Lyrisches von Helmut Maier

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Der größte See

Wo ist die größte Einsamkeit
in Deutschland?
In der Mitte des größten Sees
in Deutschland.
Weit weg sind alle Ufer.
Weit weg
sind alle Menschen
(bis auf die auf dem Schiff).

Es ist durchaus
ein Erlebnis der besonderen Art
auf der Fahrt quer durch den Müritzsee.

Ich habe es erlebt.
Ich habe es durchlitten.
Ich habe mich gefreut darüber.
Aber irgendwie unheimlich
war es schon.

Es war immerhin die größte Wassermenge
mitten in Deutschland.

Aber am Ufer
war es schöner.

Streitschlichter

An vielen Schulen gibt es
Streitschlichter,
oft gut ausgebildet.
Zwischen Staaten allerdings
findet man sie leider fast nicht.

Aber wir brauchen
sie doch,
solche Streitschlichter,
bevor es zu Kriegen kommt.
Ja, wohl auch,
wenn es bereits zum Krieg
gekommen ist.

Und was könnte ein Mediator,
der vor kriegerischem Leid
schützen könnte,
nicht alles bewirken!

Wir müssen für Mediation,
für Streitschlichterei international,
auch Geld ausgeben!

Gewiss, es gibt keinerlei Garantie,
dass Streitschlichterei,
sicherlich Sicherheit schafft.

Aber unter Umständen
schafft er mit viel weniger Kosten,
auch an unendlich viel
menschlichem Leben, Unglück
und Leid,
doch Frieden.

Aber wollen wir wirklich
Mediation,
und zwar mit Mediatoren
mit spezifischen Kompetenzen?

Oder sind wir selber
Partei?

Avalon-Gefühle

Ich fuhr mit dem Auto
durch himmlische Gefilde.

Avalon füllte die Hänge ringsum:
Apfelbäume blühten
rosarot und strahlend in Weiß.

Avalon-Apfelland
erfüllte die Luft,
drang in mein Herz,
bewies Existenz,
Weiß, durchwirkt von rosarot,
ein Wunder der Natur.

Und ich wusste: es war Avalon,
das mich bewegte,
und ich fuhr weiter
mit neuem Bewusstsein.

Und es war das Wunder,
das zeigte voller Inbrunst:
Frieden war möglich,
ein Frieden,
für den es sich lohnte zu kämpfen

ohne Gewalt, aber dringend.

Sind Frauen auch Lai:innen?

Unter der Überschrift „Frauen dürfen bald vatikanische Behörden leiten“ steht in der heutigen Frankfurter Rundschau folgende Meldung (bitte auch auf den von mir gesperrt gedruckten Teil schauen und auf meine „Verbesserung“):

„Neun Jahre nach dem Amtsantritt von Papst Fra nziskus hat der Vatikan ein neues Grundgesetz veröffentlicht. Die Verfassung mit dem Titel ‚Praedicate Evangelium‘ (Verkündet das Evangelium) tritt am 5. Juni in Kraft, wie der Vatikan am Samstag mitteilte. Zu den wichtigsten Neuerungen gehört die Möglichkeit für L a i : innen u n d Frauen, vatikanische Behörden leiten zu können.“

Ich meine, es wäre besser gewesen zu schreiben: „Lai:innen, also wohl auch Frauen, …“ – oder nicht? 🙂

Ukraine 2022

Wer immer nur
„der andre muss sich zurückziehen“ ruft
und nie
„ich selber muss endlich mich bewegen“,
der ruft zum Sterben.

Am besten wäre es,
wenn beide sich die Hände reichten
und beide sagten: „ich habe nur teilweise Recht“.

Dann wäre Frieden noch möglich.
Aber doch vielleicht auch, wenn es nacheinander käme.

2021 bleibt mir und ich ihm, ehe ich mich an das Neue von 2022 gewöhnt habe

Das alte Jahr 2021,
ich kann‘s nicht einfach gehen lassen.
Die Erinnerungen sind zu schön.
Die kann ich nicht einfach lassen.
Das Geschenk der Götter:
50 Jahre
dauert nun schon
unsere Ehe:
Goldene Hochzeit,
gefeiert mit der ganzen Familie.
Und dabei
auch noch 80 Jahre
meines Lebens,
im voraus mit einem
wunderbaren Büchlein
gepriesen,
in dem jedes Mitglied der Familie
ein von ihm gewähltes Gedicht
aus meinem Blog
mit einer grafischen Besonderheit
gewürdigt hat.
Und eine tolle Rede
von unserer Enkelin
beim Festschmaus
im Ferienhaus auf Römö
im pursten Sommer.
All das begeistert
und dankbar angenommen
von meiner Frau und mir.

Und das wirkt immer noch,
wirkt in mir,
wie eine gute Freundin
es erfahren hat
mit ihrem toten Mann,
den sie noch immer um
Rat fragen kann.

Und dieses neue 2022:
Kriegsgefahr liegt in der Luft.
Ich will es nicht glauben;
ich schiebe es gerne
weit von mir weg.

Und Corona:
keine Krone der Schöpfung,
sondern eine Geiselnehmerin,
die uns einsperrt,
wenn‘s sein muss.

Und eine Regierung,
leider nicht so gut,
wie es ein neues Jahr
verdient hätte.

Nein, ich mag es
noch nicht,
dieses 2022.
Ich kann mich hoffentlich noch
daran gewöhnen.

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