Lyrisches von Helmut Maier

Kategorie: Neue Maier-Lyrik (Seite 1 von 159)

Ein paar bolivianische Worte

Wir sind Iyambae, sind freie Menschen – überall auf der Erde.
Und wir sind auch Jiwasa. Wir sind du und ich, beide gleichberechtigt.
Pachakuti (Veränderung) ist notwendig in dieser neuen Zeit.

Was ist da ein Christentum mit Dogmen, die töten?
Was ist da ein Islam, der Tötung propagiert?
Was ist da Kolonialismus, der unterwerfen will, was frei ist?

Wir brauchen Pachakuti – alle Menschen auf der weiten Welt.
Wir brauchen wenigstens ein Gefühl für Jiwasa.
Denn wir sind Iyambae. Überall auf der Welt.

Das ist mit bolivianischen Worten
das Wesen des neuen Zeitalters des Wassermanns,
das seit 2020 auch bei uns angekommen ist.

Friedensbotschaften

Ich bin ja oben.
Blicke ins Tal hinab.
Blicke hinüber
auf die andere Seite,
dorthin, wohin man
mit dem Fahrrad eine gewaltige,
ebene Strecke
fahren müsste.
Ich sehe den Sonnenschein dort.
Hier ist die Sonne
durch schwarze Wolken verdeckt.
Sie lassen aber blaue Flecken
wie Inseln blank liegen
am Himmel.
Aber ohne Sonnenschein
auf der Erde.

Der Wechsel zwischen
Sonnenschein dort,
blauen Flecken hier,
Nebelresten unten im Tal.
Das alles macht ein Bild,
eines, das wunderliche Zeichen setzt,
hin und wieder und
Botschaften sendet hinaus:
Friedensbotschaften.
Gemeinsam sie zu erfahren

im Bild!

Die Quelle

Ich war einmal,
klingt fast wie ein Märchen,
ich war einmal im Land,
in dem tatsächlich die Buchen,
in dem die Eichen,
in dem noch andre Bäume
in Mengen stehen,

ich war einmal im Land,
wo Regen selten fällt,
wo kahle Wände hoch aufragen,
im Land, wo wir einst wanderten,
an diesem Tag wohl stundenlang.

Wir wanderten durch Wälder,
wo die Eichen häufiger sind
als hier bei uns, wo sie
jahrhundertalte hohe Stämme
so hoch gar in die Himmel heben,
als hörten sie nie auf.

Nein, dort sind sie bescheiden,
stürmen nicht so in die Höhe,
doch undurchdringlicher
sind alte Wege schnell bewachsen,
sind verwoben in Unendlichkeit
des Wesens.

Dort wanderten wir einst,
nur ein Ziel stets im Sinn:
die Quelle, wo aus dem Fels heraus,
aus einer Höhlung,
geformt wie die zwei Hände,
die aneinandergelegt,
mit Daumen ganz nach innen
unten gedrückt, so dass sie
den Boden eines Rinnsals bedeuten,
das heilende Wasser herausfloss.

Und schließlich standen wir dort,
standen staunend, sahen
aus der Mandorla,
über ein paar steinerne Stufen,
das Wasser in einer Rinne
herfließen zu uns,
wo wir es fassen konnten

und trinken.

Franz Alt

„Dürfen wir Andere krank machen?“
Das fragt Franz Alt.
Und er macht es dringlich!
Das gelte doch wohl in jeder Krise!
Auch beim Autofahren.
Auch beim Fliegen.
Auch bei der Klimakrise.

Warum verschieben wir da
unsere Bequemlichkeiten
und ihre nicht zu vergessenen Folgen,
die das Vielfache doch sind
der Corona-Krise,
auf unsere Kinder,
Enkel und Urenkel?

Und ich frage:
Warum können wir
nicht sofort
wenigstens
Tempo 130
auf Autobahnen
einführen?

Weil es da sofort heißt:
Freie Fahrt für freie Bürger?

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Siehe auch: Franz Alt: Recht auf saubere Luft – Mehr als 600.000 Tote in Europa durch Luftverschmutzung
Transparenz TV | Montag, 07.12.2020 | 20:30 Uhr

Der erste Schnee am ersten Dezembertag

Vorgestern ließ der Ostwind
die Blätter an den Zweigen der Birke
fröhlich im Sonnenschein
beim blauen Himmel im Reihen tanzen.

Heute sind sie wie stumm.
Hängen an den Zweigen wie tot.
(Dabei stirbt doch jedes Blatt
seinen eigenen Tod ganz allein.)

Nein, sie leben noch,
auch wenn’s heute den Schnee gab:
Heute, bei grauem Himmel und Windstille.
Dafür tanzten heute die Schneeflocken,
und sogar heute Nachmittag
immer noch keinen Regen,
der alles als vorübergehend
an uns vorbeigleiten ließe.

Und morgen scheint wieder die Sonne?

Die Flaschenpost

Eine Flaschenpost
aus dem Jahre 1941
wurde wieder gefunden.
Adorno warf sie ins Meer,
das sich zwischen den Kontinenten
aufgetan hatte,
zwischen dem demokratischen Amerika
und dem totalitären Deutschland.

Ich habe sie wiedergefunden
im Jahr 2020.
Sie sprach davon,
dass es ein Jahrhundert
doch wieder geben müsse,
in dem er sich wiederfinden
lassen müsste, der Glaube,
dass alles besser werde. Sonst
wäre verloren, woran e r doch glaubte.

Tang hatte sich angeheftet:
Von Walter Benjamins Hoffnung
eben auf eine Morgenröte
auferstandener Treue
zum Verlauf der Geschichte.
Von Paul Celan auch,
vor hundert Jahren geboren:
dass eines Tages sich wieder
Menschen besännen
aufs Gute im Menschen.

Sie alle, die unter dem Regime
des alles Vernichtenden
damals doch lebten,
hatten irgendeine solche Botschaft,
so unbestimmt und unklar
sie auch sein mochte,
und sie hing auch an der Flasche.

Und alle, die sich so
an die Flasche geklammert hatten
mit ihrer Botschaft,
sie alle hatten die Hoffnung:
Einmal wird es doch besser wieder
und gut, wirklich gut!

Nur das Gedenken an sie
gab mir die Hoffnung,
dass endlich die Regierenden
doch etwas täten,
was zu mehr Demokratie
führen werde, die nicht nur
ihnen selbst nützen,
sondern auch denen das
Leiden erleichterte,
das sie durchstanden hatten,
und ihnen Gerechtigkeit endlich
begegnen werde und sie triumphieren
nach allem, was sie erlitten hätten, könnten.

Auf, folgt meinem Aufruf:
Wir müssen die sein,
die jetzt einen Wandel vollziehen,
ganz im Sinne von jener
Flaschenpost, die ich wieder gefunden.

Dass grade noch vor dem Ende,
dem unausweichlichen, unserer Erde,
ihnen der Ausweg gewiss wird,
der doch von den Regierenden kommt:
Tut alles, was noch hilft,
tut, was dem Raubbau doch
ein Ende bereitet und nicht
dem Ende der lebenswichtig
für Menschen gemachten Erde
den unausweichlichen Weg bereitet,
der Erde den tödlichen Stoß versetzt.
Tut‘s endlich doch!

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