Lyrisches von Helmut Maier

Monat: Januar 2020

Die Wolkenlücke

Der Himmel lässt eine Wolkenlücke offen.
Heute regnet’s nicht.
Hoffe ich.
Der Wetterbericht ist auch
immer verlässlicher.
Heute regnet’s nicht.

Morgen regnet’s.
Ich kann mich drauf verlassen,
kann mich darauf einstellen.

Aber: der Klimawandel kommt.
Auch darauf kann ich mich verlassen.
Kann ich mich auch
darauf einstellen?
Ich kann ja doch
auch etwas tun.
Aber ist es genug?

Kleine Reimkunde für’s Verstehen von schriftdeutsch sprechenden Schwaben!

Im Schwabenland, da reimt sich zwei
nicht wirklich rein auch auf die Drei [dreii].
Es reimt sich aber auf den Mai;
doch reimt’s gewiss sich nicht auf frei [freii].

Sprach Oma ’schriftdeutsch‘ , war die Freude [fraide]
ein Reimwort auch für alle beide:
für „tu mir bitte nichts zu Leide“
und auch für’s schöne Sommerkleide!

Es reimte sich auch nicht auf Freude
(egal wie ausgesprochen:) Leute [leiide].
Auch was ich gar nicht gerne leide [leiide],
das reimt sich nicht auf alle beide.

Was gibt’s denn da für ein Gejaule […jauule]
(das reimt sich nämlich auf ’ne Faule).
Doch spricht ein Schwabe von sei’m Fraule [fraole],
hat’s die Verkleinerungsform, schau: „le“.

So reimt sich eben grau und blau,
das wissen alle ganz genau,
doch reimt sich das nicht auch auf schlau [schlauu];
ein Reim d e r Sorte wäre rau [rauu].

Es reimt sich Beute auch auf Leute
und so genau schließlich auf heute.

Das Amselnest im Haselstrauch

Im Amselnest im Haselstrauch
da sitzt kein Vogel, liegt kein Ei;
fast ganz da oben sitzt es drin.
Es scheint so völlig ohne Sinn.

So scheint’s im Winter, scheint’s
ist alles Leben eitel;
Doch warte nur ein Weilchen;
vielleicht schon in zwei Monaten
ist’s voller Leben, voller Glück
und Amselschrei und Vogelschreien
sind lange wieder hier zurück!

Dann ist der Haselstrauch schon wieder grün;
noch hängen drei, vier Blätter drin,
die noch vom Sommer träumen
wie Blätter in den Birkenbäumen.

So ist der Wechsel immer noch
und ist kaum anders denkbar.
Noch sind wir sicher, dass es kommt,
das Frühjahr kommt und neue Wonnen.

Wenn Mensch es will und es gelingt,
den Gasgehalt an CO2
zu mäßigen, zu drosseln,
dann mag es gehen, mag’s gelingen,
wir können einzeln nur so wenig tun
und dürfen trotzdem gar nicht ruhn!

Und Greta ist kein Kind, das einfach plappert.
Sie sieht es deutlicher als manche Laffen,
was wird, wenn niemand sich drum schert,
wenn Geiz und Gier uns anderes beschert!

Es schneialat

Es schneialat, es beialat,
es goht a kald’r Wend.
Dass doch d’r Wender au no kommt,
des wenscht sich jedas Kend.

Es schneialat, es beialat,
erscht Mitte Januar.
Doch au da feinschde Wenderschnee
macht Kenderauga klar.

Es schneialat, es beialat,
ond goht’s au wieder weg,
m’r woiß doch emmerhe: s’isch klar:
D’r Wender hot sein Zweck.

Ond isch der Zweck au bloß,
damit er’s isch, der Wender.
Schneit’s au bloß so a bissle,
isch’s fei doch fir dia Kender.

Goldgelb

An der Böschung zwischen
den Drei Linden und Aichelberg
stehen oben noch relativ junge Bäume.

Goldgelbe Flechten haben sich
an ihren Stämmen angesiedelt.

Sie führen mich auf dem oberen Weg
auf dem Fahrrad ihnen entlang
nach Hause.

Unser Aufbau Ost 1993

Hier mal ein gaaaaaaaaaanz altes Gedicht von 1993. Mir schien es wert, uns zu erinnern. Eindrücke von mir bei einer Reise in die „neuen Bundesländer“ damals:

Unser Aufbau Ost 1993

Börsen umkrempeln,
zulangen,
aufbaun:

„Theo führt Regie“
(so das hauswandgroße Zeitungsplakat)
und langt in die Gesäßtasche
einem.

Selbstgemalte
Fähnchen mit Enten
und Autos
in den Fenstern
der Kinderkrippe
mit der alten, grauen Fassade.

Neue Betonpflstersteine
folgen den Getränkemärkten
und Banken.

Die Zeit

Die Zeit ist da!
Die Zeit zum Neuen.
Die Zeit zum Anfang ohne Schwanken.
Die Zeit der Bäume mit den knorrigen Ästen
mit ihrer Grafik, die so herrlich gegen
den blauen Himmel steht.
Die Zeit ist da!

Noch ohne Frucht,
noch ohne Blätter gar,
jedoch mit Zeit,
mit Zeit,
sich alles auszudenken,
was kommen kann,
was unsre Pläne ausmacht,
was nur Zeit braucht,
Zeit der Planung,
Zeit des Festhaltens an knorrigen Ästen,
Zeit, um alles auszudenken,
was kommt, was sicherlich kommt
und gute Früchte endlich bringt.

Die Zeit ist da!
Wir müssen sie nur
nützen!

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