Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Wechselspiel

Heute Morgen:
Wenige Minuten:
ein wenig Blau am Himmel.
Dann: Nebel, Nebel, Nebel.

Um die Mittagszeit:
Nebel.
Dann: blauer Himmel ganz überall.

Dann: wieder Nebel, Nebel.
Dann: blauer Himmel wieder.

Dann – und ich glaube
für den Rest des Tages: wieder Nebel!

Ein interessantes Wechselspiel.
Ich liebe es – fast.

Traurig fast

Traurig fast. So saß ich im Auto.
Draußen alles im Schmuddelwetter.
Doch Bäume und Sträucher
trugen farbige Pracht, bunte Blätter!
Doch richtig dran freuen?
Nicht bei dem Wetter!

Auf der Heimfahrt wurde es besser.
Blauer Himmel zwischen den Wolken.
Da: auch schon Sonne!
Dort: Das Kirchlein von Aichelberg.
Plötzlich steht es im Licht.
Plötzlich sind auch die farbigen Bäume
alle im Licht.

Der dicke Baum rechts von der Straße:
wie lichtgefüllt erstrahlen seine bunten Blätter.
Dort: die grün-gelben Sträucher: völlig im Licht!
Die bunten Herbstblätter alle, auf allen Bäumen
und Sträuchern – alle im Licht.

Und ich?
Ich komme dem lichtvollen Bild immer näher.
Ich bin umgeben vom Licht, von den Farben,
die strahlen von Licht.

Und ich bin wieder glücklich.
Ich steh jetzt im Licht.
Im Licht des Herbstes.

Heute*

Heute fühle ich mich wärmer.
Am etwas – kaum – bewölkten Himmel
kurze, weiße Streifen hinter den Fliegern.

Obwohl die Blätter schon fallen,
heute fühle ich mich wärmer.

*ein Janka

Zerrissen

Krähen krächzen heiser.
Am Himmel schwimmt eine Wolke.
Sonst ist er fast ganz blau.

Herbstlich kalt ist mir.
Es ist die Zeit des zergehenden Jahres.
Mit schönem Wetter gerade.
Aber kalt.

Doch herbstlich bunt sind die Bäume – noch.
Eigentlich schöne Bilder ergibt er, der Herbst –
noch vor dem Ende.

Lasst euch nicht beirren durch eine kleine Unterbrechung im vorderen Bereich des Klavierspiels – die sich von selbst wieder auflöst und weiterläuft. Die ist eine kleine technische Unterbrechung, die dem Klavierspiel (meine ich) n i c h t s wirklich nimmt!

Das Schöne lieben

Sollten wir nicht im Schönen ertrinken,
denn wenn ich‘s höre, dass es dieses
vollkommen geben könnte,
wird mir so schwer ums Herz.
Dies Los, es wäre ja nicht meins,
wenn ich im Schönen
ertrinken könnte,
ach, ich weiß es ja,
es ist unmöglich,
und ich muss dieses Los wohl tragen.
Denn dass das Schöne besser wäre,
ich weiß es sicher. Es
ist so klar, dass eine bessre Welt
gewisslich möglich ist,
doch eine gute?

Nein, nein!
Ich will es glauben,
dass wir in bessren Zeiten
leben könnten
und es schon tun,
wenn ich Vergangenheit,
Geschichte recht verstehe:

Sie lehrt uns doch,
dass wir es besser haben heute,
doch wohl nicht gut genug.

So muss ich leider
um das Bessre kämpfen,
mit feingeschliffnen Waffen wohl,
die niemanden verletzen
und erst recht die Frauen nicht.
Sie mussten ja jahrhundert-
tausend-lang noch mehr erdulden
als wir Männer.

Uns sei das sogenannte Gute
noch lange
nicht gut genug.
Darum vernehme
ich gerne dieses Weh,
das sich mir einschleicht,
wenn ich merke:

Das wirklich Gute
können wir nicht wirken,
das Bessere jedoch
das lass uns fördern!

„Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt“

Als das Theodor Fontane 1859 schrieb,
dachte er natürlich nicht
an das Desaster Amerikas
und seiner Untergebenen
in Afghanistan 2021: noch nicht:

„Die hören sollen,
die hören nicht mehr.
Vernichtet ist das ganze Heer.
Mit dreizehntausend der Zug begann.
Einer kam heim aus Afghanistan.“

Doch „der Freitag“ vom 19. August 2021
schreibt über die „westlichen“ Eroberer:
„Sie beschwören die Menschenrechte
und verüben Verbrechen
gegen die Menschlichkeit.“
Ist das nicht schlimmer?

Hört heute man endlich
„auf Fontanes britischen Reitersmann“:
„Bringe Botschaft aus Afghanistan“?

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