Lyrisches von Helmut Maier

Monat: September 2017 (Seite 1 von 2)

Vermählung von Himmel und Erde

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Vermählung von Himmel und Erde.
Ein Sein und ein ewiges Werde.
Wolken wachsen, gedeihn.
Regen fällt, wässert Blumen so fein.
Sonne scheint; Wasserdampf steigt empor.
Vogelgezwitscher dringt wohlig ins Ohr.
Blätter, die fielen, modern still vor sich hin.
Alles, was war, erfüllt seinen Sinn.
Schösslinge: sie durchdringen das Feld.
Geben und Nehmen lässt bestehen die Welt.

Zum Teil lyrisches Review meiner Englandreise in den Lake District

I. Brügge

Vom Weltkulturerbe Brügge
ging der Weg über die Esslinger Brücke
einst zum Kaiser in Wien
(da musste man hin:
der nahm Waren an zur Genügge).

Dieser Limerick führt zur Chronologie meiner Englandreise – nicht zur Reise von Brügge nach Osten, sondern aus dem Kreis Esslingen n a c h Brügge, der Weltkulturerbestadt, wo wir Station machten vor dem letzten Stück Reise auf dem ‚Kontinent‘ nach Zeebrügge, wo unsere Nachtfähre nach Hull ablegte, wo wir ausgeschlafen am nächsten Morgen ankamen.

II. Kingston upon Hull

Englisches Frühstück, ne Sache,
die hoffentlich keiner verlache:
für mich Paradies!
(andre finden es fies;
da ist’s niemandes Pflicht, dass er’s mache.)

Praise be his bravery;
He did not stop
doing what had to be done.
Oh such a man –like him I really know none
succeeding to abolish slavery.

Wenigstens englisch radebrechend musste ich eine Form finden, seine Einmaligkeit gebührend zu würdigen: William Wilberforce, der große Sohn von Hull.

Unbedingt wollte ich vor unserer Weiterreise sein Geburts- und Wohnhaus aufsuchen in einer Gegend, wo es eine Wilberforce Universität, einen Wilberforce Court, ein Wilberforce Institute for the study of slavery and emancipation, einen Wilberforce Dreive und zwei Denkmäler für ihn mit jeweils einer Statue von ihm gab – eines bei seinem Geburtshaus.

III. Flamborough

Erwähnt werden soll so zwischendurch, dass wir von Hull aus zuerst nahe bei den Klippen von Bempton auf der Wold Farm bei Flamborough campierten und dort die Gannets kennengelernt haben: Vögel, die besonders hier in großer Zahl nisten: Vögel, die im Erwachsenenstadium eine Flügelweite von fast 2 Metern erreichen können. Für die Puffins (Papageientaucher) waren wir zu spät dran im Jahr.

https://www.maierlyrik.de/blog/wp-login.php?action=logout&_wpnonce=0b637829f7

IV. Haworth

Dichterinnen (ein Janka) [Siehe: https://www.maierlyrik.de/blog/der-janka/]

Schon mal von Haworth was gehört,
vom dichtenden Schwesternterzett gar
aus dem erst halben vorletzten Jahrhundert?

Dichten war damals wohl ganz in der Regel
Frauensache noch nicht; doch bei den Brontes!

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Allerdings veröffentlichten sie, Charlotte Brontë, Emily Brontë und Anne Brontë, ihre Werke zuerst unter männlichen Pseudonymen. Wir besuchten das Haus, in dem sie den größten Teil ihres Lebens verbrachten: in dem damaligen Pfarrhaus in Haworth in Yorkshire (ihr Vater war dort Pfarrer).

Emily Brontë veröffentlichte als einzige einen meines Wissens bisher in Deutschland wirklich bekannt gewordenen Roman: Wuthering Heights (Sturmhöhe).

Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschwister_Brontë

V. Cumbland Farm

Nach dem Haworth-Besuch kamen wir noch am selben Tag im Lake District an: auf dem Campingplatz der Cumbland-Farm ganz im Westen des Lake Districts und besuchten dort Ravenglass mit seiner Küste und einem antiken römischen Badehaus und auch das Wastwater – unseren ersten See des Lake Districts. Auf der Cumbland-Farm waren wir übrigens praktisch in Sichtweite von SELLAFIELD (Das bemerkten wir erst spät – huhu!!!)

VI. Mitten im Lake District

Lake District

In ehrfurchtsvoller Erwartung
hab ich das Land bereist,
in dem das Dichten blühte:
das Wordsworth-Land.

Empfangen hat es mich
rings um die Seen
mit allen Tönen
der Grünpalette,
mit Einsprengseln
von Felsengrau und braunen Pflanzenresten
und auch mit einer Überfülle
von Blumengärten,
die in die wilde Natur
wie selbstverständlich überschwappen
in Cumbria.

Plain living und high thinking
umfingen in Dove Cottage mich
und leise Schauer des Erstaunens
über das edle Zuhause
des Dichterfürsten durchfuhren mich
im Rydal Mount.

Victoria

Tausend Grashalme im Blick.
Jeder trägt noch Wassertropfen
vom letzten Regen auf sich.
Sie vereinen sich zu einem Funkelgewirr.
Sich drein zu verlieren laden sie ein:
Einzutauchen in eines
der zum Phänomen kristallisierten
eigenartig fremden Kosmos-Ereignisse
ist unausweichlich geworden.
Die Bronte-Schwestern lassen grüßen.

Lyriküberlegungen beim Grasmere und Rydal Water

Fahrrad und Fels,
Glockenblumen, fest verwurzelt,
Wolken, die ziehen:

Solches ins Gedicht zu heben.
lieber Dichter,
würde gerne dir Wordsworth erlauben
(er stand ja im Austausch mit manchem).
Gut heißen würde er es,
sich freuen,
dieses Alltägliche erhaben zu sehen
(hier sage ich nicht nur „erhoben“).

Beim Auto, das die Täler
erfüllt mit Dauerlärm,
wäre das wohl etwas Andres.
Zum einfachen Leben gehörend
(plain living)
würde er es
wohl nicht gelten lassen –
nimmer! –
(wenn er es kennen würde heute;
der Eisenbahn stand er dann später ja
sehr kritisch gegenüber:
„Gibt es denn keinen Winkel mehr
in diesem Land, der sicher ist
vor unbedachten Übergriffen?“*)

High thinking war für ihn was andres;
auch dann noch, als er Herr war
über Rydal Mount.

Urlaubssplitter

Der Himmel über Cumbria:
Nebel schickt er herab,
das Treiben hier unten
zu erkunden.

Mal zeigt er sich blau bepunktet,
lässt endlich die Sonne hindurch,
durch ziehende Wolken und
meint es dieses Mal nicht schlimm,
auch wenn er Regen schüttet
auf die Grünpalette,
den Boden aufweicht,
so dass die Wohnwagen
und die Campingbusse
im Morast versinken müssten,
ließen vorsichtige Farmer
auf ihren Campingplätzen sie zu.
Wenn der Traktor stark genug ist,
kann er den einen oder andren
ja herausziehen
aus dem Schlamm-massel.

Was aber wäre Cumbria
(das ‚u‘ spricht man als ‚u‘ hier)
ohne Tourismus?
Ein abgelegener Ort,
wo ein Wordsworth
die reine Natur emporheben könnte
zu metaphysischen Höhen?

Lake?

Einen einzigen Lake gibt es,
jedenfalls bestimmt im Lake District:
Wir haben ihn nur von der Ferne gesehn:

Bassenthwaite Lake heißt er (einst Bassenwater 😀 ) .
Die andern heißen Mere, Water oder Tarn.

*ein Janka

Im Lake District

Die Seen hatten’s uns angetan:
Wastwater, Derwentwater, Ullswater,
Elterwater und Loughrigg Tarn,
Windermere, Thirlmere.
Grasmere und Rydalwater.
Neun nur von rund tausend.

Sie und/oder ihr Umland
haben wir erfahren,
auch im uralten Sinn.
Befahren haben wir
mit dem Schiff das Ullswater.
Erwandert haben wir einiges.
Den Grasmere und das Rydal Water
haben wir auf den Spuren
von William Wordsworth
umrundet.

Wir waren
im Lake District.

Ein Herbst*

Ein Herbst macht sich bereits bereit,
ein neuer deutscher Herbst. Es schwindet
der Röslein Rot, der Armen Brot, was sonst noch?

Ach, die Zuversicht, dass heil wir übersteh’n
die Kälte, welche den Winter in sich trägt.

*ein Janka

Trauer muss dies‘ Deutschland tragen …

Trauer muss dies‘ Deutschland tragen.
Oh, viel zu viel ist zu beklagen:
Regieren wird mehr als bisher,
wem die Gerechtigkeit fällt schwer,
ja, wem sie unnötig in diesen Tagen
erscheint, wo Egoismus flutscht,
wo Werte sind nach rechts verrutscht.
Wird das denn wirklich reparierbar sein?
Wird Trauer weichen schönem Schein?

Oder ist Trauer eine Kraft,
die stets an Schlimmes denkt
und dann das Gute schafft?
Lässt Jubel übermütig werden
und faul? Ach, dass die Trauer Kräfte schenkt
und Möglichkeiten zeigt auf dieser Erden,
das möge sein, es möge uns gelingen
als Glück für alle, ja, auch die Geringen.

Angst vor der Angst? (Kommentargedicht zu Barbaras „Morgengespräch“*)

Lass mich mal für die Angst Partei ergreifen:
Wie sollen wir die Welt begreifen,
wenn wir in alles nur reinstolpern?
Den wicht’gen Warner übersehn,
uns nur erschrecken vor dem Holpern
und ungewarnt nur weitergehn?
Die Panik, ja die soll’n wir meiden,
die lähmt uns nur, hindert das Denken.
Nein, wohl vertrauen wollen wir bescheiden
auf die Vernunft, die soll uns lenken,
soll unsrem Leben Würze schenken
genug, jedoch nicht gar zu viel.
Nicht Unfug soll das Leben sein, nein: Spiel!

*Siehe https://silberperlen.wordpress.com/2017/09/15/morgengespraech/

Den Titel gibt’s als Merksatz erst am Schluss

Hast du zehn Schwarze getroffen
hier im schwäbischen Städtchen Stuttgart?
Sind nicht sieben davon Überlebende?

Kaum fünfzig Demonstrant*innen waren da*,
gegen die Kriminalisierung
der Seenotretter jener sieben
einzutreten.

Es gibt ein Flüchtlingsproblem, jawoll!
Das der Flüchtlinge …

Merke:
Seenotrettung ist kein Verbrechen.

*Die Polizist*innen habe ich nicht mitgezählt

Urlaubssplitter

Der Himmel über Cumbria:
Nebel schickt er herab,
das Treiben hier unten
zu erkunden.

Mal zeigt er sich blau bepunktet,
lässt endlich die Sonne hindurch,
durch ziehende Wolken und
meint es dieses Mal nicht schlimm,
auch wenn er Regen schüttet
auf die Grünpalette,
den Boden aufweicht,
so dass die Wohnwagen
und die Campingbusse
im Morast versinken müssten,
ließen vorsichtige Farmer
auf ihren Campingplätzen sie zu.
Wenn der Traktor stark genug ist,
kann er den einen oder andren
ja herausziehen
aus dem Schlamm-massel.

Was aber wäre Cumbria
(das ‚u‘ spricht man als ‚u‘ hier)
ohne Tourismus?
Ein abgelegener Ort,
wo ein Wordsworth
die reine Natur emporheben könnte
zu metaphysischen Höhen?

Lyriküberlegungen beim Grasmere und Rydal Water

Fahrrad und Fels,
Glockenblumen, fest verwurzelt,
Wolken, die ziehen:

Solches ins Gedicht zu heben.
lieber Dichter,
würde gerne dir Wordsworth erlauben
(er stand ja im Austausch mit manchem).
Gut heißen würde er es,
sich freuen,
dieses Alltägliche erhaben zu sehen
(hier sage ich nicht nur „erhoben“).

Beim Auto, das die Täler
erfüllt mit Dauerlärm,
wäre das wohl etwas Andres.
Zum einfachen Leben gehörend
(plain living)
würde er es
wohl nicht gelten lassen –
nimmer! –
(wenn er es kennen würde heute;
der Eisenbahn stand er dann später ja
sehr kritisch gegenüber:
„Gibt es denn keinen Winkel mehr
in diesem Land, der sicher ist
vor unbedachten Übergriffen?“*)

High thinking war für ihn was andres;
auch dann noch, als er Herr war
über Rydal Mount.

*William Wordsworth Die Kendal- und Windermere-Eisenbahn Zwei Briefe Reprint aus der Morning Post, nachgesehen und ergänzt KENDAL: gedruckt von Branthwaite und Sohn [1844] ins Deutsche übertragen von Dietrich H. Fischer1 1995 Hier: Sonett über die geplante Kendal-Windermere-Eisenbahn
(https://william-wordsworth.de/pdfs/MorningPostLetters.pdf) !

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