Lyrisches von Helmut Maier

Autor: Helmut (Seite 1 von 279)

Die reale Welt und die (bei den antiken Kelten geglaubte) Anderswelt lassen sich meiner Erfahrung nach mit Lyrik in Beziehung bringen und dadurch neue Welten erschaffen. Dies ist die Grundstimmung, aus der heraus meine Lyrik entsteht. Gerne möchte ich viele Menschen mit meiner Lyrik und verwandten Erfahrungen und dem Austausch über sie, also an diesen Erfahrungen teilhaben lassen. Daher dieses Blog.

Der größte See

Wo ist die größte Einsamkeit
in Deutschland?
In der Mitte des größten Sees
in Deutschland.
Weit weg sind alle Ufer.
Weit weg
sind alle Menschen
(bis auf die auf dem Schiff).

Es ist durchaus
ein Erlebnis der besonderen Art
auf der Fahrt quer durch den Müritzsee.

Ich habe es erlebt.
Ich habe es durchlitten.
Ich habe mich gefreut darüber.
Aber irgendwie unheimlich
war es schon.

Es war immerhin die größte Wassermenge
mitten in Deutschland.

Aber am Ufer
war es schöner.

Streitschlichter

An vielen Schulen gibt es
Streitschlichter,
oft gut ausgebildet.
Zwischen Staaten allerdings
findet man sie leider fast nicht.

Aber wir brauchen
sie doch,
solche Streitschlichter,
bevor es zu Kriegen kommt.
Ja, wohl auch,
wenn es bereits zum Krieg
gekommen ist.

Und was könnte ein Mediator,
der vor kriegerischem Leid
schützen könnte,
nicht alles bewirken!

Wir müssen für Mediation,
für Streitschlichterei international,
auch Geld ausgeben!

Gewiss, es gibt keinerlei Garantie,
dass Streitschlichterei,
sicherlich Sicherheit schafft.

Aber unter Umständen
schafft er mit viel weniger Kosten,
auch an unendlich viel
menschlichem Leben, Unglück
und Leid,
doch Frieden.

Aber wollen wir wirklich
Mediation,
und zwar mit Mediatoren
mit spezifischen Kompetenzen?

Oder sind wir selber
Partei?

Kriege

Ist nur der bösartige Krieg,
der von Putin gegen die Ukraine,
wirklich schlimm?
So las ich es in der Zeitung.

Sind Kriege nicht alle
bösartig und schlimm?
Auch die von den guten,
die ihn führen,
um irgendeinem Land
die Demokratie
aufzudrängen?

So versucht man wohl,
Kriege zu rechtfertigen,
obwohl sie alle
bösartig und schlimm sind.

Warum sind Kriege
sonst möglich?

Pfarrgarten

Knoblauchrauten
am Rande des Pfarrgartens.
Darüber
ein prächtig blühender Apfelbaum,
der hängt
über den Zaun.
Verwunschen ist alles.
Nicht wirklich wahrhaft.
Aber er hat was Zauberisches.

Nicht so wie die Religion
des Pfarrers.
Die ist weniger
als wirklich wahrhaftig.
Altmodisch
durch und durch.

Avalon-Gefühle

Ich fuhr mit dem Auto
durch himmlische Gefilde.

Avalon füllte die Hänge ringsum:
Apfelbäume blühten
rosarot und strahlend in Weiß.

Avalon-Apfelland
erfüllte die Luft,
drang in mein Herz,
bewies Existenz,
Weiß, durchwirkt von rosarot,
ein Wunder der Natur.

Und ich wusste: es war Avalon,
das mich bewegte,
und ich fuhr weiter
mit neuem Bewusstsein.

Und es war das Wunder,
das zeigte voller Inbrunst:
Frieden war möglich,
ein Frieden,
für den es sich lohnte zu kämpfen

ohne Gewalt, aber dringend.

Denk ich an die Ukraine

Denk ich an die Ukraine in der Nacht,

so bin ich wieder um den Schlaf gebracht.

Wie in jener

ebenso finsteren Nacht:

Ich saß wieder im Keller,

als die Bombe fiel

und ich nur „Holla“ sagte.

Schon hatte ich das feuchte Tuch

vor dem Mund.

Es staubte ja sehr.

Meine Mutter hatte es mitgenommen

von der Wohnung in den Keller.

Sie hatte wohl Übung.

.

Ich weiß es ja nur

aus dem Brief meiner Mutter

an meinen Vater im Feld.

.

Wir waren nicht getroffen.

Drei Häuser weiter

war die Bombe gefallen,

zerstörte das Haus.

.

Ich sehe die Mutter in Mariupol.

Auch sie im Keller des Hauses

mit ihrem Kind.

Ihr Haus traf die Bombe.

Viele Häuser wurden getroffen.

Sie hielt das Kind.

Es war tot.

.

Ich sehe die Mutter im Jemen.

Auch sie hielt ihr Kind in den Händen.

Bomben fielen.

Das Kind war tot.

.

Ich sehe die Mutter in Somalia.

Auch ihr Kind starb.

Es war verhungert.

.

Ich sehe die Mütter im Irak.

Bomben gegen Sadam

töteten ihre Kinder.

.

Ich sehe Mütter

in Palästina.

Tot sind die Kinder.

Bei der Vertreibung gestorben.

.

Und sage ich nur

„Holla“?

Sind Frauen auch Lai:innen?

Unter der Überschrift „Frauen dürfen bald vatikanische Behörden leiten“ steht in der heutigen Frankfurter Rundschau folgende Meldung (bitte auch auf den von mir gesperrt gedruckten Teil schauen und auf meine „Verbesserung“):

„Neun Jahre nach dem Amtsantritt von Papst Fra nziskus hat der Vatikan ein neues Grundgesetz veröffentlicht. Die Verfassung mit dem Titel ‚Praedicate Evangelium‘ (Verkündet das Evangelium) tritt am 5. Juni in Kraft, wie der Vatikan am Samstag mitteilte. Zu den wichtigsten Neuerungen gehört die Möglichkeit für L a i : innen u n d Frauen, vatikanische Behörden leiten zu können.“

Ich meine, es wäre besser gewesen zu schreiben: „Lai:innen, also wohl auch Frauen, …“ – oder nicht? 🙂

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