Lyrisches von Helmut Maier

Monat: Februar 2015 (Seite 1 von 2)

Aphorismus 6/15

Vaclav Havel soll gesagt haben: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Ich würde das lieber so formulieren:

Hoffnung wird nicht von der Überzeugung getragen, dass etwas gut ausgeht, sondern von der Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Avalon erobern

Wenn wir versuchen
zu erobern Avalon,
verschwindet es in dunklen Schatten,
obwohl es Äpfel körbeweise
vorauswarf, um uns anzulocken.

Auf Urlaubsreise
mit hundert Sachen
oder auch mehr:
Das Brausen auf der Autobahn;
es fällt uns keinesfalls schwer.
Es stinkt der Auspuff
und wir atmen schwer.
Wir kommen von dort
und wollen hierher.

Wenn wir versuchen
zu erobern Avalon,
verschwindet es in dunklen Schatten,
obwohl es Äpfel körbeweise
vorauswarf, um uns anzulocken.

Schalom, pace, mir, frieden und mehr;
wir rüsten auf, genug, nicht zu sehr.
Vielleicht erreichen wir ihn irgendwann.
Wir lassen’s uns auch was kosten;
es kommt ja drauf an:
Nicht locker lassen,
das ist die Devise:
Menschenrechte, dass ein jedes
sie wirklich genieße.

Wenn wir versuchen
zu erobern Avalon,
verschwindet es in dunklen Schatten,
obwohl es Äpfel körbeweise
vorauswarf, um uns anzulocken.

Wir halten zurück uns
beim Steigern der Löhne,
dass im Süden Europas
man sich auch dran gewöhne:
Hart arbeiten muss doch,
man kann’s nicht gnug sagen,
ein jedes; man muss sich halt plagen,;
sonst verdienen noch nicht genug
die Konzerne; die geben uns was
und das willig und gerne:
noch Arbeit, solang die Maschinen
diese noch nicht tun und uns nicht
ersetzen; auf, spuckt in die Hände
und ja nicht bloß schwätzen.

Wenn wir versuchen
zu erobern Avalon,
verschwindet es in dunklen Schatten,
obwohl es Äpfel körbeweise
vorauswarf, um uns anzulocken.

Wir lieben das Leben,
soweit es halt geht;
Wir lieben einander
und früh und auch spät
erwarten wir schon,
wir kriegen den Lohn
für Leistung, die alle
zu bringen bereit.
Wir sind doch die Besten
und das weit und breit.

Wenn wir versuchen
zu erobern Avalon,
verschwindet es in dunklen Schatten,
obwohl es Äpfel körbeweise
vorauswarf, um uns anzulocken.

Mit Drohnen und Bomben
verteidigen wir,
was uns eben zusteht;
dafür sind wir hier;
Wir verteidigen das
solidarisch mit denen,
die uns lieben und ehren,
wonach wir uns sehnen,
gewiss auch bei diesen.
Sie sollen die Freundschaft
mit uns auch genießen.

Wenn wir versuchen
zu erobern Avalon,
verschwindet es in dunklen Schatten,
obwohl es Äpfel körbeweise
vorauswarf, um uns anzulocken.

Siehe auch den wunderschönen Dreizeiler von Petros dazu: https://blogpoesie.de/?p=39196 – oder hier in den Kommentaren

Noch einmal: Der Ipf

Aktiv gegen Stuttgart 21

Der Ipf: Hoch erhebt sich der Berg.
Tief hinein in Geschichte führt er.
Dorthin, wo griechische Importe galten

zur Keltenzeit. Zu den Keltoi
unterwegs waren die griechischen Händler.

Den Namen, den sie ihnen gaben,
nur kennen wir heute, sonst keinen.

Hoch erhebt sich der Berg. Und so
tief führen Brunnenschächte hinab,
überlebenswichtige einst in Gefahr.

Tiefer hinein in die Vorzeit
führt uns wohl der Anstieg zum Gipfel:
hinein in die frühe Zeit schon der Gleichheit?

Wohl die Lindenallee hinauf
zieht’s uns zur Urzeit unsrer Kultur:

An Wacholderhängen vorbei
zur Aura der früheren Äcker
und der Weiden erster sesshafter Menschen.

Oh, erste sesshafte Menschen
auch in unsrem Land. Welcher Anteil
der Donauzivilisation war ihrer?

Aphorismus 4/15

Der Segen, den ein Menschenleben stiftet, wird nicht ins Grab gelegt, er wirkt auf spürbare Weise weiter.

(modifiziert nach einem Satz in der Predigt zu Galater 5 von Martin Kruse beim Trauergottesdienst für Richard von Weizsäcker)

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