Lyrisches von Helmut Maier

Autor: Helmut (Seite 1 von 292)

Die reale Welt und die (bei den antiken Kelten geglaubte) Anderswelt lassen sich meiner Erfahrung nach mit Lyrik in Beziehung bringen und dadurch neue Welten erschaffen. Dies ist die Grundstimmung, aus der heraus meine Lyrik entsteht. Gerne möchte ich viele Menschen mit meiner Lyrik und verwandten Erfahrungen und dem Austausch über sie, also an diesen Erfahrungen teilhaben lassen. Daher dieses Blog.

Vielleicht

Ach, ich freue mich ja schon
über das kleine blaue Einsprengsel
in das Wolkengebiet:
doch schon lichtumflutet,
vielversprechend.

Insgeheim hoffe ich noch
auf das Aufklaren zu blauem
Sonnenhimmel, Sommerhimmel:
Vielleicht kann es ja wirklich
einen Sommertag geben!

Die neue Nachtkerze

Drei solche Pflanzen sind in unserem Gärtchen.
Jede hat seit gestern abend eine Blüte.
Es waren zusammen also drei.
Wie ihr vielleicht wisst:
Jeden Tag so etwa um neun Uhr des Abends
kommen jeweils neue Blüten hervor.

Und e i n e davon schaute genau
(und schaut immer noch)
zu den Fenstern unseres Wohnzimmers.
Und ich möchte schwören:
Sie lachte mich immerzu an
(und tut es heute immer noch)
und bereitet mir eine große Freude.

Sie hat ein so volles Gelb,
dass sie mir fast überirdisch vorkam.
Sie bezauberte (und tut es noch)
so lieblich, dass ich völlig verzaubert
sie immer wieder nur anschauen kann
(und es immer wieder konnte
seit heute Morgen).

Sie ist wie ein Stern am Tag,
auch wenn sie noch in der Nacht
aufblühte und strahlte wie
ein Zauber aus TausendundeinerNacht.

Und heute Nacht hängt sie dann da,
völlig erschöpft, weil ja vielleicht dann
eine neue Blüte (oder zwei, oder drei)
an ihre Stelle tritt (oder treten).
Aber ihr Glanz bleibt in meinem Leben
die ganze Zeit!

Yosemite

Der Nachthimmel, sternenbesät
über dem Yosemite-Nationalpark:
So weit weg vom heute hier,
doch das Verlangen,
es ist noch nicht verglüht.

Ich träume davon,
auch jetzt im Alter:
Wo sonst sind die Sterne so klar
am Nachthimmel wie dort?

Doch das Flugzeug,
es ist ja wohl nicht erlaubt.
Zu viel CO2.
Wird sich das noch ändern
in meinem Leben?

Bis dahin muss mir der Nachthimmel
hier in Aichwald genügen.
Und ist der nicht
auch sehr schön?

Die Hummel

Da ist die Pfingstrose

im vollen Ornat,

die erste dieses Jahr.

.

Lange haben wir auf sie

gewartet.

Und nicht nur wir,

auch die Hummel.

.

Sie will endlich

die Blüte besuchen.

Sie schlüpft in die Blüte hinein

bis zu den Staubgefäßen.

.

Sie erhebt sich in die Luft darüber,

schlüpft aber noch mal hinein,

wälzt sich in den gelben Staubgefäßen.

.

Und nochmal die gleiche Prozedur.

Dreimal, viermal, ein fünftes Mal

und verliert sich fast

in den Staubgefäßen.

.

Ich schaue ihr zu.

Sie genießt die Wellness-Kur.

Ich möchte auch so genießen.

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Transparenz

Warum sind die Jungen,
die männlichen oder weiblichen,
die friedensgeübten und die kriegslüsternen
alle so rechts?

Wissen die vielleicht nicht,
was sie haben
an der Demokratie?

Oder sind sie nur heller als wir?
Wollen sie nicht mehr
Durchschaubarkeit,
mehr Transparenz der Demokratie?
Natürlich auch der unseren,
die so viel Vertrauen verlangt,
so viel, also: so viel,
was sie wissen wollen,
bevor entschieden wird?

Mangelt es daran,
dass man ihnen nicht sagt,
was wann wo zu entscheiden
man sich vorgenommen hat,
ohne sie und uns zu fragen,
ob wir das auch so sehen,
was sie sich so gedacht haben
im stillen, abgeschlossenen
Kämmerlein?

Haben die Jungen nicht Recht?
Recht auf Transparenz?

Warum jemand abschreiben?

Warum jemand abschreiben,
zum Beispiel Putin?
zum Beispiel einen Freund,
ja, den auch!
Lieber keinen Versuch,
mit ihm zu reden,
auch wenn dadurch sicherlich
Tausende umkommen?
Oder wenn auch nur eine*r?

Wir müssen mit ihnen reden,
sonst machen wir uns zum Täter,
zur Täterin vielleicht auch,
wenn wir es unterlassen,
was Menschen retten könnte,
nur wenigstens eine*n!
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