Lyrisches von Helmut Maier

Monat: August 2009 (Seite 1 von 2)

Essenz des Handels

Eines hat was.
Das hat was.
Es hat was Eignes.
Es lohnt die Fracht.
Gib acht!
Ballast so viel,
wie es braucht.
Es kommt an,
solange alles
im Gleichgewicht ruht.
Dann kommt’s voran.
Dann kommt es an.
Eines hat’s dann.
Es ist sein Eignes.
Handel
und keine Händel.
Frachtgut,
ein Gut,
das was hat.

Und aus lauter Haben
wird Sein.

Aphorismus 13/09

Wenn eines Ballast abwerfen will, sollte es sich vorher fragen, ob es ihn nicht doch noch zur Sicherung des Gleichgewichts braucht.

(Zur Erklärung siehe Wikipedia: „Als Ballast wird in der Seefahrt eine schwere, aber so gut wie wertlose Ladung bezeichnet, die zur Stabilität des Schiffes beitragen soll, wenn das eigentliche Frachtgut zu leicht ist“: https://de.wikipedia.org/wiki/Ballast )

… angeregt durch das Gedicht ‚Loslassen …‘ von Curt (manacur)

ZFD – eine unbekannte Abkürzung?

Die taz („die tageszeitung“) macht heute die Titelseite auf mit folgender Überschrift:

„So kann Frieden klappen“.

Im Untertitel sagt sie: „Deutschland entdeckt die friedensorientierte Außenpolitik neu: Ziviler Friedensdienst feiert Jubiläum. Ministerin Wieczorek-Zeul: ‚Die kostengünstigste Sicherheitspolitik‘ “

Dominic Johnson kommentiert (ebenfalls auf Seite 1), dass der Zivile Friedensdienst seine Arbeit eigentlich im November 1999 aufgenommen habe, womit der 10. Jahrestag unpraktischerweise auf den Totensonntag fallen würde. Außerdem sei gut möglich, dass bis dahin eine neue Bundesregierung amtiere, welche die Zukunft sinnvoller Ansätze wie des Zivilen Friedensdienstes gefährde. Daher die Vorverlegung. „Aber es ist nicht falsch, mit guter Entwicklungspolitik Wahlkampf zu machen„, fügt er hinzu.

Siehe auch: https://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/gewaltfreiheit-kann-man-lernen/

Remstal-Szenerie

Schon sind die sommergrünen Reben
mit reichem Traubenschmuck behangen.
Oh, welche Süße
versprechen sie für gar nicht ferne Zeiten.

In früheren Weingärten
prangen Birnen.
Der Saft scheint fast
die glatte Haut zu sprengen.
Noch brauchen sie jedoch
genügend Reifung,
die von dem blauen Dach
des Erdenrundes träuft.

Noch weiter unten winden
die Apfelbäume einen Kranz
um diesen Ort,
der von dem Zeugnis Avalons
im Frieden träumt.

Am Waldrand, ach,
wie soll ich’s deuten,
da blühen schon
im traumverlornen Gras
die Herbstzeitlosen,
dankerfüllt für einen
erquickend hier gespendeten
und mir auch wohl willkomm’nen
Schatten.

Glücksklee

Gern geh ich da hin
Vierblättrigen Klee
Find ich da immer früher
War es ein ganzer Acker
Voll verändert die Gene
Verwunschen das Glück
Auch in dem Ackerrandstreifen
Von heute wird nichts andres
Erwartet als Hoffnung aufs Hoffen
Und Bangen lässt leicht sich dort
Liegen lassen im Vorbeigehn

Sonnenstrahl auf den Grenzwegen

Sind nicht gar zu scharf
die Grenzen
und zu dicht
nicht die Fronten,
können Grenzwege entstehen
und Möglichkeiten
des Austauschs.
Auf,
franst sie aus,
ihre Ränder,
diffundiert durch sie hindurch
mit Freude,
mit Liebe,
mit Hoffnung.
Und die Grenzen
werden
euch zu trennen
nicht mehr vermögen.
Aber vergeßt auch dann nicht
das Einzige,
was Grenzen wirklich
Gutes uns gaben:
Orientierung.
Merkt euch genau:
Aus welchem Osten
kam euch
das Licht?

Anmerkung: Ich habe die Rechtschreibung so belassen, wie sie zur Zeit der Entstehung dieses Gedichts gültig war.

Umfrage*

Wie ich mich freue:
Es gibt noch die Treue,
die Treue zum Leben.
Ich seh’s an der Sorge
der Jugend von heute:
Was von der Natur man sich borge
und zurück geben müsse,
darüber sorgen sich junge Leute.

Die Armut in der Welt kümmert sie,
nicht gegen Terrorismus der Kampf,
nicht des nach immer mehr Geld Strebens Idiotie.
Das an der vorderen Stelle zu sehn
sei doch Krampf.

Zerstörung der Lebensgrundlagen
der Menschen der Welt
fürchten sie zu meinem Behagen
genau wie das schreckliche Rennen nach Geld.

Umfragen, die dieses belegen,
lese ich gerne.
Schimpfen über die Jugend
ist da ganz ferne.

*Siehe Artikel „Sorge um den Zustand der Erde“ in der Esslinger Zeitung vom 15.8.09 (verkürzt wiedergegeben hier: https://www.ez-online.de/kinderleicht/Artikel456726.cfm )

Havel

August, Zeit des Wartens.
August, Verharren im Schatten des Gartens.
August, Dinge entwickeln sich.
August, Dinge für dich und mich.
August, 1789: der Text entsteht: Menschen- und Bürgerrechte.
August, 1989: Havel weiß: Wofür er steht, ist das Echte.

Was Havel 1989 im August noch nicht wusste, war, ob er den ihm bereits zuerkannten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Oktober auch würde in Frankfurt entgegennehmen können. Tatsächlich wurde ihm die Ausreise dazu dann nicht gestattet. In der Samtenen Revolution im November und Dezember 1989 wurde der Dissident Havel aber dann sogar Präsident der von der Diktatur befreiten Tschechoslowakei (und später – nach der Trennung der Slowakei und Tschechiens – der erste Präsident der Tschechischen Republik.

Siehe auch: https://www.zeit.de/1989/25/Der-Stachel

« Ältere Beiträge

© 2020 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑