Lyrisches von Helmut Maier

Autor: Helmut (Seite 1 von 277)

Die reale Welt und die (bei den antiken Kelten geglaubte) Anderswelt lassen sich meiner Erfahrung nach mit Lyrik in Beziehung bringen und dadurch neue Welten erschaffen. Dies ist die Grundstimmung, aus der heraus meine Lyrik entsteht. Gerne möchte ich viele Menschen mit meiner Lyrik und verwandten Erfahrungen und dem Austausch über sie, also an diesen Erfahrungen teilhaben lassen. Daher dieses Blog.

Sieg für Freund*innen der Palästinenser*innen

In der Frankfurter Rundschau vom Freitag, dem 21. Januar 2022 ist unter den kleinen „Nachrichten“ auf S. 8 folgende Meldung versteckt: (aber dennoch ungemein lesenswert!):

„Diskussionen über BDS in städtischen Räumen erlaubt

Der Beschluss des Münchner Stadtrats, kommunale Säle nicht für Diskussionen über die pro-palästinensische Bewegung Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) zur Verfügung zu stellen, verletzt die Meinungsfreiheit. Er sei verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt, erklärte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag. Es wies damit die Revision der Stadt zurück. Der Stadtrat hatte seinen Beschluss 2017 damit begründet, dass die BDS-Kampagne antisemitisch sei.“

Damit ist die BDS-Kampagne n i c h t antisemitisch. Das ist ein großer Sieg!

Imbolctraum

Weit, weit entfernt war heute d e r Tag;
fast dachte ich schon,
es wäre Imbolc heute,
die Lichtmess,
die Zeit,
wo vieles noch
in der Erde schlummert,
aber wo schon seit ein paar Tagen
die Märzenbecher-Triebe
aus der Erde herausdrücken.

Und ganz waren diese Tage
schon imbolc-mäßig
hell vom Licht, das strömte,
auch wenn es noch kalt war,
aber immer wärmer
jeden Tag.

Ich saß heute im Sonnenschein
im Wohnzimmer am Tisch,
heute, in der ersten Januarhälfte
und Imbolc ist noch ferne,
aber heute warf die Kristallkugel,
die am Fenster hängt,
große Punkte an die Wand
mir gegenüber:
orange, gelb, grün, blau und violett:
alles in bunten Kreisen
vereint,
rings um das große Batikbild
mit einer Meteora-Landschaft,
und orangefarbig, gelb, grün, blau und violett
Streifen, einer sogar mit orange,
gelb, grün, blau, violett, orange, gelb,
grün, blau und violett – am Stück,
an der Zimmerdecke.
Und ein Lichtfleck auf der Batik.
Und die weiße Decke darüber?
Rot wie beim Alpenglühen
oder beim Sonnenuntergang.
Und ich fühlte mich wie
am 1. Februar.

Aber noch können Schneestürme kommen
und Regenwetter.
Und noch ist nicht Imbolc.
Aber es kommt!
Bald!

Zwischen Regen und Schnee

Zwischen Regen und Schnee,
zwischen Verzweiflung und Zuflucht,
zwischen Weh und Wehe!

Ich muss mich entscheiden:
Will ich dem Schlechten zu Leibe rücken
oder will ich mit dem Guten,
einfach dem Guten
meinen Stempel aufdrücken,
meinen nicht mehr harten Stempel,
sondern den weichen Zuspruch
angedeihen lassen?

Wehe will ich dem Bösen
nicht mehr sagen.
Weh will ich ertragen lernen.
Nein, ich will nicht Verzweiflung
nähren,
sondern die Zuversicht:

zwischen Regen und Schnee
will ich das Blaue sehen,
will an die Zukunft denken,
will dieses Jahr mitgestalten:

So soll es sein,
so will ich es haben,
ob Regen, ob Schnee, ob Sonne,
das Blaue der Zukunft
soll mich auffangen.

2021 bleibt mir und ich ihm, ehe ich mich an das Neue von 2022 gewöhnt habe

Das alte Jahr 2021,
ich kann‘s nicht einfach gehen lassen.
Die Erinnerungen sind zu schön.
Die kann ich nicht einfach lassen.
Das Geschenk der Götter:
50 Jahre
dauert nun schon
unsere Ehe:
Goldene Hochzeit,
gefeiert mit der ganzen Familie.
Und dabei
auch noch 80 Jahre
meines Lebens,
im voraus mit einem
wunderbaren Büchlein
gepriesen,
in dem jedes Mitglied der Familie
ein von ihm gewähltes Gedicht
aus meinem Blog
mit einer grafischen Besonderheit
gewürdigt hat.
Und eine tolle Rede
von unserer Enkelin
beim Festschmaus
im Ferienhaus auf Römö
im pursten Sommer.
All das begeistert
und dankbar angenommen
von meiner Frau und mir.

Und das wirkt immer noch,
wirkt in mir,
wie eine gute Freundin
es erfahren hat
mit ihrem toten Mann,
den sie noch immer um
Rat fragen kann.

Und dieses neue 2022:
Kriegsgefahr liegt in der Luft.
Ich will es nicht glauben;
ich schiebe es gerne
weit von mir weg.

Und Corona:
keine Krone der Schöpfung,
sondern eine Geiselnehmerin,
die uns einsperrt,
wenn‘s sein muss.

Und eine Regierung,
leider nicht so gut,
wie es ein neues Jahr
verdient hätte.

Nein, ich mag es
noch nicht,
dieses 2022.
Ich kann mich hoffentlich noch
daran gewöhnen.

Heute Morgen

Heute Morgen war es recht trübe.
Doch irgendwann kam die Sonne heraus.
Immer wieder stand sie mondgleich
hinter hellen und dunklen Schleiern.
Mitunter strahlte sie heller
als das Auge vertrug.

Aber sie sprach: „Wartet nur.
Ich kann auch anders.
Morgen lasse ich dem Mond
nochmal ein Schauspiel:
völlig rund steht er dann da –
so wie ich gerade.

Aber zwei Tage später
stehe ich jeden Tag
etwas mehr senkrecht
über dem Land –
bis hinein in den Sommer.
Wintersonnwende heißt das.
Und es ist ein grandioses Schauspiel
wie jedes Jahr wieder.“

Der kalte Mond am nicht so kalten Dienstag

Gestern kam ich mir zeitversetzt vor:
Ich wähnte, es wäre schon Wintersonnwende:
denn da stand der Vollmond klar am Himmel
und das am hellichten Tag,
jedoch war es „nur“ die Sonne,
vom Hochnebel fast verdeckt,
aber klar umrissen,
mal klarer, mal schlechter zu sehen.

Immer wieder musste ich mich umdrehen
auf dem Weg von Schanbach nach Aichelberg.
Um das zu sehen:
stets dabei den Wechsel im Auge!

Ach, es waren nur fünf Tage bis
der Mond die volle Größe erreichen würde,
am Sonntag, dem 19. Dezember,
und das wieder nur 2 Tage
bis zur Wintersonnwende.

Ach ja, es ist Wintersonnwende-Zeit,
mir schon einige Tage vorher
vorgetäuscht,
wenn auch nicht echt.

Nebensonne

Eiskristalle leuchteten heute Morgen
links von der Sonne.
Rechts von ihr stand eine dunkle Wolke
statt einer zweiten Nebensonne.
Und die Sonne selber strahlte
hell und klar in den Tag.

War das ein Zeichen
für den kommenden Schneefall?
Gibt so der Himmel ein Zeichen
für Merkwürdiges, das er im Schilde führt?


Das Graugeäst

Das Graugeäst der Bäume,
wie sollten die Verästelungen
wir wirklich kennen,
bei vollem Grün,
an dem wir uns ergötzen
immer wieder.

Doch immer wieder auch
der Blick in die Verästelungen,
die alles klarer machen,
Gesehenes uns deutlicher
und unvoreingenommener
erscheinen lässt.

Das Grau des Lebens
uns erscheint‘s
so düster oft
und ach, wie klar
uns dabei
alles wird:

die Hoffnung eingeschlossen,
die wieder grün
und doppelt deutlich
uns alles macht.

Auch, wenn wir‘s selber
nicht mehr erfahren,
so muss Erfahrung es doch sein,
die wir davon
dann weitergeben
können.

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