Lyrisches von Helmut Maier

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Optisch*

Ich lasse eine Lücke frei
in meinem engen Bücherregal.
Das sieht irgendwie dann doch belebter aus.

*ein Achtundzwanziger ( https://www.maierlyrik.de/blog/der-dreizeiler-mit-dem-namen-achtundzwanziger/ )

Dass ich mir d a s wünsche

Was ich mir
für Deutschland wünsche
und wo möglich
auch für andere Länder –
ist es ein Testament?
Ein unerfüllbares?

Das ist es, was ich mir wünsche:

Schon v o r dem Ende der Corona-Krise (das dann vielleicht mit dem Impfen gegen den Virus möglich wird) wünsche ich mir den Abzug der noch 20 übrigen Atombomben im deutschen Büchel, viel mehr Geld für Friedensfachkräfte, d.h. entsprechend weniger Geld für die Bundeswehr, den Erhalt des Kopfbahnhofs in Stuttgart, d.h. den Umstieg vom weiteren Bau des Schiefbahnhofs mit der Gefahr von Brand-Katastrophen zu einem weit sichereren und viel effektiveren Bahn-Knotenpunkt Stuttgart, eine freiere Schulbildung mit weniger Notendruck als bisher und eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte und andere „systemrelevante“ Berufe und eine linksgerichtete Koalitionsregierung nach der nächsten Bundestagswahl, die noch mehr Reformen durchführen kann.

Möglich wäre es ja schon,
was ich mir wünsche.
Kein Wolkenkuckucksland!
Aber erwartbar?

So vieles, was wir uns wünschen,
geht nicht in Erfüllung.
Und das Leben
geht weiter.

Aber es geht
nicht so weiter,
ohne dass ich es gewünscht hätte.

Dass ich es mir wünsche,
zeigt: Noch bin ich lebendig!

Berufstätige Frauen

Meine Frau hat es nicht nötig,
arbeiten zu gehen.
Ich verdiene doch ordentlich.
Sie soll mir lieber ein gepflegtes
Zuhause ermöglichen.
Dafür braucht ihr nichts zu teuer zu sein.

So etwa hätte ein Mann
vor 50 Jahren
argumentieren können
und seiner Frau verbieten,
einen Beruf auszuüben.

Ich hätte das damals nicht gewusst,
dass ich das Recht auf meiner Seite
gehabt hätte.
Ich bin recht froh darüber.
Meine Ehe wäre wohl kaputt gewesen,
wenn ich es in Anspruch genommen
hätte.

Epona*

Epona, mit Rosen geschmückt,
im Korb liegen Früchte, Fruchtbarkeit?
Schutzgöttin der Pferde und der Reisenden.

Im Kastell von Köngen ausgegraben.
Im Landesmuseum in Stuttgart gezeigt.

*ein Janka

Schichtung

Bei der Restaurierung der Denkmalbrücke,
ursprünglich über den Neckar,
fand man
Spuren der Zeit,
in der die Straßenbahn
seit den 20er Jahren
des letzten Jahrhunderts
über die uralte Brücke fuhr
und ihr Abbau im Laufe der
Umgestaltung der Brücke,
die nicht mehr über den Fluss führte
(dafür musste eine Anschluss-Brücke gebaut werden),
sondern über die neue Bundesstraße
statt über den Neckar.
Und das alles nur in jüngerer Geschichte!

Unerwartete diverse Leitungen
und unterschiedliche Dicken der Schichten,
die in verschiedenen Methoden
abgetragen werden mussten,
kamen zum Vorschein.
Und das kostete
alles in allem
fast eine halbe Million Euro mehr!

So geht es ja eigentlich öfter,
wenn etwas restauriert werden soll
vor allem bei älterer Geschichte.
Diesmal hatte man gedacht,
man kenne den Untergrund
durch damals angefertigte Unterlagen.

Aber wie steht es bei älteren
Bauwerken?
Schon Stuttgart 21
birgt manche Überraschungen.
Und bei noch älteren
Bauwerken?
Dicke von Schichten,
die keiner genau kennt?
Geschichtete Geschichte?
Ja, Geschichte besteht aus Geschichtetem!

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