Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — Dezember 10, 2019 @ 2:19

Unbedachtes

Ob ich noch weiß,
was alles ich wollte?
Das ganze Jahr über!

So oft wollte ich
zu den Freitagen
„Fridays for Future“.
Nur zweimal ist es mir gelungen!

Zu den Montagsdemos
für den Kopfbahnhof
in Stuttgart
fuhr ich ziemlich
regelmäßig.

Alle zwei, drei Tage
wollte ich in meinen Blog
Gedichte schreiben.
Oft dauerte es mehr als eine Woche,
dass ich auch nur eines schrieb.

Zu so vielen anderen Demos
und Veranstaltungen
wollte ich gehen
und war zu beschäftigt
oder auch zu müde
mich aufzuraffen.

Manche Bücher,
die darauf warteten,
gelesen zu werden,
blieben weiter im Stapel liegen!

Die Zeitungen
blieben liegen.
Schallplatten blieben
ungehört.
Manches Lesens-
und Hörenswerte
blieb unangetastet.

Meiner Frau
wollte ich so oft
etwas Nettes sagen
und das tägliche Einerlei
ließ es nicht zu!

Gut, ich habe die meisten Tage
das Mittagessen gekocht,
aber meine Frau hat gewaschen,
gebügelt, hat dieses und jenes
erledigt, was zu tun war.
Sie hat geputzt und die
Wohnung schön hergerichtet,
damit es schön war für Gäste.
Und ich habe es einfach so hingenommen.

Und was ich einfach so schreiben wollte.
Fast nichts ist gelungen.
Die Briefe für Verwandtschaft
und die für Freundinnen und Freunde,
alle hat meine Frau geschrieben
und ich habe sie nur mit unterzeichnet.

Ach, so viel wollte ich tun.
Und so wenig ist draus geworden.
Doch vielleicht ist ja meine Lebenszeit
noch nicht zu Ende
und ich kann doch noch das
eine oder das Andere
fertigbringen.
Viel wird es nicht mehr sein.

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — Dezember 5, 2019 @ 4:31

Wiesen ganz weiß

Wiesen ganz weiß
von Raureif
immer noch
im Schatten,
manchmal auch da,
wo die Sonne schon scheint.

Vormittags,
manchmal auch am Mittag noch:
da glitzert’s
und ist eben weiß.
Und noch ist Herbst,
nicht Winter.

Und kalt ist’s.
Aber trocken die Kälte.
Und aushalten kann man’s.
Anders als bei höheren Temperaturen
im Regen.
Da ist es fürchterlich!

Weiß, ganz weiß
sind die Wiesen.
Und mir gefällt’s.

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — November 24, 2019 @ 11:52

Unterwegs

Der Blick gebannt auf die Wälder und Auen gerichtet.
Ein Lichtpunkt nach dem andern!
Immer wieder neu!
Immer wieder bestätigend:
Stetig immer und immer wieder:
Die Goldbäume und -bäumchen und -sträucher!

Ich kann es kaum fassen:
Es ist Ende November, nicht Anfang des Herbstes.
Goldbäume allüberall!
Lichtpunkte! Helle Punkte der Erkenntnis:
Bald kommt der neue Schnee auch ins Flachland!
Aber noch stehen sie da,
stehen so zahleich, dass es nicht zu fassen ist:
Ist das schon Klimawandel?
Die Meisen wissen es schon lange:
Gehen oder bleiben,
die alte Frage!

Ziehen wir rechtzeitig
Konsequenzen?
Wir!

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — November 16, 2019 @ 11:27

Plitvice-Zauber

Einfach nur Wegwartenzeit war’s.
Den blauen Strahlenstern trug das Kind
munter und leicht durch den heiteren Tag..

Noch ahnte ich nichts
vom Plitvice-Zauber.
Alpenveilchen – nicht die im Topf -
begleiteten ihn.

Eins waren Ruhe und eilendes Stürzen;
Stille ja – und dann brausendes Getöse,
Höhe und Tiefe, das Oben und Unten.
Was kommt woher und
ach, wohin fließt es weiter?
Spiegelndes Himmelblau
und Wolkenbilder
und unverkennbar
ein Mörikesches Blaugrün.

Wirklich: Wegwartenzeit
im Durcheinander
von Fließen und Stürzen
und wieder zur Ruhe kommen,
in Plitvice.

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — November 14, 2019 @ 4:24

Vom Wechselspiel des Lächelns

Ich lächle.
Ich lächle vielleicht noch mal.
Merkt sie es?
Vielleicht ist sie ja in Gedanken
ganz woanders.
Lächle ich noch ein drittes Mal?
Vielleicht merkt sie es

jetzt.

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — November 8, 2019 @ 1:25

Stiller Herbst

Gehn wir hinein,
in den stillen Herbst.
Lasst uns ihn gern genießen!

Er weist schon Richtung Winter,
November heißt sein Namen;
er will mit Regen und mit Dunkelheit
uns Ruhe geben. Amen.

Er will uns Kraft und Muße schenken,
an nichts mehr als an Frieden denken
uns lassen, der die Seele füllt
und ganz erholt die Winterstürme dulden
uns lässt, die uns
aufs Frühjahr wieder zugehn machen.
Ach, dafür danken wir und können lachen!

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — November 5, 2019 @ 10:46

Herbstabend im November

Hier und da noch Sonnenschein
auf den Dächern des Dorfes.
Auch der Giebel des Pfarrhauses
ist noch von Sonnenschein bedacht.

Der Goldbaum in der Mitte von Aichelberg,
sonnenbestrahlt wirkt er noch goldener.
Blau ist der Himmel noch;
bald ist schon Nacht!

Der Großvater mit seinem Enkel
am Griff des Regenschirms,
noch hat er ihn in der Hand;
als er ihm entschwindet,
hat ihn die Oma geschnappt.
Kurz entschlossen
hält er sich aber an der Jacke der Oma fest.
Nun ziehen sie weiter im Zügle!

Mehrmals wird das Tor zum Kinderspielplatz
geöffnet und Eltern oder Großeltern der Kinder
verlassen den Ort.
Jedesmal wird das Tor geöffnet
und wieder geschlossen.

Da kommt auch schon mein Bus.

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — Oktober 29, 2019 @ 1:23

Mittlerer Herbst

Am Ortsausgang von Aichelberg,
da stehen sie:
Kugelbäume, spitzzulaufende Bäume,
mächtig ausladende Bäume,
schmale Bäumchen.

Als Kugelbäume: ein Goldbaum,
leuchtend alle Blicke auffangend;
grün-rot noch dastehend
im alten Friedhof einer,
schließlich noch einer: schon braun.

Spitzzulaufend in die Höhe geschossen
zitronengelb aufragend einer,
mächtig ausladende Bäume
hier und dort und einige schmale Bäumchen.

Alle gut angelegt ringsum,
in Gärten, auf dem Feld
und auf dem Friedhof:

Eine leuchtend bunte Sammlung,
vor allem im Herbst!

Gespeichert unter: Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik — Oktober 26, 2019 @ 2:44

Herbst

Ein Sonnenstrahl bricht durch das Geäst;
er trifft auf ein welkes Blatt;
das strahlt golden im Herbst.

Gespeichert unter: Bekenntnisse, Neue Maier-Lyrik — Oktober 17, 2019 @ 2:59

Austritt

Die großen und die kleinen Kirchen,
die hier im Lande stehen,
die nicht mehr meine Heimat waren
seit vielen Jahren,
oft von historischem Wert,
mit wunderbaren Werken
von großen Künstlern
und von kleinen,
sie sind es jetzt
und schon seit vorgestern
endgültig nicht mehr.

Nun bin ich endgültig
aus meiner Kirche ausgetreten.
Den Schritt, den ich gemacht
habe, ich bin so dankbar für ihn.
Befreit von vielem Merkwürdigen,
von Dogmen, Regeln,
die ich nicht mehr nun
mitschleppe,
von Regelungen,
was ich zu glauben hätte,
von Gängelungen,
die ich doch mitzutragen hätte,
von all dem Schutt,
der über Jahre nicht wirklich
weniger geworden,
dass eben doch
ein Gott und keine Göttin gälte
mit allem, was sich draus ergibt:
ich bin es los!

Die großen und die kleinen Kirchen,
die hier und sonst im Land
noch stehen,
sie kann ich nun
als Historiker
noch sehen und
ihren Sinn begreifen,
den sie bestimmt noch haben,
aber mich ganz mit ihnen
verbunden fühlen zu müssen,
das ist zu Ende.

Jedenfalls bin ich
nicht mehr bereit,
im Falle meines Todes -
auch wenn der nicht unmittelbar
bevorstünde -
mich einer kirchlichen Beerdigung
noch auszusetzen
oder auch nur
einem Besuch
zu rundem Geburtstag
mich ausgesetzt zu wissen
durch einen Pfarrer -
obwohl ich gar nicht weiß,
ob ich ihn noch erlebe -
davon bin ich nun frei.