Lyrisches von Helmut Maier

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Schichtung

Bei der Restaurierung der Denkmalbrücke,
ursprünglich über den Neckar,
fand man
Spuren der Zeit,
in der die Straßenbahn
seit den 20er Jahren
des letzten Jahrhunderts
über die uralte Brücke fuhr
und ihr Abbau im Laufe der
Umgestaltung der Brücke,
die nicht mehr über den Fluss führte
(dafür musste eine Anschluss-Brücke gebaut werden),
sondern über die neue Bundesstraße
statt über den Neckar.
Und das alles nur in jüngerer Geschichte!

Unerwartete diverse Leitungen
und unterschiedliche Dicken der Schichten,
die in verschiedenen Methoden
abgetragen werden mussten,
kamen zum Vorschein.
Und das kostete
alles in allem
fast eine halbe Million Euro mehr!

So geht es ja eigentlich öfter,
wenn etwas restauriert werden soll
vor allem bei älterer Geschichte.
Diesmal hatte man gedacht,
man kenne den Untergrund
durch damals angefertigte Unterlagen.

Aber wie steht es bei älteren
Bauwerken?
Schon Stuttgart 21
birgt manche Überraschungen.
Und bei noch älteren
Bauwerken?
Dicke von Schichten,
die keiner genau kennt?
Geschichtete Geschichte?
Ja, Geschichte besteht aus Geschichtetem!

Dass ich mir d a s wünsche:

Was ich mir
für Deutschland wünsche
und wo möglich
auch für andere Länder –
ist es ein Testament?
Ein unerfüllbares?

Das ist es, was ich mir wünsche:

Schon v o r dem Ende der Corona-Krise (das dann vielleicht mit dem Impfen gegen den Virus möglich wird) wünsche ich mir den Abzug der noch 20 übrigen Atombomben im deutschen Büchel, viel mehr Geld für Friedensfachkräfte, d.h. entsprechend weniger Geld für die Bundeswehr, den Erhalt des Kopfbahnhofs in Stuttgart, d.h. den Umstieg vom weiteren Bau des Schiefbahnhofs mit der Gefahr von Brand-Katastrophen zu einem weit sichereren und viel effektiveren Bahn-Knotenpunkt Stuttgart, eine freiere Schulbildung mit weniger Notendruck als bisher und eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte und andere „systemrelevante“ Berufe und eine linksgerichtete Koalitionsregierung nach der nächsten Bundestagswahl, die noch mehr Reformen durchführen kann.

Möglich wäre es ja schon,
was ich mir wünsche.
Kein Wolkenkuckucksland!
Aber erwartbar?

So vieles, was wir uns wünschen,
geht nicht in Erfüllung.
Und das Leben
geht weiter.

Aber es geht
nicht so weiter,
ohne dass ich es gewünscht hätte.

Dass ich es mir wünsche,
zeigt: Noch bin ich lebendig!

Dass ich mir das wünsche

Was ich mir
für Deutschland wünsche
und wo möglich
auch für andere Länder –
ist es ein Testament?
Ein unerfüllbares?

Möglich wäre es ja schon,
was ich mir wünsche.
Kein Wolkenkuckucksland!
Aber erwartbar?

So vieles, was wir uns wünschen,
geht nicht in Erfüllung.
Und das Leben
geht weiter.

Aber es geht
nicht so weiter,
ohne dass ich es gewünscht hätte.

Dass ich es mir wünsche,
zeigt: Noch bin ich lebendig!

Der 7. Mai

V o r dem Haus vergilbt der weiße Flieder.
H i n t e r dem Haus – im Herbst gekürzt –
kommt der Flieder jetzt erst richtig in Fahrt.

Die Vergißmeinnicht hinter dem Haus,
sie blühen in unermesslicher Fülle.

V o r dem Haus – auf der anderen Straßenseite –
üben eine Sechsjährige und auch ein Fünfjähriger
unermüdlich das Radfahren – hin
und auch wieder zurück.

Der Himmel ist einfach blau,
ihn kümmert nicht der fehlende Regen.
Ihm ist er egal!
Und i c h ?
Auch ich freue mich unbändig
über das schöne Wetter dieses Frühlings.

Der violette Ahorn
treibt und treibt und bläht sich richtig auf,
kugelt sich vor allen Leuten
und lebt.

Der 8. Mai kann kommen,
der Geburtstag meiner Mutter,
die ich vor 75 Jahren im Milchhäusle
untröstlich weinen sah,
ich, als Dreijähriger,
als sie die Nachricht erhielt

und es war doch ihr Geburtstag!



Erster Mai 2020

Das Friedensbündnis Esslingen
war heute nicht mit einem Stand
auf der Gewerkschafts-Veranstaltung
auf dem Esslinger Marktplatz
beteiligt, wie es das sonst war.

Die gab es nämlich nicht,
und zwar wegen der
Corona-Ansteckungsgefahr.

Trotzdem fand eine Protest-Aktion
des Stuttgarter Aktionsbündnisses gegen S21
gegen sklavenähnliche Verhältnisse
unter türkischen Arbeitern bei S 21,
die sogar teilweise unter Corona-Infektionen
leiden mussten, vor dem künftigen
Schiefbahnhof-Neubau in Stuttgart statt.

Ich habe darüber nur einen
Video-Bericht gesehen –
im Internet.

Es war furchtbar, was da zu hören war.
Unbeachtet von der Öffentlichkeit
wurden Menschen in den Höhlungen
unter Tage unmenschlich behandelt.

Und das war der Tag der Arbeit!
Es regnete zwar immer wieder,
aber richtig schlecht war das Wetter nicht.
Wenn man nicht eingesperrt war
in Quarantäne, hätte man
an die Luft gehen können – durchaus!

Läuse

Ist dir eine Laus übers Efeu gelaufen?
Nicht nur eine, sondern mehrere?
Eine ganze Kolonie?

Zu Hilfe, schreist du?
Gut, dass es das Internet gibt!
Brennnesseljauche soll helfen.
Oder Schmierseifen-Wasser!

Du wirst es schon rausfinden,
was da hilft!
Oder meinst du nicht?

Unser kleines Gärtchen

Ich sitze auf unserer steinigen Terrasse,

schöne Steine sind’s: roter Granit,

ich habe so oft bei schönem Wetter

hier das Mittagessen kredenzt,

auch jetzt ist das Essen bereitet:

einfache Nudeln mit Sauce und Salat,

den Blick auf das Gärtchen gerichtet:

jeden Tag ändert es sich, Neues entsteht,

jeden Tag frische Hoffnung

auf neue Pflanzen, neues Erblühen!

Unser Gärtchen: Vom Birkenbaum beherrscht,

mit Angepflanztem, aber auch wild Wucherndem,

jeden Tag Überraschungen, ach, und Hoffnungen.

Ja, es lebt sich hier gut, Wenn es nicht regnet!

Aber wie nötig das Wasser doch ist!

Ja, es müsste mal wieder regnen!

Frühlingstag

Ich grüße Dich,

du Frühlingstag,

du über Grenzen hinweg,

Oh ja: in Coronazeiten allerdings

aufgebaut wieder,

und festgesetzt

und doch so unbedeutend

da.

Und doch so grenzenlos

beschränkend!

Pflaumen-Kompott

Was macht’s, dass ich so juble?
Sind alle Schwierigkeiten weg?
Selbst wenn’s so wäre,
die Blüten dort am Pflaumenbaum
sie leuchten gar zu frisch;
dabei sind sie ja schon ein paar
Tage nun alt.
Doch was so leuchtet,
ist ein Glanz von ferne,
ist wie ein Pflaumen-Kompott
so frisch jedoch,
ich spür die Süße
mit dem Gaumen;
ich weiß:
der Frühling, der ist da,
der das verspricht!

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