Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Die Flaschenpost

Eine Flaschenpost
aus dem Jahre 1941
wurde wieder gefunden.
Adorno warf sie ins Meer,
das sich zwischen den Kontinenten
aufgetan hatte,
zwischen dem demokratischen Amerika
und dem totalitären Deutschland.

Ich habe sie wiedergefunden
im Jahr 2020.
Sie sprach davon,
dass es ein Jahrhundert
doch wieder geben müsse,
in dem er sich wiederfinden
lassen müsste, der Glaube,
dass alles besser werde. Sonst
wäre verloren, woran e r doch glaubte.

Tang hatte sich angeheftet:
Von Walter Benjamins Hoffnung
eben auf eine Morgenröte
auferstandener Treue
zum Verlauf der Geschichte.
Von Paul Celan auch,
vor hundert Jahren geboren:
dass eines Tages sich wieder
Menschen besännen
aufs Gute im Menschen.

Sie alle, die unter dem Regime
des alles Vernichtenden
damals doch lebten,
hatten irgendeine solche Botschaft,
so unbestimmt und unklar
sie auch sein mochte,
und sie hing auch an der Flasche.

Und alle, die sich so
an die Flasche geklammert hatten
mit ihrer Botschaft,
sie alle hatten die Hoffnung:
Einmal wird es doch besser wieder
und gut, wirklich gut!

Nur das Gedenken an sie
gab mir die Hoffnung,
dass endlich die Regierenden
doch etwas täten,
was zu mehr Demokratie
führen werde, die nicht nur
ihnen selbst nützen,
sondern auch denen das
Leiden erleichterte,
das sie durchstanden hatten,
und ihnen Gerechtigkeit endlich
begegnen werde und sie triumphieren
nach allem, was sie erlitten hätten, könnten.

Auf, folgt meinem Aufruf:
Wir müssen die sein,
die jetzt einen Wandel vollziehen,
ganz im Sinne von jener
Flaschenpost, die ich wieder gefunden.

Dass grade noch vor dem Ende,
dem unausweichlichen, unserer Erde,
ihnen der Ausweg gewiss wird,
der doch von den Regierenden kommt:
Tut alles, was noch hilft,
tut, was dem Raubbau doch
ein Ende bereitet und nicht
dem Ende der lebenswichtig
für Menschen gemachten Erde
den unausweichlichen Weg bereitet,
der Erde den tödlichen Stoß versetzt.
Tut‘s endlich doch!

November-Kühle – so zwischendurch

Gestern noch
strichen die warmen Winde
über die Apfelbäume,
auf deren manchen noch
Früchte die Fülle hingen.

Sie strichen über noch fast
taufrische Pflanzen,
die noch gar nicht bereit schienen,
sich dem November zu ergeben.

In den Obstgärten
strichen sie über kahles Geäst.
Seltsam sah das aus
gegen den blauen Himmel.

Aber heute Nacht
kamen die Regenwolken doch.
Und heute sah es oft dunkel aus
am Himmel, der so viel besser
zum November passte.

Und die Kühle wenigstens
dieses Monats,
obwohl schon wieder Blau am Himmel
die vorherrschende Farbe ist,
sie blieb nun doch.

Im Dialog*

„Wie geht es dir denn?“
„Was soll ich dir antworten? –
Gut. Jedenfalls noch.“

*ein Haiku, wie er wahrscheinlich – glaube ich – nicht gemeint war. Aber wie er mir passt.

Großer Erfolg der Friedensbewegung! UN-Atomwaffenverbot tritt Anfang 2021 in Kraft

Liebe*r User*in,

es ist wirklich geschafft und ein riesiger Erfolg der Friedensbewegung weltweit: Das UN-Atomwaffenverbot wird am 22. Januar in Kraft treten. Durch die Ratifizierung Honduras sind gestern die dafür benötigten 50 Ratifizierungen bei den Vereinten Nationen eingegangen. Das ist ein großer Erfolg der Friedensbewegung weltweit!

Das Netzwerk Friedenskooperative setzt sich seit seinem Bestehen für eine atomwaffenfreie Welt ein. Der Verbotsvertrag ist ein wichtiger Schritt, um die Vision einer Welt ohne Atomwaffen wahr werden zu lassen. …

Nächstes Ziel: Deutschland tritt bei und wird atomwaffenfrei

Auch weiterhin werden wir darauf drängen, dass endlich die Atomwaffen aus Büchel abgezogen werden. Durch die bevorstehenden Bundestagswahlen wird das kommende Jahr dabei eine entscheidende Rolle spielen. Ein Großteil der Bevölkerung spricht sich klar für den Abzug der Atomwaffen aus Büchel und für den Beitritt zum UN-Atomwaffenverbot aus. Wir wollen, dass sich der Wunsch der großen Mehrheit der Menschen auch in der kommenden Regierung wiederfindet.

Der Achtundzwanziger

Ihr Lieben alle! Mein Achtundzwanziger hat in vielerlei Varianten Anklang gefunden. Ich meine n i c h t wirklich m e i n e Achtundzwanziger, sondern die von Freund*innen meines Blogs, die ich in der Website zum Achtundzwanziger aufgeführt habe und die ich euch besonders ans Herz legen möchte.

Schaut doch einfach mal hier vorbei:

https://www.maierlyrik.de/blog/der-dreizeiler-mit-dem-namen-achtundzwanziger/ – (Rechts, gleich bei den „Seiten“: Der Dreizeiler mit dem Namen „Achtundzwanziger“ anklicken!)

und klickt die entsprechenden Links einfach mal an:

  • vor allem mal die letzten 12 oder mehr in der Liste dort!

							
	

Wunder

Stehe ich nachts im Dunkel,
so dass ich grade noch vor mir die Birke habe
im Blick, sehe ich plötzlich
im Laub dort runde, gelbe Farbtupfer,
sehe dann
runde, gelbe Früchte.
Sie könnten mir munden.
Dann sehe ich
Goldgehänge zwischen den Zweigen.
Gold kann man nicht essen,
aber wertvoll ist es schon.

Farbtupfer, süße runde Früchte,
Goldgehänge oder doch wertvolle
Glasarbeiten, die mich ergötzen,
wenn ich sie sehe, gemacht
in handwerklicher Kunst,
oder auch sonstige Fantastereien
aus Künstlerhand?

Ein Wunder jedenfalls
meine ich zu sehen
zwischen den nächtlichen Zweigen,
wogend im Nachtwind
und ich vermag nicht
näherzutreten.

Am nächsten Tag
sehe ich in den Zweigen
hier mit Künstlerhand
des Zauberers Herbst gemacht
das gelbe Blätterwerk, hergezaubert
neben dem immer noch frischen Grün.
Und ich sehe auch am Tag:
Es ist ein Wunder
im Birkenbaum geschehen.

Der Herbst

Der Himmel zeigt sich schon so herbstlich,
dass ich mir meinen Optimismus
fast verkneifen könnte:
dass der Herbst so schlimm nicht wäre,
nicht so sehr sommerlich,
sondern vom Winter schon geprägt,
dem bitterkalten.

Doch ach, was soll‘s:
Ich will den neuen Wein genießen,
will mir die Herbst-Suppe
nicht vermiesen lassen,
will die Früchte all verspeisen,
will auf Durchfall pfeifen
und auf Magenblähen
und will …
und will …
und will …

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