Lyrisches von Helmut Maier

Kategorie: Neue Maier-Lyrik (Seite 1 von 5)

Herbst und doch nicht Herbst

Wir kennen das:
Herbst ist es – und ist doch kein Herbst
wie immer.
Nebel auf dem Bodensee.
Bäume, durch deren kahles Geäst
die Sonne hindurchschaut.
Geheimnisse, nicht durchschaubar.
Strahlender Sonnenschein mitunter.
Lange, viel zu lange Zeit. Tage und Wochen.
Dann wieder Regenschauer. Unerwartet
und kühle Nächte. Und bald schon wieder.
Aber nur kurz.
Schnee gar in den Bergen.
Aber nur Millimeter.
Soll man wirklich die Heizung höherstellen?
Genügt nicht ein Pullover?
Wird es im Winter genügend Schnee geben
überhaupt?
Und das alles bei steigenden Durchschnittswerten

der Temperaturen des Herbstes.

Weiterer Trend?

Dem November angemessener
als dem Oktober, der fast Sommer war
zu Zeiten, gehen nun die Temperaturen
nach unten. Bloß regnen wird’s
am Anfang nur selten – bis nicht.

Obwohl schon möglicherweise Frost
sich zeigen wird im weiteren Verlauf,
geht doch der insgesamte Trend

der Durchschnittswerte nach oben.

Können wir ihn
auf Dauer noch wirklich stoppen?

Wetter-Vorhersage für Aichwald

Der goldene Oktober
will gerne nochmals Sommer spielen.
Heut war bei blauem Himmel
die Sonne angeknappst
vom Mond, der um die Erde kreist,
und in der Nacht, da regnet es ein wenig.
Doch kommt fast jeden Tag
noch etwas Wärme dazu
bis Freitag. Da gilt es wohl
für Sommer! Und schönes Wetter bleibt
bis in den Anfang des Novembers.


Friedensverhandlungen

Verhandeln.
Verhandeln.
Verhandeln.
Zugeben, was man selber
Böses getan hat.
Zugeben, dass man das
dem andern nur vorwerfen wollte.
Sich bei dem andern entschuldigen.
Den andern entschulden.
Überlegen, wie man wieder
miteinander auskommt.
Besserung geloben.
Endlich Frieden schließen.


Mir ist kalt

Mir ist kalt.
Nicht bloß, weil ich (noch) nicht heize,
nein, das würde mir nicht wirklich
was ausmachen.

Aber mir ist kalt,
weil die Außenministerin
so von „wertegeleitet“
dahinschwafelt
und von einem totalen Sieg
der Ukraine redet.

Mir ist auch kalt,
weil mein lieber Enkel
bei „Metaphern“,
wie dass „in westernartiger Schlichtheit“
(so in einem Zeitungsartikel)
ihr „Klartext“
gegenüber dem „Zaudern“
des Kanzlers oft gelobt werde,
fast in Lachen ausbricht,
weil ihn diese Sprache
an Gedichte während des
ungeliebten
Deutschunterrichts erinnert.
Versteht er, was er sagt? Oder

verstehe ich ihn nicht?

Ist mir so kalt,
weil ich die „westernartige Schlichtheit“
so klar finde und so verständlich,
weil der Westernheld eben
Gewalt leider für so naturgegeben
und notwendig hält?

Und mir ist so kalt,
weil ich so vieles,
was in Diskussionen
gesagt wird, so schnell
nicht mehr verstehen kann.

Herbstliches

Gestern war der Himmel
oft noch ganz blau,
es war ganz schönes,
fast sommerliches Wetter
dann wieder war der Himmel
von Wölkchen bedeckt,
ein Potpourrie von allem,
als wollte sich das Wetter
noch einmal in der Vielfalt zeigen,
dann gab es kurze Zeit
eine dicke, schwarze Wolke,
und sie verschwand wieder
und am späteren Abend
regnete es plötzlich
wie aus Kübeln.

Und heute
grau, überall grau,
ist es der wirkliche Herbst?
Kein Sonnenaufgang,
kaum Farben in der Natur.
Kein bisschen Blau mehr am Himmel,
als hätte es das Gestern
gar nicht gegeben.

Und morgen?
ich kann mir
nicht mehr sicher sein.
Morgen?
Morgen?
Ist da noch einmal Sommer?
Oder schon Winter?
Und gibt es den Herbst
überhaupt nicht mehr

außer heute wirklich?


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