Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Das Leben

Der Baum,
uralt steht er da,
uralt.

Der Fluss,
jede Sekunde neu.
Je schneller seine Wasser fließen.
Aber uralt.

Der Wald,
wie viele Bäume!
Uralt,
wenn nicht der Mensch ihn tötet,
die Bäume fällt,
das Feuer in ihm ausbrechen lässt.
Aber da, wo das nicht geschieht:
Uralt dastehend
wie der einzelne Baum.

Das Wasser,
ohne es kein Leben.
Uralt wie das Leben
der Menschen
und Tiere
und Pflanzen.

Wie gehen wir um mit dem Leben?

Noch ist das Leben live.



In Nachbars Garten

Kopfunter,
den Stamm hinab,
läuft der Kleiber,
pickt immer wieder,
wohl weil‘s was zu fressen gibt,
dreht wieder um, läuft hinauf.

Flankiert wird der Hauptstamm
von eben so kahlen
Stämmchen mit Ästen,
ganz kahl alle,
soweit ich sie sehe:
Runen, Hieroglyphen
vom Winter her,
ein ganzes Gewirr,
so sehe ich‘s.

Doch lege ich mein Gesicht
wieder tiefer,
aufs Kissen,
so explodiert
darüber,
jetzt im April,
das völlige Grün,
ein Gewirr von Zweigen
und Ästen und Ästchen,
alle bedeckt vom Grün.

Und dorthin verschwindet,
ungesehen schon,
der Kleiber
und fliegt dann doch weg.

Aber ich weiß:
er kommt wieder,
mich zu erfreuen.

Ulm

Nur der Haubentaucher
störte das unüberbietbare
Blau des Himmels
vor dem Silberpappelgehölz,
das Kopf stand
auf dem glatten Spiegel
der Donau
vor und nach dem Gewitter
von zwanzig Minuten.

Jura für die Natur*

Indigene Wissenschaftler
und indigene Aktivisten
suchen verbriefte Rechte für die Natur.

*ein Achtundzwanziger

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Im „Regenwald Report“ Nr. 1/21 wird in einem Artikel mit dem Titel „Natur mit Rechten: Rechte für die Natur“ von Seite 4 bis Seite 7 dargelegt, dass es notwendig ist, der Natur juristisch einen Platz zuzuweisen, der über demjenigen der sonst juristisch geschützten Menschheit zugestanden wird.

„Es ist eine juristische Bewegung, aber auch eine zutiefst ökologische, soziale und sogar ethische und philosophische Bewegung mit großem symbolischem Wert. Die Befürworter greifen dabei auf die indigene Vorstellung von der Natur als Mutter Erde zurück. Sie stellen den Menschen nicht über die Natur. Sie sehen die Umwelt nicht mehr als Objekt, sondern als eigenständiges Subjekt. Ihr Ziel ist eine neue, nicht mehr anthropozentrische Sichtweise des Rechtssystems. Konventionelle Umweltgesetze stellen den Menschen hierarchisch über die Natur und geben ihm das Recht, über die natürlichen Ressourcen zu verfügen. Die Umwelt wird als ein Eigentum oder Objekt gesehen, das ausgebeutet und zerstört werden kann. Und in diesem Sinne regeln die Gesetze neben dem Schutz auch den Gebrauch und die Instrumentalisierung der Natur – was sie für einen wirklichen Schutz zu schwach macht.“

„Wenn wir es aber schaffen würden, die Natur nicht mehr als Objekt der Aneignung zu behandeln, sondern sie als Rechtssubjekt, als juristische Person mit eigenen Rechten zu betrachten, würde sie etwas erwerben, was sie vorher nicht hatte: eine integrale Kategorie, einen Status als ökologischer Verbündeter, der unabhängig von den Bedürfnissen oder Ambitionen des Menschen ist.“

Neben Afrika und Asien sind es vor allem „viele lateinamerikanische Völker“, die darüber sprechen: „vom Guten Leben oder Sumak Kausay. Sie betrachten die Natur als Ganzes, als Mutter Erde oder Pacha Mama. Dieses Verständnis prägt die Lebensweise der Ureinwohner, was sie zu einem Vorbild für das neue Denken in den westlichen Rechtssystemen macht.“

„Denn jedes Leben – von Menschen, Tieren und Pflanzen – ist wertvoll – für den Planeten, für uns heute und für zukünftige Generationen.“

„Unterzeichnen Sie unsere Petition: www.regenwald.org/rr033“

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