Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Weitere Chance(n)

Erste Chance vertan?
Kommen jetzt nicht die Außenminister dran,
sondern Putin und Serenskyj?
Die zweite Chance
muss jedenfalls
genützt werden.
Wer auch immer.
Wann auch immer.
Rasch jedenfalls!

Hilflosigkeit

Weiß Putin, was er tut?
Kann ein Despot das wirklich?
Wir wissen, dass wir machtlos sind
angesichts der Atomwaffen in Russland.
Wir können nur Flüchtlinge
aus der Ukraine aufnehmen.
Und Waffenhilfe leisten.
Und dieses mit schlechtem Gewissen.
Was soll nun werden?

Ukraine 2022

Wer immer nur
„der andre muss sich zurückziehen“ ruft
und nie
„ich selber muss endlich mich bewegen“,
der ruft zum Sterben.

Am besten wäre es,
wenn beide sich die Hände reichten
und beide sagten: „ich habe nur teilweise Recht“.

Dann wäre Frieden noch möglich.
Aber doch vielleicht auch, wenn es nacheinander käme.

Treffen*

Spaziergang bei schönstem Wetter.
Wir trafen einen jungen Mann, der
las Müll vom Boden auf und meinte: „Prima,

wieder Geld gespart fürs Fitness-Studio.“
Er meinte die kostenlosen Kniebeugen.

*ein Janka

Strahlend

Strahlend blauer Himmel heute.
Die Sonne scheint wie unverdienter Lohn.
Das Haus im Westen ganz in Licht getaucht.
Nur ganz, ganz unten Schatten unseres Kamins
am ockerfarbenen und leuchtenden
Sockel des Gebäudes.

Nur wenig länger
als eine Woche nach dem Imbolctag
ist nun schon fast
Frühling uns gegönnt.

Ich jauchze laut!
Kaum kann ich es fassen,
versinke voller Staunen
in dem Blau
und falte meine Hände
wie im Gebet.

Imbolc

So wie im Bauch der Mutter Erde
alles auf das kommende Wachstum
vorbereitet ist,
so soll es sein in dir!
Das Licht leuchtet schon so hell!
Wir sind schon in fester Erwartung
des erwachenden Lebens!

Die Göttin Brigid, die weise Göttin
rufen wir an, sie,
die Garantin des Wachstums,
das wir erleben.

Das Bannockbrot können wir backen.
Räuchern können wir.
Licht machen überall.
Aber nur kurz.

Glücklichsein gelingt wunderbar!
Es ist Imbolc.
Die Christen nannten es dann
Lichtmess.

Erfreuliches

Wie wunderbar!
Sehr erfreulich!
Oder: Wie schön!

Das Wetter?
Das Essen?
Begegnungen?

Nicht besonders!
Alles, was mich freut!
Überraschungen.
Etwas besonders Feines.
Eine lange ersehnte Post.
Etwas, zu dem ich sage: Wow!

Ach, wie ich mich danach sehne!
Auch schöne Tage,
mit schönem Wetter,
mit blauem Himmel.

Ein unerwarteter Kuss
meiner Liebsten.
Ein Wohlgefühl
besonderer Art.

Ein Brief, der mich packt.
Eben etwas Erfreuliches,
etwas, was jeden Tag passieren könnte,
oder auch nicht.

Ach, und etwas, woran
ich mich gerne erinnere.
Kleinigkeiten, wenig erwartet.
Große Feste, fröhlich mitgefeiert.

Etwas Erfreuliches eben.

Räume

Moscheen und Kirchen,
außen und innen,
Marktplätze,
intime Innenhöfe
mit Säulenschmuck
und schönen Bögen.

Räume.
Platz zum Treffen.
Platz zum Verweilen,
zum Meditieren.

Räume für Menschen,
für Gläubige und Nichtgläubige,
Räume sich zusammenzufinden,
Räume, um dort einfach zu sein,
zu atmen, zu staunen,
sich finden im Überirdischen
und sei es mitten im Leben.

Schöne Räume.
Große Räume.
Schmale Gassen,
kleine Plätze.
Und bitte nicht

kommerziell!

Ich träume

Ich träume schon

vom Blütenschmuck

in unserem Gärtchen.

„/“

Von Rosen, rot und gelb,

von Lilien, prächtig violett,

von Schneeglöckchen

und Märzenbechern,

vom Dost, der Bienenweide,

von Alpenveilchen wie im Gebirge,

von allem Möglichen

und – wie ich hoffe:

Unmöglichen.

Ich träume

jetzt im Januar.

„/“

Denn schon seh‘ ich

die weißen Spitzen

der Märzenbecher

herausragen

zwischen dem abgefallenen Laub,

das langsam zerfällt

in Humus.

„/“

Ich träume.

Und das ist das Leben

im Winter.





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