nachthimmel wie dort?

Doch das Flugzeug,
es ist ja wohl nicht erlaubt.
Zu viel CO2.
Wird sich das noch ändern
in meinem Leben?

Bis dahin muss mir der Nachthimmel
hier in Aichwald genügen.
Und ist der nicht
auch sehr schön?

Die Hummel

Da ist die Pfingstrose

im vollen Ornat,

die erste dieses Jahr.

.

Lange haben wir auf sie

gewartet.

Und nicht nur wir,

auch die Hummel.

.

Sie will endlich

die Blüte besuchen.

Sie schlüpft in die Blüte hinein

bis zu den Staubgefäßen.

.

Sie erhebt sich in die Luft darüber,

schlüpft aber noch mal hinein,

wälzt sich in den gelben Staubgefäßen.

.

Und nochmal die gleiche Prozedur.

Dreimal, viermal, ein fünftes Mal

und verliert sich fast

in den Staubgefäßen.

.

Ich schaue ihr zu.

Sie genießt die Wellness-Kur.

Ich möchte auch so genießen.

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Transparenz

Warum sind die Jungen,
die männlichen oder weiblichen,
die friedensgeübten und die kriegslüsternen
alle so rechts?

Wissen die vielleicht nicht,
was sie haben
an der Demokratie?

Oder sind sie nur heller als wir?
Wollen sie nicht mehr
Durchschaubarkeit,
mehr Transparenz der Demokratie?
Natürlich auch der unseren,
die so viel Vertrauen verlangt,
so viel, also: so viel,
was sie wissen wollen,
bevor entschieden wird?

Mangelt es daran,
dass man ihnen nicht sagt,
was wann wo zu entscheiden
man sich vorgenommen hat,
ohne sie und uns zu fragen,
ob wir das auch so sehen,
was sie sich so gedacht haben
im stillen, abgeschlossenen
Kämmerlein?

Haben die Jungen nicht Recht?
Recht auf Transparenz?

Warum jemand abschreiben?

Warum jemand abschreiben,
zum Beispiel Putin?
zum Beispiel einen Freund,
ja, den auch!
Lieber keinen Versuch,
mit ihm zu reden,
auch wenn dadurch sicherlich
Tausende umkommen?
Oder wenn auch nur eine*r?

Wir müssen mit ihnen reden,
sonst machen wir uns zum Täter,
zur Täterin vielleicht auch,
wenn wir es unterlassen,
was Menschen retten könnte,
nur wenigstens eine*n!

Dia Birga

Dia Birga en onserm Gärdle:
So schee mit ihre viele Wirschdla
ond mit ihre viele Bläddr enzwischa,
omrahmt von dausende violedde Bliada
em Kreis om dia Birga rom: schpädr: „Silberbläddla“.
Oausschbrächlich schee!

Ein Warteraum wird Wunderbaum



Fenster können schwarze Wolken durchscheinen lassen
oder Wunder zeigen.
Ob in der Luxuswohnung oder im Warteraum.
Diesmal im Krankenhaus:
Der Warteraum hat viele Fenster.
Kühl oder sogar kalt schaut es herein,
wenn überhaupt.
Mehrere Fenster sind aus Milchglas.
Nur zwei lassen das Außere herein.

Davon zeigt das eine Gestrüpp draußen.
Dasjenige aber ganz links hat eine kleine Scheibe,
das ein Stück Himmel zeigt
zwischen grünen Tannenzweigen.
Und dieser Himmel:
in der Scheibe darüber nur Grau
oder auch ein bisschen Weiß,
aber kühl, sogar kalt.
Aber diese eine Scheibe
strahlt zwischen den grünen Zweigen
so hell und leuchtend, durchscheinend bis ins Herz:
ein Tiefblau, nicht gar wohl zu beschreiben,
würde Mörike schreiben,
oder ich:
„voller tiefem Licht“
und die Zweige dazwischen
wie ein Wunderbaum!

Kälteperiode

Eine Kälteperiode
werden wir wohl gerne
in Kauf nehmen,
wenn sie nur so glimpflich
und so harmlos verläuft
wie dieses Mal.

Wir sind ja schon manches gewohnt,
manches haben wir schon erlebt
(erst recht in einem solchen Alter wie ich),
und wir können es wohl auch ab,
haben ja schon viel Gutes genossen.

Also auf zum Kampf,
nicht (allerdings) im militärischen Sinn.
Das wollen wir doch hinter uns lassen.
Wie soll denn nach inzwischen
recht vielen Glücksfällen der Geschichte
noch einmal so ein Beinahe-Unfall
immer noch möglich sein?

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