Lyrisches von Helmut Maier

Monat: Mai 2010 (Seite 1 von 2)

Bundespräsident Köhler ist zurückgetreten

Ein Befürworter der militärischen Absicherung deutscher wirtschaftlicher Interessen ist zurückgetreten.

Ob er das getan hat, weil er dafür kritisiert worden ist, das gesagt zu haben – oder weil er das eigentlich nicht ganz so deutlich gesagt haben wollte:
das bleibt anscheinend offen.

Ich sage: Krieg ist nicht das Mittel für den Notfall. Krieg ist ein immer schrecklicher Notfall, der verhindert werden muss.

Siehe https://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE64U0EF20100531
und Paul Spingers Kommentargedicht.

Deutsches Stirb-und-werde – aus älterem Archiv von 2005

Seliges Sitzfleisch des Wartens.
Wer sind wir doch wieder!
Sind wir nicht von selber Geburt
wie die durch unsere Ahnen
Gedemütigten, Ermordeten?
Wie deren überlebenden Enkel?
Sitzen wir nicht im gleichen Boot
mit allen Menschen des Globus?

Das Glück der Schuldlosigkeit
holen die Hündchenhalter verhohlen
vom Baum des Vergessens.

Wessen Hündchen sind wir
und heulen dem neuerdings doch
verloren gegangenen Wohlergehen hinterher
und tanzen im Zirkus der gleichen
neuen Chancen?

Die weltweite Pest
des Gewinn-Glücks
reitet mit heiligmäßigem Harnisch:
Zwangsbruderschaft der Armen
mit den edlen Rittern
des Zinsertrags.

Den hellen Sammetpfötchen
der dunklen Tannenzweige
vergleichen wir unser Heute lieber
als mit dem Rauch der Vergasungsöfen:
Er kommt von selber,
der weltweite Wohlstand
nach der europäischen Seuche.

Naturgesetze machen wir
schon zu unsern Komplizen
und weggeworfene Scham
ist ja der Humus
des Baums des Vergessens.

Kühler Mai

Kühler Mai
über alle Maßen da
heuer gar nicht angenehm
leider wirklich ungeheuer
er verstört uns fast die Seele
raubt die Freude, trübt das Heil.
Macht jedoch, wie ich es seh,
alles wett mit ah und ü
in der grünen Fülle Druck.


(Zusätzliches) Rätsel: Wo hat sich die altsteinzeitliche „4“ verborgen?

(Ich bitte diesbezüglich um Kommentare ohne direkte Angabe der Lösung des Rätsels, sondern nur mit Hinweisen)
Ab jetzt (29.5. um 17.40) ist auch die genaue Lösung willkommen!
(Falls die nicht kommt, gibt’s die morgen von mir)

And the WINNER is: … BRIGITTE! Ja, die Lösung, die sie gibt, stimmt:
„dass man den Begriff ‚kühler Mai‘ insgeamt 4 mal zu lesen bekommt“: nämlich in der Überschrift, dann in der ersten Zeile und schließlich „vorne von oben nach unten und hinten von unten nach oben“.
Schon altsteinzeitlich ist die „4“, obwohl die Wissenschaft nicht unbedingt davon ausgeht, dass man in der Altsteinzeit schon auf drei oder sogar auf mehr zählen konnte (bildlich gesprochen) und das auch noch schriftlich!
Wenn man übrigens den Titel weglässt, ergibt sich die „3“.
Somit sind die altsteinzeitlich ‚modernen‘ Begriffe von „3“ und von „4“ für Zeit und Raum in meinem Gedicht so miteinander kombiniert wie oft in den Ritzungen in der Ile-de-France.

Dreieck-Viereck1

Dreieck-Viereck2

Das Sein

Ich lege mich
in die Zeit.
Monde wechseln.
Fülle des Lichts
wächst und vergeht,
Licht der Wahrheit,
Klarheit des Wissens.

Ich lege mich
in den Raum.
Im Solarplexus
kreuzen sich
die Linien der Diagonalen
zwischen Händen und Füßen.
Sein und Bestehen.
Stehen im Seienden.

Ich stehe wieder
vor Neuem.
Ich träume Erlebtes
Und ich schweige
vor Erschauern
und Wonne.
im Sein.

Wiedergeburt

Ich zwänge mich
in die Höhlung,
krieche mit Vorsicht.
Nur nichts verletzen
von den Zeichen am Boden.
Und doch schreite ich
durch den Trilith
im Gedenken an maltesische Tempel.
Ich schwebe
in Emphase und Empathie.
Auftun sich Welten
des Werdens,
des Wachsens.
Wirklichkeit wirkt
und Wahrheit umscheint mich
und Hoffnung und Freude
aufs verlässliche Leben.
Und die ersehnte Sonne
erblickt mich
nach dem Verlassen
der Felskälte.
Wiedergeburt.

Annäherung an die Gedankenwelt des Paläolithikums

Eins ist der Kosmos.
Zweigeteilt ist das Eine
in oben und unten.
Das Oben gebiert Mond um Mond
und um Mond.
Unten im Menschengeviert
findet der unendliche Raum sich
in Grenzen.
Vielgestaltige Grenzen
ergeben Leitern des Strebens.
Doch im Wechsel der Monde
finden die Menschen zusammen
in Paaren
wie das Ew’ge in eins mit dem
unendlichen Raum.
Gebären und Leben.
Leben und immer wiederkehrende
Ruhe.
Vielzahl der Dreien und Vieren,
vervielfacht multipel
und addiert in Gemeinsames
baut die Kultur.
Natürliches Ruhen
und Gebautes vereinen
in gigantischen Werken,
in hilfreichen Statuten,
in Menschenleben
und –streben:
aufgegeben ist es den Menschen:
dieses Geschenk.

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