Lyrisches von Helmut Maier

Monat: September 2018

Wetterbericht

In Stuttgart gleiche Temperaturen
wie in St. Peter- Ording
oder in Chemnitz.
Nicht aber
die gleiche gesellschaftliche
Hitze.

Überhebliche Demokratiefreude
am einen Ort
ängstliche Demokratiefreunde
am andern.
Und Alltag im dritten.

Demonstriert wird
gegen das Abgehängtsein
wie gegen Rassismus,
genährt durch Überforderung
und schreiende Angst.

Ängste vor der Zukunft,
gerechtfertigt oder auch nicht,
bringen Ängste hervor
um Identität
als Demokraten
oder heimatlos gewordene
Verlierer.

Verloren ist leider
bei vielen
die Zuversicht,
dass sich wirklich
was ändern lässt.
Ohne Mottenfängern
auf den Leim zu gehen.

Die Sehnsucht nach dem Regenbogen

Die Sehnsucht nach dem Regenbogen:
Sonne und Regen mögen sich vertragen.
Ich bin dem Regenwetter nicht gewogen.
Die Dauer-Hitze kann ich nicht ertragen.

Wie kann ein jedes ganz in Maßen
und jeweil zu der rechten Zeit sich finden?
Das Paradies, von dem wir lasen,
warum müssen wir darum uns winden?
Unmöglich ist es nicht, so möcht‘ ich glauben.

Perfekt muss nicht einmal es sein.
Ein wenig mehr wird mir schon längst genügen.
Nur ab und zu ein Gläschen Wein.
Mit der Bescheidung kann ich mich begnügen.
Dazwischen ein Likörchen wär nicht schlecht.

Die Angst jagt uns, wir könnten was vermissen,
wenn wir nicht übermäßig können was genießen,
wenn uns nicht mehr als nötig wird gegönnt,
wenn wir nicht stets und immer werden gar verwöhnt.

Je mehr das Geld, das wir erbeutet haben
in Steuerparadiesen hier und da,
sagen die Reichen, die am Überfluss sich laben,
auch Geld erwirtschaftet, fühlen wir sicher uns ja.
Die Armen sollen sehen, wo sie bleiben.

Ich sehn‘ mich nach dem Regenbogen und
dass viele sich danach auch sehnen
und tun der Welt es kund
und handeln beispielhaft danach
zum Wohle auch von jenen,
die nie Gelegenheit bekamen
selbst zu entscheiden, wie sie leben wollen.

© 2020 Maier-Lyrik

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