Lyrisches von Helmut Maier

Tag: 20. Dezember 2018

Jesus

König mag ich dich gar nicht nennen,
oh Jesus,
auch wenn dich Bach so
so wunderbar preist,
dass ich zerschmelze.

Aber ich preise dich damit,
dass ich dich niemals
zum Establishment
irgend einer Zeit rechne,
zu denen da oben
(ich meine nicht: im Himmel,
nicht einmal metaphorisch;
dafür ist er mir oft zu blau
oder ersehnt als Wasserspender
genauso wie der Platz
für wundervollen Sonnenschein,
für trauliche Sterne).

Ich bin ja kein Monarchist,
bin Republikaner
der besseren Sorte,
bin Demokrat,
Freund der Freiheitskämpfer
mit deinen Waffen:
Gewaltfreiheit und Liebe:
leidend tausendmal eher
als daherkommend im Pomp
und in Rechthaberei.

Die Kirchen,
die sie dir bauten,
sie sind mir zu herrschaftlich
meistens
in althergebrachter
Tradition,
so wie die Gebete dort,
die dich preisen als Herr,
weit mehr als als Freund.

Und doch schmelze ich dahin,
wenn Bach dich preist,
wenn Kinderaugen glänzen,
wenn sie im Christbaumglanz
gedenken deiner Geburt.
Und wahrlich, dass du geboren wurdest,
nicht für Machterhalt steht das,
nicht für sich von allem andern
abgrenzende Identität,
nicht für Recht, das Privilegium heißt;
wenn sie das lernen, die Kinder,
von deiner Lehre,
und nicht sie alleine,
dann liebe ich dich
gerne mit ihnen.
Selig sind sie dann,
sie und deine Jüngerinnen
und Jünger.

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