Lyrisches von Helmut Maier

Autor: Helmut (Seite 1 von 274)

Die reale Welt und die (bei den antiken Kelten geglaubte) Anderswelt lassen sich meiner Erfahrung nach mit Lyrik in Beziehung bringen und dadurch neue Welten erschaffen. Dies ist die Grundstimmung, aus der heraus meine Lyrik entsteht. Gerne möchte ich viele Menschen mit meiner Lyrik und verwandten Erfahrungen und dem Austausch über sie, also an diesen Erfahrungen teilhaben lassen. Daher dieses Blog.

Stuttgarter Demenz*

Dement lassen die Medien
Leute in Stuttgart und außerhalb
zurück, wenn Wichtiges unberichtet bleibt;

dass das Lenk-Kunstwerk nur vorübergehend
ausgestellt werden darf und danach nicht mehr.

Dement lassen die Medien
überhaupt in Dunkelheit zurück,
wenn das Alles in ihrer Sicht nichtig ist,

nichtig? In ihrer Sicht nichtig? Guter Gott!
Oder: in der Sicht der Mächtigen?

Dement, nicht wissend, bleibt das Volk,
wenn sich die Medien einig sind,
einig gegen die Tiefbahnhof-Gegner,

die schon immer gesagt haben: er ist doch
zu klein, kann den Deutschland-Takt nicht halten.

Und jetzt wollen sie Herrenknecht
neu helfen: viele Kilometer
Tunnel bauen für ’nen zweiten Tiefbahnhof;

jetzt als Kopfbahnhof, ja, jetzt als Kopfbahnhof;
da fällt dem Lenk für sein Werk womöglich noch was ein!

*Vier Jankas

http://www.lenk-s21-denkmal.de

Lieferkettengesetz – na ja (aber trotzdem …)

Gestern hat der deutsche Bundestag das Lieferkettengesetz beschlossen. Das hängt zwar meilenweit hinter dem eigentlich Notwendigen zurück, aber immerhin ist das Ding nun mal in der Welt und man wird sehen, inwieweit es nun funktioniert.

Jedenfalls ist das Problem der Kinderarbeit in fernen Ländern nun auf der Liste dessen, was nicht mehr geduldet werden darf.

Der Bär spricht


Wenn ich mal sterbe,
will ich als Bär sterben,
will alle Kraft in Kraftvolles stecken,
will dann aber loslassen dürfen,
das Los annehmen zu verschwinden,
ohne mich zu verlieren.

Ich will der Bär sein,
der einfach da ist,
auch wenn die Gesellschaft
ihn misstrauisch betrachtet
und will aber dieses Misstrauen
besänftigen – und wenn möglich
die Freundschaft mit der
Gesellschaft aufgebaut wissen.

Ich will die Donau entlang
fahren und Donau sein,
ganz bärig mich diesem Fluss
hingeben in das große Revier
der Völker und Nationen.

Ach, streut meine Asche
in Neckar und Donau,
damit sie in beide Meere
hintreibe, in beide Richtungen
der Wasserscheide,
und freut euch
über meinen Tod
mehr als dass ihr weint,
weil ich ja ankomme im Meer.

Und bis es so weit ist,
will ich als Bär nicht in der Hängematte
liegen, selbst wenn ich wenig aus
dem Haus komme.
Ich will aber „Ent-bärung“
nicht leiden.

Aus viel älterem Archiv: Bärentag

Zugedachtes wohl tragen,
es als Einladung sehen
können,
aber auch sagen:
Ich lass‘ es –
wenn es denn niederzudrücken droht.

Die Spur gehen des Bären.
Donau sein
und sich weiten.
Oder sich entlang der Donau
tragen lassen
auf einem Fahrrad.

Am Bärentag
nicht faul auf der Bahre liegen.
Jedenfalls Ent-Bärung
nicht leiden.

Annäherung an die Bretagne

Dich,
Land der Menschen
und der großen Steine,
habe ich aufgesucht
und finde mich willkommen,
empfange Eier
und Tomaten als Gastgeschenk
und hol mir Brot und Wein.

Schon lass‘ ich mich
in deinen linden Sommer fallen
in weiches Rasengras,
wo kühle Lüftchen
meine heißgewordne Haut berühren
und liebkosen.

Ich suche mich
dir sacht zu nähern
und
ich will dich kennen.

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